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Im Gespräch | Beitrag vom 26.11.2020

Maler David SchnellIm Sog von Bewegung und Farbe

Moderation: Britta Bürger

Der Maler David Schnell (Stefan Fischer)
Der Maler David Schnell gehört zu den wichtigsten Vertretern der "Neuen Leipziger Schule". (Stefan Fischer)

Die Bilder des Leipziger Malers David Schnell haben einen eigenen Sog: Sie spielen mit Nähe und Distanz, mit der Wirkung von Farbe und Bewegung. Das habe auch etwas mit seiner Begeisterung für den BMX-Radsport zu tun, erzählt der Maler.

Der "540°", eine Mehrfachdrehung in der Luft um 540 Grad mit einem BMX-Rad, war die sportliche Spezialität von David Schnell in seinen Jugendjahren in Köln. Die Faszination für Bewegung zeigt sich auch heute in den Bildern des Malers, der zu den bedeutendsten Vertretern der "Neuen Leipziger Schule" gehört, neben Neo Rauch oder Rosa Loy, Matthias Weischer und Christoph Ruckhäberle.

Eine Gründerzeit-Turnhalle als Atelier

Schnells Bilder beeindrucken auch allein durch ihre Größe von mitunter fünf mal drei Metern. Dafür hat der Künstler einen besonderen Ort als Atelier gefunden:

"Ich arbeite zurzeit in einer Gründerzeit-Turnhalle, wo ich mindestens 20 Meter Abstand halten kann. Und es ist tatsächlich so, dass ich ständig in Bewegung bin. Ich male eine kleine Stelle im Bild und gehe dann zehn, manchmal 20 Meter zurück, um zu gucken, wie das Ganze aus der Distanz wirkt."

David Schnell: Buntes Ölgemälde (Uwe Walter)Die Bilder von David Schnell sind groß, mitunter fünf mal drei Meter. (Uwe Walter)

Und dann die Wucht seiner Farben: Es gebe Werke, die er regelrecht einer Farbe widme. Zum Beispiel mit dem Bild "Rot":

"Dieses rote Blättergewirr; da war es tatsächlich so, dass ich einen heißen Sommertag wiedergeben wollte. Dass ich fast schon eine Assoziation von Waldbrandgefahr im Hinterkopf hatte und dieses zwiespältige Gefühl des zum einen Gefährlichen, aber auch Schönen an so einem Feuer in einem Bild darstellen wollte."

Faszination Leipzig

Der gebürtige Kölner kam 1995 nach Leipzig zum Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst. Die Stadt zog ihn schnell in ihren Bann, damals noch im Umbruch mit leerstehenden Häusern, maroden Straßenzügen.

"Das fand ich am Anfang irritierend, aber relativ schnell fand ich es dann auch interessant. Zum einen, weil man relativ günstig wohnen konntet, in alten Gründerzeit-Wohnungen mit sehr viel Raum; zwar Ofenheizung, aber was solls. Zum anderen war es wahnsinnig interessant, in diesen Stadtteilen herumzustromern."

Die "Neue Leipziger Schule"

Geprägt hat ihn sein Lehrer, Arno Rink, einer der Vorreiter der "Leipziger Schule". Er habe ihn immer im genau richtigen Moment weitergebracht, mitunter nur mit einer eher flüchtigen Bemerkung: "Manchmal war es so, dass er einfach nur kurz geguckt und gesagt hat: Ja, da sprechen wir in der nächsten Woche noch mal drüber." Das habe ihn als Studenten angespornt.

Mit dem auch umstrittenen Label "Neue Leipziger Schule" hat sich David Schnell abgefunden. Anfangs habe es ihm und seinen Maler-Kolleginnen und Kollegen geholfen, sich zu vermarkten, erstes Geld zu verdienen. Auch die Angst, in eine Schublade gesteckt zu werden, habe sich nicht bestätigt.

Der Verein "Land in Sicht"

David Schnell ist nicht nur als Maler aktiv. Gemeinsam mit seinem Kollegen Christoph Ruckhäberle gründete er den Verein "Land in Sicht". Der Verein unterstützt Projekte, wie Jugendzentren in kleineren Orten, um den Jugendlichen eine Perspektive zu geben. Und um dem wachsenden Einfluss rechtsextremer Kräfte und dem Erstarken der AfD etwas entgegenzusetzen. "Wir versuchen, auch ein Bewusstsein für Demokratie zu geben. Politische Bildung durch Workshops, Theaterworkshops, durch Musik; dies durch Kultur im Bewusstsein der jungen Leute zu verankern."

(sus)

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