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Buchkritik | Beitrag vom 17.03.2018

Maja Lunde: "Die Geschichte des Wassers"Konstruierte Fortsetzung des Klimawandel-Quartetts

Von Andrea Gerk

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(btb/Imago/Deutschlandradio)
Maja Lundes neuer Roman: "Die Geschichte des Wassers" (btb/Imago/Deutschlandradio)

Nach den Bienen beschäftigt sich die Schriftstellerin Maja Lunde nun mit Wasser: In ihrem neuen Roman beschreibt sie eine Welt, in der das lebenswichtige Nass knapp geworden ist. Leider merkt man dem Roman den Versuch an, eine Erfolgsgeschichte weiterführen zu wollen.

Auf drei gekonnt miteinander verwobenen Ebenen erzählt Lunde in ihrem ersten Roman wie das Bienensterben begann und wie unsere Welt aussehen wird, sollten wir diese Katastrophe nicht abwenden. Die Geschichte der Bienen ist gut gebaut, gut erzählt und hat ein gutes Thema, das jeden, der das Buch liest, überzeugt und mitreißt. Dementsprechend hoch sind die Erwartungen an die Fortsetzung des Klimawandel-Quartetts, das Lunde bereits angekündigt hatte.

Nun also "Die Geschichte des Wassers", wieder ein wichtiges Thema, das uns alle angeht. Erzählt wird diesmal auf zwei Ebenen: Die eine spielt in naher Zukunft, irgendwo im unerträglich heißen Südeuropa im Jahr 2041. Fünf Jahre in Folge herrscht bereits Dürre und fürchterliche Waldbrände zerstören Orte, Landschaften und  Menschen.

Familienvater und Umweltaktivistin

David, ein junger Vater ist mit seiner kleinen Tochter auf der Flucht, den Rest der Familie haben sie verloren, nun versuchen sie Frau und Sohn wiederzufinden. In einem Flüchtlingscamp finden die beiden Zuflucht, aber auch hier macht sich die große Not bemerkbar, die jeden, der noch kann, in den Norden Europas treibt, in die kühleren Länder, die schon längst keine Klimaflüchtlinge mehr aufnehmen können oder wollen.

Auf der zweiten Ebene nimmt Maja Lunde den Leser mit auf das Boot der 70-jährigen Signe. Die Umweltaktivistin ist an der norwegischen Westküste aufgewachsen und nun dorthin zurückgekehrt. Sie will die Gletscher retten, in deren Nähe sie groß geworden ist, und aus denen mittlerweile Eis abgebaut und exportiert wird. Mit den kalten Riesen ist Signes Familiengeschichte aufs engste verbunden: Der Konflikt zwischen blindem Fortschrittsglauben und Profitgier (die Mutter) und dem tiefen Sinn für die Bedeutung der Natur, die es zu schützen gilt (der Vater), hat ihr Leben geprägt und ihm die Richtung gegeben. Ganz am Ende kommen diese Geschichten zusammen.

Wenig überraschendes Thema

Anders als in einem Dokumentarfilm oder einer aufklärenden Reportage, liegt der Reiz von Maja Lundes Romanen nicht zuletzt darin, dass sie drängende Probleme mit einer Geschichte verknüpft, mit Menschen, ihrem Schicksal und Gefühlen, mit denen man sich identifizieren kann, was wahrscheinlich mehr Einsicht und Verständnis bewirkt und im besten Fall auch den Impuls, etwas zu verändern, als die abstrakte Bedrohung durch eine Klimakatastrophe.

War bei den Bienen schon ihre Geschichte fesselnd - von der Erfindung des Bienenkorbs im 19.Jahrhundert bis zur Mühsal der chinesischem Handbestäuber, die wie Vögel auf Bäume klettern müssen, um mit Pinseln die Blüten viel schlechter zu bestäuben als Insekten es könnten – sind die Auswirkungen der drohenden Wasserknappheit durch den Klimawandel, die Dürre und erstickende Hitze weitaus bekannter und entsprechend weniger überraschend, als mit den Augen eines Imkers auf die Welt zu schauen.

Noch dazu wirken die Figuren eigenartig leblos und konstruiert, mehr wie Ideenträger im Dienste einer gut gemeinten Sache und weniger wie jene faszinierenden Wesen die nur große Literatur zum Leben zu erwecken vermag. Leider bestätigt sich die Vermutung, die schon der Titel nahelegt: "Die Geschichte des Wassers" ist der Versuch, eine Erfolgsgeschichte weiterzuführen. Aber eben nur der Versuch.

Maja Lunde: "Die Geschichte des Wasser"
btb Verlag, München 2018
480 Seiten, 20 Euro

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