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Tonart | Beitrag vom 25.03.2019

Maik Brüggemeyer zum Tod von Scott Walker Ausnahmemusiker mit besonderer Stimme

Moderation: Oliver Schwesig

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Der Sänger Scott Walker im Jahr 1967. ( imago/United Archives International)
Der verstorbene Sänger Scott Walker, hier im Jahr 1967, hat unter anderem David Bowie und Radiohead beeinflusst. ( imago/United Archives International)

Songs wie "The Sun Ain't Gonna Shine" und "Make It Easy on Yourself" werden immer mit ihm in Verbindung gebracht werden: Scott Walker. Aber auch nach seinen Ausstieg bei den Walker Brothers schuf er Bleibendes.

Nichts weniger als einen "Titan" nannte ihn seine Plattenfirma 4AD, als sie die Nachricht vom Ableben des Popsängers, Produzenten und Songschreibers Scott Walker am Montag öffentlich machten. "Mit großer Trauer geben wir den Tod von Scott Walker bekannt", teilte das Unternehmen mit. Walker wurde 76 Jahre alt. 

Internationale Bekanntheit erlangte der in Hamilton, Ohio, geborene Walker in den 60er-Jahren als Sänger der Band "The Walker Brothers", mit der er Hits wie "Make It Easy On Yourself" (1965) oder "The Sun Ain't Gonna Shine Anymore" (1966) landete. Allerdings stieg er 1968 aus der Band aus, weil er meinte, er müsse in der Band alles alleine machen, wie der Musikjournalist Maik Brüggemeyer im Deutschlandfunk Kultur erzählt:

"Er hatte das Gefühl: ´Alles ist eh schon eine One-Man-Show' und dann war es so, dass sie auf dem Gipel ihres Ruhmes waren und die beiden anderen dann noch dem Hedonismus fröhnten."

Dann kamen die Songs von Jacques Brel

Und dann sei er von einer Freundin auf die Songs von Jacques Brel hingewiesen worden, so Brüggemeyer: "Und er war fasziniert von dieser Kraft, dieser Dramatik. Und er dachte, das könnte ein Weg sein, auf dem wir mit den Walker Brothers weiter gehen könnten, aber das haben die anderen beiden anders gesehen, die wollten weiter Hits haben und dann hat er sich quasi selbständig gemacht." 

Seit 1967 hatte Walker bereits seine Solokarriere verfolgt, die von zahlreichen Stilwechseln geprägt war. Zunächst aber zeigte sich Walker in seinen Soloarbeiten vor allem von Brel beeinflusst. So gab es auf all seinen ersten Soloplatten Cover-Versionen von Jacques Brel. Erst sein viertes Soloalbum enthielt dann ausschließlich eigene Songs und keine Cover, und das verlegte er dann unter seinem Taufnamen Noa Scott Engel, wie Brüggemeyer sagt. Allerdings sei ab da dann auch der kommerzielle Erfolg ausgeblieben. 

Im Laufe seiner Karriere veröffentlichte Walker dann insgesamt 18 Soloalben. Sein letztes Album "Vox Lux" erschien im vergangenen Jahr.

"Angenehm sanfter Außenseiter"

Das besondere an Walkers Musik ist auch die Stimme, wie Maik Brüggemeyer erklärt: "Es ist einen Stimme, die man nicht jeden Tag hört." Eine große Stimme mit großer Dramatik, wie der Journalist erklärt.

Mitte der 70er stimmte Walker dann einer Re-Union der Walker Brothers zu: "Die erste Platte funktionierte dann auch ganz gut, aber die zweite dann schon nicht mehr."

Insgesamt galt Walker als eine der eigenwilligsten Figuren der britischen Pop-Musik. Viele herausragende Künstler des Britpop, darunter David Bowie und Bat for Lashes, gelten als maßgeblich von ihm beeinflusst. Walker betreute als Produzent auch andere Künstler, etwa die britische Rockband "Pulp". Und auch Frontsänger Thom Yorke sah sich von Walker wesentlich beeinflusst. So bezeichnete er Walker via Twitter als "angenehm sanften Außenseiter", dessen Musik einen "riesigen Einfluss auf Radiohead und ihn selbst gehabt habe. Walker habe ihm gezeigt, wie er seine Stimme und Worte einsetzen kann. 

(sru)

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