Seit 01:05 Uhr Tonart

Mittwoch, 01.04.2020
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Fazit | Beitrag vom 22.03.2020

Magdalena Kožená über "Idomeneo"Eine Zerreißprobe für die Seele

Moderation: Eckhard Roelcke

Beitrag hören Podcast abonnieren
Magdalena Kožená auf der Bühne. (T. Bartilla / imago images / Future Image)
Isolation, Vertreibung, Flucht und Gewalt: Diese Themen machen Mozarts Idomeneo zu einer erstaunlich zeitgemäßen Oper, meint Kožená. (T. Bartilla / imago images / Future Image)

Eigentlich hätte die Mezzosopranistin Magdalena Kožená in Mozarts "Idomeneo" in der Staatsoper Berlin auftreten sollen. Doch die Premiere wurde wegen des Shutdowns abgesagt. Die Sängerin bedauert das sehr. Auch weil der Idamante ihre Lieblingsrolle sei.

Mozart erzählt in seiner gleichnamigen Oper die Geschichte von Idomeneo, dem König von Kreta, der bei seiner Heimkehr aus dem Trojanischen Krieg in einen fürchterlichen Sturm gerät. Er gelobt dem Gott des Meeres, Poseidon, sollte er sein Königreich heil erreichen, den ersten Menschen zu opfern, der ihm am Strand von Kreta begegnet. Idomeneo überlebt und trifft auf seinen Sohn Idamante.

Opernbesucher beobachten drei Stunden lang, wie der Vater versucht, dem Zwang des Tötens zu entkommen und den Krieg endgültig hinter sich zu lassen. Mozart erzählt, wie Gewalt Menschen deformiert.

Idamante ist Koženás Lieblingsrolle

Am Sonntagabend hätte die international gefeierte tschechische Mezzosopranistin Magdalena Kožená die Partie des Idamante in der Berliner Staatsoper darstellen sollen, doch die Premiere fiel dem Corona-Shutdown zum Opfer. Dabei ist Idamante ihre Lieblingsrolle, wie sie sagt. Zwar seien die Arien nicht die schönsten, zudem auch schwer zu singen, aber die in der Oper transportierten Gefühle faszinierten sie.

Mozart habe darin seine eigene Beziehung zu seinem Vater verarbeitet, sagt Kožená. Auch sei man als Schauspielerin sehr gefordert. Sie entdecke immer wieder Neues und Spannendes an der Rolle. Insofern sei sie sehr traurig über die Absage, sagt Kožená.

Liebe oder Pflicht

Neben dem Konflikt mit dem Vater gibt es aber noch einen weiteren, den Idamante überstehen muss. Gleich zwei Frauen lieben ihn: Ilia, die gefangene trojanische Prinzessin, und Elektra, die griechische Prinzessin. Doch Idamante ist willensschwach, wofür Kožená durchaus Verständnis zeigt, schließlich sei er noch sehr jung, höchstens 21 Jahre alt.

Er verliebt sich in Ilia, die aber gleichzeitig die Feindin des Landes ist, dessen König er irgendwann einmal werden soll, wie Kožená erklärt. Idamante muss sich entscheiden – zwischen Liebe und Pflicht. Eine Zerreißprobe für seine Seele, wie Kožená sagt.

Das Stück spielt auf einer Insel und behandelt die Themen Isolation, Vertreibung, Flucht und Gewalt. Insofern ist die über 200-jährige Oper erstaunlich modern und zeitgemäß, wie Kožená sagt.

Mehr zum Thema

Salzburger Festspiele - Mozart als Klimaaktivist
(Deutschlandfunk, Kultur heute, 28.07.2019)

Eine Lange Nacht über Opernskandale - "Buhs, vornehmlich aus Nordwest"
(Deutschlandfunk Kultur, Lange Nacht, 21.07.2019)

Starke Frauen in Opernarien - Der Garten der Seufzer
(Deutschlandfunk, Musik-Panorama, 13.05.2019)

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsAufatmen in der Quarantäne
Die polnische Autorin Olga Tokarczuk steht an einem Bücherregal.  (dpa / picuture alliance / Friso Gentsch)

Für die polnische Literatur-Nobelpreisträgerin Olga Tokarczuk ist die Coronakrise auch eine Chance auf einen anderen, gebremsten Rhythmus des Lebens, schreibt sie in der "FAZ". Dies erinnere an die Kindheit, in der sie Zeit verschwenden durfte.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur