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Fazit / Archiv | Beitrag vom 08.12.2009

Mäzen aus Leidenschaft

25 Jahre Broad Arts Foundation

Von Kerstin Zilm

Die Broad Art Foundation will das Gesamtwerk eines Künstlers widerspiegeln. So besitzt sie u.a. 100 Fotografien von Cindy Sherman. (AP Archiv)
Die Broad Art Foundation will das Gesamtwerk eines Künstlers widerspiegeln. So besitzt sie u.a. 100 Fotografien von Cindy Sherman. (AP Archiv)

Eli Broad, Sohn von Einwanderern aus Litauen, machte in Amerika ein Vermögen mit mehreren Unternehmen. Seit zehn Jahren widmet er sich aber hauptberuflich seinem Steckenpferd, der bildenden Kunst. Seine "Broad Art Foundation" besitzt eine riesige Anzahl bedeutender Kunstwerke der Moderne mit einem Gesamtwert von über einer Milliarde Dollar.

Wer in den vergangenen Jahren eine Ausstellung moderner Kunst in Europa oder den USA besuchte, hat mit größter Wahrscheinlichkeit Werke aus der Sammlung von Eli und Edythe Broad gesehen. Zum Beispiel Joseph Beuys im Guggenheim Museum von Bilbao, Jeff Koons in der Nationalgalerie Berlin und Keith Haring im Musee d'Art Contaimporain in Lyon. Mehr als zweitausend Werke moderner Kunst gehören zur Sammlung des Ehepaars aus Los Angeles. Seit Gründung ihrer Kunststiftung haben sie über siebentausend Mal Kunstwerke verliehen. Der 76-jährige Philanthrop Eli Broad erklärt, warum:

"Es begann damit, dass wir Kunst sammelten, unsere Wände voll hingen und wir weiter sammeln wollten. Das brachte uns auf die Idee, eine Kunststiftung zu gründen, die wie eine Leihbibliothek funktioniert. Kunst zu sammeln ist eine Leidenschaft für uns. Manche sagen, es macht süchtig. Und man will diese Leidenschaft, diese Sucht mit anderen teilen."

Der ehemalige Unternehmensgründer hat seinen Geschäftssinn nicht verloren. Eli Broad sieht sich als "Venture-Philanthrop", der mit bestimmten Zielen in Bildung, Wissenschaft, Medizin und Kunst investiert. Dabei geht es nicht darum, seinen Kontostand von geschätzten 5,2 Milliarden Dollar weiter zu erhöhen:

"Wir wollen eine Bildungsreform in den USA, die die Kluft zwischen Schülern aus Familien mit unterschiedlichem Einkommen und unterschiedlicher Herkunft schließt. In der Kunst wollen wir, dass so viele Menschen wie möglich die Werke sehen können. In Wissenschaft und Medizin erwarten wir Entdeckungen, die die Lebensbedingungen verbessern. Wir verteilen nicht einfach Geld und Schecks. Wir wollen Ergebnisse sehen."

Die Broad Kunststiftung erwirbt im Durchschnitt 25 bis 100 Werke pro Jahr. Sie will das Gesamtwerk eines Künstlers möglichst umfangreich in seiner Entwicklung widerspiegeln. Die Broad Art Foundation besitzt beispielsweise mehr als 100 Cindy Sherman Fotografien, über 30 Werke von Roy Liechtenstein und mehr als 20 Werke von Jeff Koons. Zu den neusten Erwerbungen gehören 570 Werke von Joseph Beuys, die seit dem Kauf 2006 schon in mehreren Museen ausgestellt waren und derzeit im Los Angeles County Museum of Art zu sehen sind.

Das Forbes Magazin schätzt den Wert aller Werke der Broad Kunststiftung auf über eine Milliarde Dollar. Damit eine Künstlerin oder ein Künstler in die Sammlung aufgenommen wird, muss deren Werk eine gewisse Reife zeigen, erklärt Kuratorin Joanne Heyes, und kunstgeschichtlich wichtige Dimensionen erreicht haben.

"Eine der angenehmen Seiten der Stiftung ist, dass Eli und ich die Sammlung in direktem Kontakt miteinander entwickeln können. Ohne schwerfällige Ausschüsse und Formalitäten. Wir kaufen mit der Geschwindigkeit eines privaten Sammlers und den Zielen einer öffentlichen Kunstinstitution."

Eli und Edythe Broad investieren nicht nur in Kunstwerke, sie stiften Millionen Dollar an Museen. Eine Schenkung von 60 Millionen ermöglichte den Anbau für moderne Kunst des LA County Museum of Art, entworfen von Stararchitekt Renzo Piano. Mit einer Spende von 30 Millionen retteten sie das Museum of Contemporary Art in Los Angeles vor dem Konkurs.

Manche Kunstliebhaber und Stadtplaner kritisieren den wachsenden Einfluss des Geschäftsmannes und seines Geschmacks auf die Kunstszene in Los Angeles. Broad bestimmt deren Richtung als Mitglied zahlreicher Gremien entscheidend mit. Doch die Kritiker werden überstimmt von Kunstliebhabern, die um weitere Millionen des Kunstförderers wetteifern.

Der 76-jährige entgegnet Kritikern, er übernehme lediglich Aufgaben, die in anderen Ländern der Regierung zufalle. Die Broads sehen große Vorteile von staatlicher Kulturförderung wie zum Beispiel in Deutschland, wo die Stiftung mit zahlreichen Institutionen regelmäßig zusammenarbeitet.

"Kunst in den USA bekommt im Vergleich zu vielen europäischen Ländern wenig Unterstützung vom Staat. Wir wünschen uns ein System wie in Deutschland oder Frankreich, wo eine Institution vom Kulturministerium einen Jahreshaushalt genehmigt bekommt. Wir dagegen müssen andauernd Spenden sammeln für die Kunst."

Die Broads werden mit ihrer Kunststiftung weiter Geschenke in Millionenhöhe geben. Möglicherweise fließt ein Teil ihres Vermögens bald in ein eigenes Museum. Beverly Hills und Santa Monica übertreffen sich derzeit gegenseitig mit günstigen Angeboten zum Bau eines Museums für moderne Kunst aus der Sammlung der Broad Art Foundation.

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