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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 09.07.2019

Machtkampf in der AfD Motor der Radikalisierung

Ijoma Mangold im Gespräch mit Korbinian Frenzel

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Beim 14. Landesparteitag der AfD Baden-Württemberg werden rote Stimmkarten mit der Aufschrift Nein in die Höhe gehalten. (Uli Deck/dpa/picture alliance  )
Auf den letzten Landesparteitagen der AfD ging es hoch her. (Uli Deck/dpa/picture alliance )

Die AfD radikalisiert sich permanent, sagt der Zeit-Journalist Ijoma Mangold. Die Partei wisse, dass sie damit den Raum des gesellschaftlich Akzeptablen erweitere. Offen sei bisher, ob diese Logik jetzt an ihr Ende komme.

Der Machtkampf innerhalb der AfD ist so alt wie die Partei selbst. In fast allen Landesverbänden toben gerade heftige Auseinandersetzungen. In Nordrhein-Westfalen ist gerade der Landesparteitag in einem Eklat ohne richtigen Vorstand auseinandergegangen.

Der kulturpolitische Korrespondent der Wochenzeitung "Die Zeit", Ijoma Mangold zu Gast bei Deutschlandfunk Kultur in Berlin (Deutschlandradio / Alexander Moritz)Der kulturpolitische Korrespondent der Wochenzeitung „Die Zeit“, Ijoma Mangold. (Deutschlandradio / Alexander Moritz)

"Ich halte das Völkische im buchstäblichen Sinne für verfassungsfeindlich", sagte unser Studiogast, der "Zeit"-Journalist Ijoma Mangold, im Deutschlandfunk Kultur. Wenn eine Partei im demokratischen Pluralismus mitwirken wolle, dann müsse sie sich davon nicht nur abgrenzen, sondern dürfe nicht verwechselbar sein. "Die AfD spielt selbstverständlich immerzu an diesem Rand, das tut sie allerdings auch schon sehr lange."

Falsche Hoffnung

Bisher habe die Radikalisierung der Partei allerdings nie geschadet. "Wir außenstehende Beobachter hatten immer die Hoffnung, das wird die AfD zerlegen, sie wird diese Zerreißprobe nicht bestehen", sagte Mangold. "Je radikalisierter sie wird, umso unwählbarer wird sie dann doch für das konservative Milieu, das ihre Basis ausmacht."

Aber das sei bisher nicht so gewesen. Stattdessen habe es eine permanente Radikalisierung gegeben, von einem Parteivorsitzenden zum nächsten. "Die Partei hat in Wahrheit davon profitiert", sagte Mangold. "Die Partei hat immer die Erfahrung gemacht, je weiter sie sich rechts rauslehnt desto mehr erweitert sie den Raum des gesellschaftlich Akzeptablen."

Parallelen zu den Grünen

Mangold stimmte aber zu, dass diese Logik an ihr Ende kommen könnte, ähnlich wie zu Zeiten des RAF-Terrors, als in linken Kreisen eine Distanzierung stärker diskutiert wurde. Die Parallele sei sehr naheliegend, da die "neue Rechte" sehr viele Methoden von links übernommen habe, sagte der "Zeit"-Journalist.

"Dass die Partei Alternative für Deutschland heißt, ist ja auch kein Zufall." Schließlich sei die Alternative eine Gründungsidee der Grünen gewesen. "Das gesamte Programm auch einer Gegenöffentlichkeit, alle die linken, nicht nur Begrifflichkeiten, sondern auch Praktiken wurden jetzt von rechts besetzt." Insofern kämen jetzt auch die ähnlichen Dilemmata zum Ausdruck. "Die außerparlamentarische Opposition, das ist für die AfD - Pegida", sagte Mangold.      

(gem)

Ijoma Mangold ist kulturpolitischer Korrespondent der Wochenzeitung "Die Zeit". Der Literaturkritiker wurde 1971 in Heidelberg geboren. Er studierte Literaturwissenschaft und Philosophie in München, Bologna und Berlin. Seine journalistische Laufbahn begann er bei der "Berliner Zeitung", arbeitete späte für die "Süddeutschen Zeitung" und wechselte anschließend zur "Zeit". Er moderierte mit Amelie Fried die ZDF-Literatursendung "Die Vorleser" und ist Träger des Berliner Preises für Literaturkritik. 2017 erschien seine Autobiografie "Das deutsche Krokodil".

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