Luftbrücke Kabul

    Rettungsaktion mit bürokratischen Hindernissen

    07:39 Minuten
    Eine afghanische Familie, Mutter mit ihren Kindern, ist auf dem Weg in ein Frachtflugzeug des US-Militärs, um vom Flughafen in Kabul ausgeflogen zu werden. 20210824_szp_z03_065 Copyright: xSgt.xDonaldxR.xAllen/USAFx
    Von Hindernissen geprägt: die Rettung afghanischer Helfer und ihrer Familien auf dem Flughafen in Kabul.(Symbolbild) © Imago / US AF / Sgt. Donald R. Allen
    Wolfgang Bauer im Gespräch mit Gabi Wuttke · 29.08.2021
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    Das Aktionsbündnis "Luftbrücke Kabul" charterte ein Flugzeug, um gefährdete Afghanen auszufliegen. Doch die Aktion wurde durch das Verhalten deutscher Behörden massiv gebremst, erzählt Journalist Wolfgang Bauer, der bei der Aktion dabei war.
    189 Afghanen und Afghaninnen, die unter den Taliban wegen ihrer Arbeit für westliche Medien, NGOs oder andere Firmen um ihr Leben fürchten müssten, sind nach Berichten von "Zeit" und "Spiegel" am 29. August vom Flughafen in Kabul ausgeflogen worden. Sie wurden auf amerikanische Militärbasen in Katar und in Saudi-Arabien gebracht.
    Hinter der Rettungsaktion stecken die Aktivistinnen und Aktivisten der "Luftbrücke Kabul". Sie wollen Leben retten und haben dafür ein Flugzeug gechartert.

    Pannen am Flughafen

    Das private deutsche Aktionsbündnis, an dem unter anderem die Filmemacherin Theresa Breuer, Erik Marquardt (EU-Abgeordneter der Grünen) sowie verschiedene Nichtregierungsorganisationen wie "Sea Watch" beteiligt sind, stieß am Flughafen von Kabul jedoch auf bürokratischen Widerstand. Das berichetet unter anderem der "Zeit"-Journalist und Kriegsberichterstatter Wolfgang Bauer.
    Auch deutsche Medien wollen ihren Kolleginnen und Kollegen in Afghanistan helfen und begleiteten deshalb die Aktivisten nach Afghanistan. Bauer war bei der Hilfsaktion dabei. Einer seiner Mitarbeiter war erschossen worden, ein weiterer sowie die Witwe des ermordeten Kollegen konnten jetzt ausgeflogen werden. Er empfinde eine Fürsorgepflicht gegen über den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, betont der Journalist.
    Am Flughafen selbst sei kein Kontakt zwischen Aktivistin Theresa Breuer und offiziellen deutschen Ansprechpartnern möglich gewesen, obwohl diese nur einige hundert Meter entfernt gewesen seien, sagt Bauer.
    Ein deutscher Diplomat wiederum habe nach einem kurzen Kontakt nicht mehr für ein Gespräch zur Verfügung gestanden und sich, obwohl in Sichtweite mit den Aktivisten, "demonstrativ abgewandt und uns die ganze Zeit den Rücken zugewendet".
    Stattdessen seien sie aus Sicherheitsgründen aufgefordert worden, in ein Flugzeug zu steigen und den Flughafen zu verlassen.

    "Totaler PR-GAU für das Außenministerium"

    Bauer zeigt sich empört und enttäuscht über die schlechte Koordination vor Ort in Kabul. Es habe massive Kommunikationsprobleme gegeben, obwohl die Aktion offiziell von Außenminister Heiko Maas (SPD) "gut geheißen und unterstützt" worden sei.
    "Ich habe da mehr Fragen als Erklärungen. Am Ende war es ein bürokratisches Desaster und ein totaler PR-GAU für das Außenministerium, aber vielleicht auch für das Verteidigungsministerium", kritisiert Bauer. "Dem gilt es noch nachzuspüren."
    Die Hilfsaktion sein "keine Spaßtour, sondern es ist elementar wichtig, dass auch die deutsche Öffentlichkeit über die Vorgänge informiert wird".
    (mkn)
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