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Album der Woche / Archiv | Beitrag vom 13.10.2008

"London Undersound" von Nitin Sawhney

E-Gitarre (Stock.XCHNG / Herb Collingridge IV)
E-Gitarre (Stock.XCHNG / Herb Collingridge IV)

Nitin Sawhney gehört zu den vielseitigsten und kreativsten Köpfen der Musikindustrie. Seit zehn Jahren bewegt sich der Produzent, Komponist und Multiinstrumentalist musikalisch zwischen Elektro, Jazz, Soul und vielschichtigen Einflüssen aus aller Welt. Gut drei Jahre nach seinem letzten Album veröffentlicht Nitin Sawhney mit "London Undersound" sein achtes Studioalbum.

Gäste wie Ojos de Brujo und Anoushka Shankar zeigen die musikalische Experimentierfreude des britischen Musikers indischer Herkunft. Die Songs auf "London Undersound" thematisieren die Stimmung in London nach den Anschlägen des 11. September 2001 und den Bombenanschlägen im Juli 2005. Unsicherheit und Verdächtigungen gegen Migranten werden in den Liedern beschrieben. Mit dabei ist auch eine Ballade von Paul McCartney. "My Soul" heißt sie und ist eine Art musikalischer Versöhnung des Ex-Beatles mit seiner geschiedenen Frau Heather Mills. Die Musik zu den emotionalen Worten schrieb Nitin Sawhney.

CD der Woche im Radiofeuilleton:
Montag, 13. Oktober 2008 um 9.20 Uhr
Mittwoch, 15. Oktober 2008 um 10.40 Uhr
Freitag, 17. Oktober 2008 um 11.20 Uhr
Samstag, 18. Oktober 2008 um 11.20 Uhr

Nitin Sawhney ist Londoner durch und durch, er könnte in keiner anderen Stadt leben. Das sagt er selbst. Aber der Brite mit indischen Vorfahren sieht sehr deutlich, wie sich seine Stadt seit den Anschlägen auf die U-Bahn stetig verändert und die einst bunte Vielfalt zerfällt in ihre sozialen und kulturellen Einzelteile, die sich wiederum gegenseitig ängstlich beobachten.

Kann man daraus Musik machen? Der Brite jedenfalls hat ein Konzeptalbum eingespielt, welches die Vielfalt Londons in ihrer schillernden Unberechenbarkeit zu Gehör bringt. Flamenco, Jazz, Pop, Dub und House flirren bunt durcheinander und sind doch immer geprägt von der kompositorischen Rafinesse Sawhneys. Ein Album über soziale Verwerfungen, das eigentlich düster klingen sollte. Aber es ist ein Reigen von Liebesliedern mit manchmal melancholischen Zügen. Liebeslieder an die Stadt London. Das Album ist in sich so zwingend und eingängig, dass man es selbst mit Pink Floyds "The Wall" inhaltlich vergleichen kann. Eine Vision von auch politisch relevanter Popmusik.
(Thorsten Bednarz)


Musik ist Kommunikation, mit sich selbst, mit Freunden oder auch mit der Welt, in der man sich bewegt. Beim Konzeptalbum "London Undersound" des Briten Nitin Sawhney findet all dies auf einem Album statt. Er hat 11 befreundete Kollegen, darunter Paul McCartney oder Anoushka Shankar, ins Studio gebeten, um mit ihnen zusammen eine musikalische Momentaufnahme des Lebensgefühls im London des Jahres 2008 zu produzieren. Dem nachzuspüren, was sich verändert hat nach den Attentaten des Jahres 2005. Dem, was geblieben ist und dem, was die Zukunft vielleicht bringen wird. Und von dem Moment an, wo die ersten Großstadtgeräusche im Lautsprecher erklingen, bis zum verklingen derselben am Ende des letzten Titels wird man nicht nur mitgenommen in die vielfältigen musikalischen Klänge dieser Stadt, von Pop, Jazz, orientalischen Klängen bis hin zu Elektro-Beats, sondern man spürt auch die Vielfalt der intensiven Gefühle bei Produzent Nitin Sawhney und seinen Gästen gegenüber der Metropole London, die oft zwiespältig sind, verunsichert oder verängstigt, aber auch viel Zuversicht ausstrahlen. "London Undersound" - das ist musikalische Kommunikation im London des Jahres 2008 auf allerhöchstem Niveau.
(Wolfgang Meyering)

Wie klingt eigentlich London? Das musikalische Bild, das Nitin Sawhney mit "London Undersound" von seiner Wahlheimat zeichnet, stimmt nachdenklich: Verunsichert scheint die Stadt, ratlos und auch rastlos, melancholisch und sehnsüchtig, dabei aber zuversichtlich: "London Undersound" ist der Soundtrack des Lebens in der Metropole, das sich nach 7/7, nach den Anschlägen vom 07. Juli 2005, schlagartig verändert hat, vor allem für die Migranten der Stadt. Dass Angst und Paranoia zeitweise auf den Straßen von London herrschten, macht Sawhney wütend und überhaupt findet er, Musiker sollten keine Angst davor haben, sich auch mal politisch zu äußern. Sawhney tut das, allerdings auf sanfte Weise. Auf die kann man sich einlassen, wenngleich sie mehr herauszuspüren ist, als herauszuhören. Die Botschaft ist klar und eindringlich: Auch wenn im schönen, eleganten Gemisch aus Pop, Jazz, orientalischen Klängen und Elektro-Beats der Blick auf die Stadt bisweilen tränenumflort scheint, ist der London Undersound geprägt von der Liebe zu London und seiner Vielfalt, die kaum schöner hätte aufgezeigt werden können als in Sawhneys Songs. Dennoch ist das ganze keine rundum rosarote Liebeserklärung an London. Aber vielleicht genau deshalb: eine echte.
(Christine Watty)

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