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Fazit / Archiv | Beitrag vom 25.07.2018

Lohengrin-Premiere in Bayreuth"Ich bin sehr enttäuscht"

Jürgen Liebing im Gespräch mit Eckhard Roelcke

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Blick auf das "Lohengrin"-Bühnenbild und die Kostüme: Das Künstlerpaar Neo Rauch und Rosa Loy haben beides in diesem Jahr gestaltet.  (Festspiele Bayreuth)
"Theater-Museum von vor 50 Jahren", lautet das Fazit unseres Kritikers Jürgen Liebing der "Lohengrin"-Oper in Bayreuth 2018. (Festspiele Bayreuth)

Das Bühnenbild von "Lohengrin", mit dem die Bayreuther Festspiele eröffnet wurden, stammt von dem Künstlerpaar Neo Rauch und Rosa Loy. Unseren Kritiker hat das nicht überzeugt, die Musik sei aber "ganz wunderbar".

Mit der Neuinszenierung der Richard-Wagner-Oper "Lohengrin" haben am Mittwoch die Bayreuther Festspiele begonnen. Die Neuauflage dieser Wagner-Oper wird in diesem Jahr inszeniert vom israelisch-amerikanischen Regisseur Yuval Sharon, die musikalische Leitung hat Christian Thielemann inne. Aufregung hatte es bis wenige Wochen vor den Festspielen noch um die Besetzung der Titelpartie gegeben: Nachdem Ende Juni Roberto Alagna abgesagt hatte, war Piotr Beczala kurzfristig eingesprungen.

Piotr Beczala als Lohengrin. Mit der Neuinszenierung der Richard-Wagner-Oper begannen am 25.07.2018 die Bayreuther Festspiele.  (Enrico Nawrath/Festspiele Bayreuth/dpa)Piotr Beczala als Lohengrin. (Enrico Nawrath/Festspiele Bayreuth/dpa)

Teilweise gar sinnlos

Besonders in den Blick rückten bei dieser Eröffnung auch das Bühnenbild und die Kostüme, denn niemand Geringeres als das bekannte sächsische Künstlerpaar Neo Rauch und Rosa Loy haben sie gestaltet. Allerdings ist Jürgen Liebing nicht überzeugt von der Wirkungskraft der Arbeit. "Ich bin eigentlich sehr enttäuscht", lautet sein Fazit. "Wenn man 'Lohengrin' als romantische Oper bezeichnet, ist es jetzt eine neo-romantische. Wir erleben ein Märchen und das ist ganz schön, aber mehr auch nicht." Und dieses "mehr auch nicht" liegt Kritiker Liebing zufolge zum einen eben am Bühnenbild, aber zum anderen auch an der Regie.

Regisseur Yuval Sharon könne man dabei aber nur zum Teil die Verantwortung dafür geben, denn er habe die Arbeit nach der Absage von Alvis Hermanis nur weiterführen, aber nicht selber konzipieren können: "Yuval Sharon musste sich hier irgendwie integrieren. Und das ist ihm nicht gelungen. Alles ist sehr statuarisch. Es wird wirklich sehr viel rumgestanden." Teilweise sei es gar "sinnlos, was da gemacht wird". Kurz: szenisch eine Enttäuschung. Das Publikum habe trotzdem fast nur Beifall gespendet, so Liebings Beobachtung. Und seine Erklärung: "Dies ist eben ein Märchen und es stört niemanden, es ist Theater-Museum von vor 50 Jahren."

Thielemann holt jede Nuance raus

Musikalisch allerdings hat Kritiker Jürgen Liebing viel Lob für die Arbeit von Christian Thielemann: "Es ist die letzte der großen Richard-Wagner-Opern, die im Festspielhaus gespielt werden und die letzte, die Christian Thielemann dirigiert und er macht es wirklich ganz, ganz wunderbar." Das Orchester folge Thielemann perfekt: "Und er holt jede kleine Nuance heraus." Liebings Fazit für die musikalische Vorstellung in Bayreuth unter der Leitung Thielemanns: "Er hat diesen besonderen Raum total im Griff." Ebenso hätten die Musiker großes Lob verdient,  lautet das versöhnliche Urteil des Krtikers.

Im Publikum hatten unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel und Moderator Thomas Gottschalk den Prominenten-Bonus der Festspiele bestätigt und schon vor der Aufführung für Applaus gesorgt.

(sru)

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