Lockerung der Corona-Maßnahmen

    Möglich, aber nicht immer eine gute Idee

    10:36 Minuten
    Auf einem Schild am Eingang zu Karls Erlebnis-Dorf steht "Heute Corona-Schutzimpfung ohne vorherige Terminvereinbarung" und weist auf den zweiten offenen Impftag hin.
    Solidarität und Gemeinschaftssinn: Wer andere schützen will, solle sich impfen lassen, empfiehlt der Mediziner Reinhard Berner. © picture alliance / dpa / dpa-Zentralbild / Bernd Wüstneck
    Reinhard Berner im Gespräch mit Julius Stucke · 20.07.2021
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    Mancherorts werden die Corona-Schutzmaßnahmen gelockert. Nicht immer sei das eine gute Idee, findet Reinhard Berner. Der Direktor der Uniklinik Dresden plädiert dafür, "vorsichtige Schritte zu tun".
    In Großbritannien werden die Maßnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie gelockert. Auch in Sachsen muss seit dieser Woche beim Einkaufen kein Mund-Nasen-Schutz mehr getragen werden. Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, warnt angesichts dieser Lockerunge, nun, bei wieder steigenden Inzidenzen, alles zu öffnen, sei "brandgefährlich".
    Auch Reinhard Berner sieht die Gefahr, nun unvorsichtig zu werden. Er ist Infektiologe und Kinderarzt sowie Direktor des Uniklinikums Dresden. "Ich glaube, 18 Monate Pandemie haben uns gelehrt, dass man sehr gut beraten ist, wenn man immer vorsichtig bleibt, die Dinge beobachtet und analysiert und dann vorsichtige Schritte tun", sagt Berner.
    Vor allem die Entscheidung in Großbritannien sei keine gute Idee, denn es fehle ihr an einer wissenschaftlichen Begründung.

    Lockerungen möglich

    Momentan habe er nicht die Sorge, dass eine neue Infektionswelle das Gesundheitswesen oder die Intensivstationen an die Grenze der Belastbarkeit bringe, sagt der Mediziner. Doch es sei notwendig, die Entwicklung zu beobachten. Dies schließe Lockerungen nicht aus, denn man müsse nicht alle Maßnahmen so streng weiterführen, wie sie in den Hochphasen der Pandemie gewesen seien.
    So macht sich Berner weniger Sorgen darüber, dass Covid-19 nun vor allem Kinder betreffen könnte. In den vergangenen 18 Monaten habe man gelernt, dass Kinder relativ selten erkrankten, in der Regel keine schweren Verläufe hätten sowie weniger ansteckend seien, "sodass die Infektion bei den Kindern selbst uns eigentlich keine Sorgen macht".

    Impfen nötig

    In den drei Coronawellen habe man gesehen, dass die Schulschließungen "zu einer Einschränkung des Soziallebens von Kindern geführt haben". Besonders betroffen davon seien die Kinder von benachteiligten Familien. Mit dem Wissen aus den vergangenen Monaten müsse man darum bei einer neuen Welle die Risiken der Infektion und die der Maßnahmen sehr genau abwägen, meint Berner.
    Um Kindern ihr Grundrecht auf Bildung und Teilhabe zu ermöglichen, sei es notwendig, dass sich Erwachsene impfen ließen, unterstreicht der Klinikdirektor. Es müsse den Menschen nähergebracht werden, dass sie durch ihre Impfung auch andere schützten – als Zeichen der Solidarität und des Gemeinschaftsgedankens.
    (rzr)
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