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Plus Eins | Beitrag vom 15.01.2021

Locked-In-Syndrom Karl-Heinz Pantkes Weg zurück ins Leben

Moderation: Caro Korneli

Eine Illustration zeigt im Kopf eines Mannes einen Mensch, der sich an ein Seil klammert. (imago images / Ikon Images / Gary Waters)
Von einem Augenblick zum nächsten ist Karl-Heinz Pantke gelähmt. (imago images / Ikon Images / Gary Waters)

Gefangen im eigenen Körper: Karl-Heinz Pantke leidet nach einem Schlaganfall am Locked-In-Syndrom. Er braucht Jahre, um wieder sprechen zu lernen – und zu begreifen, dass er sein altes Leben nicht zurückbekommt. Aber würde er das überhaupt wollen?

Es ist ein ganz normaler Abend vor 25 Jahren. Der Physiker Karl-Heinz Pantke sitzt am Schreibtisch in seiner Berliner Wohnung, als er einen Schlaganfall erleidet. Bis heute erinnert er sich an jede Einzelheit. Von einem Augenblick zum nächsten ist er gelähmt, gleichzeitig jedoch bei vollem Bewusstsein.

Er nimmt wahr, wie die die Zeit vergeht, wie seine Freundin nach Hause kommt, ihn findet – und sich schließlich ein Rettungssanitäter über ihn beugt: "Du musst ihm zeigen, dass du am Leben bist", das ist sein nächster Gedanke. Doch Karl-Heinz Pantke kann nicht sprechen, er kann nicht einmal ein Handzeichen geben: "Und das war einer der wenigen Momente in der Anfangszeit, in der mir meine missliche Lage in voller Strenge bewusst wurde."

Carina Schroeder erzählt in dieser Ausgabe unseres Podcasts "Plus Eins" die Geschichte von einem Mann, der in seinem eigenen Körper gefangen ist: Locked-In-Syndrom lautet die Diagnose, mit der Karl-Heinz Pantke im Alter von 39 Jahren konfrontiert wird.

Langer Kampf zurück ins Leben

Die Prognosen sind düster: Die Ärzte machen ihm keine Hoffnungen, dass er je wieder gehen oder sprechen wird. Doch Karl-Heinz Pantke kämpft: Nach einigen Tagen kann er die Augen öffnen und schließen und auf diese Art Kontakt mit seiner Umgebung aufnehmen.

Ein paar Wochen später gelingt es ihm, die Finger und Zehen zu bewegen. Schließlich kann er sogar wieder aufstehen. Es dauert insgesamt zwei Jahre, bis er nach intensiver Therapie wieder nach Hause darf – und mit Mühe wieder sprechen kann.

Nur ist nichts wie vorher: "Mir war klar, dass du das Leben, dass du bis zum Schlaganfall geführt hast, auf keinen Fall weiterleben kannst und darfst."

"Eine Art Bereicherung"

Karl-Heinz Pantke kämpft weiter – um Anerkennung, Respekt und für ein neues Leben. Heute ist er Buchautor, Universitätsdozent und Gründer eines Vereins, der sich für Menschen einsetzt, die vom Locked-In-Syndrom betroffen sind.

Er ist ein Mann, der trotz allem seinen Humor nicht verloren hat, wenn er sein Schicksal "als eine Art Bereicherung" bezeichnet: "Bis zum Schlaganfall war eigentlich alles vorgezeichnet und ohne Schlaganfall wäre es auch so weiter gelaufen und ich hätte mich wahrscheinlich ein paar Jahre später einfach zu Tode gelangweilt."

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