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Montag, 06.07.2020
 
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Konzert / Archiv | Beitrag vom 14.02.2020

Live aus dem Staatstheater CottbusBenelux in der Lausitz

Moderation: Volker Michael

Der Dirigent Alexander Merzyn, GMD des Staatstheaters Cottbus (Ron Petraß/Staatstheater Cottbus)
Leitet einen ganzen Abend mit Musik aus Benelux: Alexander Merzyn, der Generalmusikdirektor des Staatstheaters Cottbus (Ron Petraß/Staatstheater Cottbus)

Alexander Merzyn ist neuer GMD am Staatstheater Cottbus. Jedes Konzert der laufenden Saison hat ein regionales Thema - an diesem Abend geht es um die Benelux-Länder. Dass es immer auch Ur- und Erstaufführungen gibt, war schon vor Merzyns Zeit so.

Neue und alte Werke aus den Niederlanden, Luxemburg und Belgien spielt das Orchester des Staatstheaters Cottbus unter Leitung seines neuen Generalmusikdirektors Alexander Merzyn. Es hat eine schöne Tradition, dass die Sinfoniekonzerte im Theater der Lausitzmetropole überraschend, vielfältig und neuartig sind.

Beethoven, der Flame

Der Beginn mit der "Egmont"-Ouvertüre ist quasi auch Benelux! Denn Ludwig van Beethoven war familiär flämischer Herkunft (das stellte sich erst kürzlich wieder heraus, als sich alle heutigen Beethovens anlässlich des Jubiläumsjahres in Bonn versammelten) - und Goethes "Egmont"-Drama spielt in Brüssel. Es handelt vom Aufstand der Niederländer unter vorsichtiger Anleitung des Grafen Egmont, der schließlich vom spanischen Statthalter Herzog Alba hingerichtet wird.

Das Philharmonische Orchester des Staatstheaters Cottbus im Großen Haus (Marlies Kross/Staatstheater Cottbus)Das Philharmonische Orchester des Staatstheaters Cottbus im Großen Haus (Marlies Kross/Staatstheater Cottbus)

Gleich zwei neue Solokonzerte westeuropäischen Ursprungs gibt es an diesem Abend. Sowohl Marco Pütz als auch Constant Goddard wurden in Luxemburg geboren. Und beide lieben das große Blechblasinstrument, die Tuba, so sehr, dass sie Konzerte für das Kontrabasshorn geschrieben haben. Marco Pütz' Tubakonzert entstand ursprünglich während einer Tournee durch die USA mit einem Blasorchester. Nun erklingt es in Cottbus in der bisher nicht gespielten Fassung für Tuba und Sinfonieorchester. Darin erzählt Pütz den Gang eines menschlichen Lebens in drei Kapiteln. Wildes Leben - Midlife - Feier des Lebens.

Der Tubist Karl Berkel (Marlies Kross/Staatstheater Cottbus)Der Tubist Karl Berkel (Marlies Kross/Staatstheater Cottbus)

Ganz anders, nämlich strukturell, nicht erzählend, geht Constant Goddard in seinem neuen Doppelkonzert vor. Stilmerkmale der elektronischen Tanzmusik adaptiert er in seinem zweiteiligen Stück. Die Kombination von Flöte und Tuba löste in ihm die Assoziation einer "albtraumhaften Zirkusmusik" aus. "Mad Ivy" ("Verrückter Efeu") hat er das Doppelkonzert genannt. Doch nicht botanisch geht es in dem Stück zu, sondern eher existentiell. Es sei seine Auseinandersetzung mit Religion und Antike, schreibt Goddard, der in Wien studiert hat und jetzt wieder in Luxemburg lebt: "Mad Ivy" sei "ein stark verunstaltetes Anagramm von Adam and Eve".

Der Komponist Constant Goddard (Veronika Braun/Staatstheater Cottbus)Der Komponist Constant Goddard (Veronika Braun/Staatstheater Cottbus)

Solisten an diesem Abend sind der Tubist des Philharmonischen Orchesters des Staatstheaters Cottbus, Karl Berkel, und der belgische Flötist Toon Fret. Er wird das einzige Werk des Abends interpretieren, das keinen Bezug zu Benelux hat, dafür aber tief in der Mark Brandenburg verwurzelt ist - das Flötenkonzert d-Moll Wq 22, das Carl Philipp Emanuel Bach mit großer Wahrscheinlichkeit für den Preußischen Flötenkönig Friedrich II. geschrieben hat.

Holländisches Schweigen

Der niederländische Spätromantiker Alphons Diepenbrock ist so gut wie unbekannt außerhalb seines Heimatlandes. Dabei genoss er höchste Wertschätzung seiner Zeitgenossen - Gustav Mahler zum Beispiel nannte ihn einen "sehr interessanten holländischen Musiker". Zu seinen Werken gehört das ergreifende Poem "Im Großen Schweigen" für Bariton und Orchester nach einem Gedicht Friedrich Nietzsches. Gesungen wird es an diesem Abend von Andreas Jäpel, Ensemblemitglied des Staatstheaters Cottbus.

Der Bariton Andreas Jäpel, Ensemblemitglied am Staatstheater Cottbus (Marlies Kross/Staatstheater Cottbus)Der Bariton Andreas Jäpel, Ensemblemitglied am Staatstheater Cottbus (Marlies Kross/Staatstheater Cottbus)

Der Abend endet mit der Sinfonischen Dichtung "Le Chasseur Maudit" (Der Wilde Jäger) nach Gottfried August Bürgers gleichnamiger Ballade. Ein unersättlicher Jäger begeht das Sakrileg, am Sonntag, am Tag des Herrn, auf wilde Jagd zu gehen. Seine Strafe: Er muss auf ewig ruhelos umherjagen. Der belgische Komponist César Franck hat sie in den 1880er Jahren verfasst, als die große Welle der Begeisterung für die schaurig-scheußlichen Gedichte Bürgers eigentlich schon abgeebt war. Doch Franck hatte diese Fasziniation fürs Abgründige - und viele Techniken in seiner Orchesterbehandlung - von seinem Pariser Lehrer Antonín Rejcha gelernt. Die Bürger-Kantate "Lenore" des tschechischen Meisters und Beethovenfreundes Rejcha haben wir zwei Tage zuvor in einer Aufnahme aus Brno gesendet.

Die Konzertpause mit Gesprächen mit den Solisten Toon Fret und Andreas Jäpel, dem Komponisten Constant Goddard und dem Generalmusikdirektor Alexander Merzyn können Sie hier nachhören:

Live aus dem Staatstheater Cottbus

Ludwig van Beethoven
Ouvertüre zu "Egmont"

Carl Philipp Emanuel Bach
Flötenkonzert d-Moll Wq 22

Marco Pütz
"Chapters of Life", Konzert für Tuba und Orchester

ca. 20.55 Uhr Konzertpause, darin Gespräche mit den Solisten Toon Fret und Andreas Jäpel, dem Komponisten Constant Goddard und dem Generalmusikdirektor Alexander Merzyn

Alphons Diepenbrock
"Im großen Schweigen" für Bariton und Orchester

Constant Goddard
"Mad Ivy", Doppelkonzert für Flöte und Tuba und Orchester (Uraufführung)

César Franck
"Le Chasseur maudit", Sinfonische Dichtung für Orchester

Andreas Jäpel, Bariton
Toon Fret, Flöte
Karl Berkel, Tuba
Philharmonisches Orchester des Staatstheaters Cottbus
Leitung: Alexander Merzyn

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