Seit 06:05 Uhr Studio 9
Samstag, 05.12.2020
 
Seit 06:05 Uhr Studio 9

Studio 9 | Beitrag vom 08.10.2020

LiteraturnobelpreisZu viel Geld für einen alleine

Ein Kommentar von Vladimir Balzer

Beitrag hören Podcast abonnieren
Eine Medaille mit dem Konterfei von Alfred Nobel. (picture alliance / dpa - Kay Nietfeld)
Meist nur Swag für Literaten, die es nicht nötig haben: der Nobelpreis. (picture alliance / dpa - Kay Nietfeld)

Einmal im Jahr zieht ein Literat oder eine Literatin das große Los: Eine Million Euro bekommt ein Nobelpreisträger. Ist das zeitgemäß? Der Literaturnobelpreis hat eine Zukunft, findet unser Kommentator. Aber nur, wenn er sich radikal ändert.

Ich kenne nur zwei Argumente, die noch für den Literaturnobelpreis sprechen. Das eine ist das viele Geld der Nobelstiftung, das steuermindernd ausgegeben werden muss. Das andere ist die kurzzeitige globale Aufmerksamkeit für Literatur. Ist ein bisschen dünn, wenn man fast eine Million Euro für die Förderung der Literatur ausgeben kann und das seit über 100 Jahren ohne erkennbare Kriterien tut.

Die preisvergebende Akademie ist nicht nur ein unkontrolliertes Günstlingsnetzwerk. Sie ist auch ein feudales Gremium, das intransparent entscheidet. So etwas Vages wie "Lebensleistung" anzuführen ist dabei symbolisch für die großen teuren Literaturpreise. Wenn einem nichts mehr einfällt, dann geht es um "Lebensleistung".

Besser Literaten in der Coronakrise fördern

Dabei wird viel Geld für einzelne Personen ausgegeben, die das Geld meist nicht brauchen und auch nicht angehalten sind, es zu teilen. Zum Beispiel mit jungen, vielversprechenden Autorinnen. Oder mit Sprach- und Literaturzentren in Krisengebieten. Oder mit Archiven, die den literarischen Reichtum gefährdeter Minderheiten retten wollen. Oder einfach nur mit den Hunderttausenden Autorinnen und Autoren in der Welt, die angesichts der anhaltenden Coronakrise noch schlechter vom Schreiben leben können.

Abonnieren Sie unseren Kultur-Newsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail.

Würde aber die Nobel-Akademie einen Corona-Literaturfonds für fünf Jahre gründen - also mit fast fünf Millionen Euro - und damit 1000 Schriftstellerinnen und Schriftsteller mit jeweils 5000 Euro versorgen, dann wüsste ich, wozu es den Literaturnobelpreis noch gibt. Zumindest für eine gewisse Zeit.

Interview

weitere Beiträge

Frühkritik

weitere Beiträge

Buchkritik

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur