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Kompressor | Beitrag vom 08.01.2019

Literatur, Musik, FilmDer Brexit als Inspiration

Robert Rotifer im Gespräch mit Max Oppel

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Eine Person verschwindet auf einer Bühne hinter einem Vorhang: links ist der Vorhang die europäische, rechts die britische Flagge. (imago/Ikon Images)
Der Brexit hat Folgen - auch für Musik, Theater und Film in Großbritannien. (imago/Ikon Images)

"Brexit - The Uncivil War" lief am Montag im britischen Fernsehen. Der Journalist Robert Rotifer hat sich den TV-Film angesehen - und erklärt, wie der EU-Austritt auch andere Filme sowie Literatur und Musik in Großbritannien beeinflusst hat.

"Brexit - The Uncivil War" war am Montagabend auf Channel 4 im britischen Fernsehen zu sehen. Thema des Fernsehfilms war das historische Referendum im Jahr 2016, bei dem die Mehrheit der Briten für den EU-Austritt stimmte.

Er kritisiere die Oberflächlichkeit des Filmes, sagt der Kulturjournalist Robert Rotifer. Aber die Konsequenzen, die die Brexit-Kampagne auf das soziale Klima im Land gehabt hatte, sei sehr anschaulich dargestellt worden. "Nicht dargestellt wurden aber die Konsequenzen, die sie für Angehörige von Minderheiten, also ethnischen Minderheiten, hatte", erklärt Rotifer. Insgesamt sei es sogar etwas verharmlosend dargestellt worden.

Benedict Cumberbatch in der Rolle des Dominic Cummings in dem Film "Brexit - The uncivil war" sitzt mittig auf einem Tisch in einem geschäftigen Großraumbüro und blickt in die Kamera. (c. Nick Wall/House Productions/Channel 4)Benedict Cumberbatch in der Rolle des Dominic Cummings in dem Film "Brexit - The uncivil war" (c. Nick Wall/House Productions/Channel 4)

In Film und TV gebe es bereits so etwas wie eine Brexit-Ära. Allerdings: "Brexit ist nicht immer dort drin, wo es drauf steht." Als Beispiel nennt er die vielen Historiendramen in Großbritannien, "mit denen man überschwemmt wird in den letzten Jahren". Auch in dem Film "The Favourite", der bei den Golden Globes ausgezeichnet wurde, seien Brexit-Töne nicht zu überhören.

In der Musik gebe es viele Petitionen von Künstlerinnen und Künstern gegen den Brexit, meint Rotifer. "Alle unterschreiben, dass das für die Musikindustrie existenzbedrohend und schlecht ist." In der kreativen Auseinandersetzung sei davon allerdings nur wenig zu hören.

Field Music singt "Goodbye to the country"

Als einen Song, der sich mit dem Brexit befasst, nennt Rotifer "Goodbye to the country" von der Band Field Music aus Sunderland in Nordost-England, also aus einer Gegend, in der stark für den Brexit gestimmt wurde. Dort würden die Menschen mit den Unterschieden nicht klar kommen - zwischen dem "Popbritannien", wie es sich selbst als weltoffenes internationales Popland sieht, und dem Britannien, wie es der Brexit zeige, sagt Rotifer. "Gerade das Herumwedeln mit dem Union Jack, das ja auch starke positive Pop-Konnotationen hatte, ist jetzt wirklich problematisch geworden."

Auch in der Literatur geht es um den Brexit. Als Beispiel hebt Rotifer den Roman "Middle England" von Jonathan Coe hervor. Es sei ein "ziemlich schlaues Buch", meint der Kulturjournalist.  

(mhn)

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