Lieferdienste

    Ein Verdrängungswettbewerb, bei dem niemand verdient

    06:19 Minuten
    Ein Fahrradkurier ist für den Essenslieferdienst Wolt in einer Straße in Berlin-Mitte unterwegs.
    Der Markt ist umkämpft: Nicht nur Wolt, auch Lieferando und Uber Eats liefern Restaurantessen per Fahrradkurier aus. © picture alliance / dpa / dpa-Zentralbild / Jens Kalaene
    Erik Maier im Gespräch mit Nicole Dittmer · 26.08.2021
    Audio herunterladen
    Delivery Hero hat fast eine Milliarde Euro Verlust gemeldet. Wie ist das möglich in einer Zeit, in der Lieferdienste boomen? Der Markt sei hart umkämpft und darum derzeit nicht profitabel, sagt Erik Maier von der Handelshochschule Leipzig.
    Im Homeoffice keine Lust zu kochen, also schnell mal den Lieferservice kontaktiert. Nach Feierabend keine Erlaubnis, ins Restaurant zu gehen, da wird die Pizza eben bestellt. Zu den Gewinnern der Coronakrise, könnte man meinen, müssten auf jeden Fall die Lieferdienste gehören. Doch nun wurde bekannt, dass Delivery Hero seine Verluste trotz Wachstum im ersten Halbjahr mehr als verdoppelt hat. Der Mutterkonzern von Lieferdiensten wie Foodora und Pizza.de verbuchte fast eine Milliarde Euro Verlust.

    Marketing ist teuer, Wachstum auch

    Wie passen die vermeintliche Konjunktur der Lieferdienste in Coronazeiten und diese Verluste zusammen? "Es ist ein sehr wettbewerbsintensives Geschäftsmodell", erklärt Erik Maier, Juniorprofessor für Handels- und Multi-Channel-Management an der Handelshochschule Leipzig. Auf dem Markt der Essenslieferdienste konkurrierten Delivery Hero, Lieferando, Wolt und Uber Eats. Die Unternehmen müssten permanent viel Geld für Werbung ausgeben, damit die Kunden bei ihnen und nicht bei der Konkurrenz bestellen.
    Die Verluste signalisierten nicht, dass Delivery Hero auf der Strecke geblieben sei. Vielmehr sei das Unternehmen, das nur zehn Prozent seines Umsatzes in Europa mache, stark international gewachsen, sagt Maier. "Das starke Wachstum verschlingt einfach ziemlich viele Ressourcen und kostet Geld."
    Die Unprofitabilität des Liefergeschäfts sei auch im Plattformmodell begründet. Bei einer Essensbestellung über eine der Lieferplattformen gingen zwischen 10 und 30 Prozent des Umsatzes an das jeweilige Unternehmen. "Das heißt, es bleibt am Ende auch bei denen gar nicht so viel hängen."

    Unprofitabler Verdrängungswettbewerb

    Auch auf dem Quick-Commerce-Markt – schnelle Supermarktlieferungen durch Kuriere – konkurriert Delivery Hero mit mehreren Mitbewerbern: Gorillas, Flink, Getir. Dazu komme auch der Wettbewerb mit den traditionellen Lebensmittellieferdiensten von Ketten wie Rewe, betont der Experte. Man könne daher durchaus skeptisch sein, ob dort jetzt sehr große Segmente der Bevölkerung im Quick Commerce auf einmal riesige Warenkörbe bestellen würden.
    "Ich denke schon, dass immer mehr Leute Lebensmittel und auch fertige Speisen bei Lieferdiensten bestellen werden", sagt Maier. Beide Märkte – das Liefern von Restaurantessen und Quick Commerce – seien jedoch stark umkämpft. "Wir werden in beiden Branchen einen Verdrängungswettbewerb sehen. Und während dieses Verdrängungswettbewerbes wird niemand dort Geld verdienen."
    Mehr zum Thema