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Tonart | Beitrag vom 05.02.2016

Liedermacher Hans-Eckardt WenzelEin Dada-Clown in der "DaDaeR"

Moderation: Axel Rahmlow

Der Liedermacher Hans-Eckhardt Wenzel trat schon zu DDR-Zeiten in dem Clowns-Duo "Wenzel & Mensing" auf. (picture-alliance / dpa / Klaus Franke)
Der Liedermacher Hans-Eckhardt Wenzel (picture-alliance / dpa / Klaus Franke)

Dada ist nicht nur Kunst und Lyrik, Dada steckt auch im Lied und in der Clownerie. Der beste Beweis: Hans-Eckhardt Wenzel, der als Liedermacher und Clown den DDR-Alltag dadaistisch aufs Korn nahm. Mit Dadaismus würden Künstler in politisch schwierigen Zeiten "die Karten neu mischen", sagt Wenzel.

Am Anfang war er einer von vielen. Aber ein Mitmacher war Hans-Eckardt Wenzel nie. Zu DDR-Zeiten steuert der Liedermacher, Komponist und Autor beim Liedtheater "Karls Enkel" die künstlerischen Prozesse. Später, bis 1999, war  er einer von zweien im Clown-Duo Wenzel & Mensching. Seither ist er solo als Liedermacher unterwegs.

"Wenzel & Mensching" hat  – ganz zeitgemäß – die alltägliche Absurdität (= Dadaismus) der DDR in den Mittelpunkt gerückt: eine Art Possenspiel mit der Zeit. Anfangs erinnerte das noch an ein literarisch-musikalisches Programm, dann aber wurde der Spott dreister und zunehmend offensichtlicher. Aber, so Wenzel, keineswegs vernichtend. Er  sieht sich als Künstler und nicht als Ideologen. 

Dadaismus baut eine andere Logik auf

Heute sagt er dazu und zum Dadaismus: "Die Kunst gerät immer, wenn die politische Situation ausweglos wird, in einen eigenartigen Formen-Kanon. Sie kommt in eine akademische Schule hinein. So war es auch vor 1916. Und auf einmal ist es nicht mehr möglich, dass die Realitäten mit ihr abgebildet werden können. Und dann kommen Künstler, die versuchen sozusagen die Karten neu zu mischen und die Logik nicht mehr aufrecht zu erhalten, sondern eine andere Logik aufzubauen." Und genau dies sei der dadaistische Ansatz des Clowns-Duos gewesen.

Wenzel erinnert an eine Nummer des berühmten Clowns Grock, der diesen Gedanken gut wiedergebe: Grock kommt auf die Bühne, will auf einem Flügel spielen. Doch seine Hände reichen nicht bis zum Flügel, weil sein Stuhl zu weit entfernt steht. Doch statt den Stuhl an den Flügel zu schieben, schiebt er den schweren Flügel an den Stuhl.

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