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Im Gespräch | Beitrag vom 31.08.2019

Liebe zwischen zwei KulturenFreude und Frust binationaler Paare

Satu Marjatta Massaly und Michael Jeismann im Gespräch mit Katrin Heise

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Mann und Frau in bunten Pullovern am Meer (EyeEm, Mariam Berodze, )
Binationale Paare stehen vor besonderen Herausforderungen. (EyeEm, Mariam Berodze, )

In Deutschland leben etwa 1,5 Millionen binationale Paare. Bei vielen klappt es mit der Liebe zwischen zwei Kulturen, aber oft ist der Druck auf die Beziehung groß. Die Scheidungsrate ist hoch. Wie kann das Zusammenleben gelingen? Diskutieren Sie mit!

"Letztendlich haben binationale Paare dieselben Probleme wie andere, aber sie kommen viel früher an einen existenziellen Punkt", sagt Satu Marjatta Massaly. Die Heilpraktikerin für Psychotherapie ist Beraterin für interkulturelle Paare mit eigener Praxis in Köln. Es drehe sich oft um Themen wie: Wem gegenüber bin ich loyal, meinem Partner oder meiner Familie gegenüber? Um das Rollenverständnis von Mann und Frau, um Treue – und um die Frage: Was ist Familie? 

Die Hautfarbe als Diskriminierungsgrund

Ihre Erfahrung: Die gesellschaftliche und familiäre Akzeptanz eines binationalen Paares hängt stark vom Herkunftsland des Partners ab – und von der Hautfarbe. Die gebürtige Finnin weiß, wovon sie redet: Sie war selbst 24 Jahre mit einem Senegalesen verheiratet. "In einer Ehe mit einem Dunkelhäutigen wird nicht nur der Mann diskriminiert, auch ich habe das erlebt: auf den Behörden, auf der Straße wurde ich abschätzig angeschaut. Ich habe eine völlig neue Gesellschaft in Deutschland kennengelernt."

Ihr Rat: "Take the best, leave the rest: Konzentrieren Sie sich auf das, was Ihnen Freude bereitet, was verbindet. Und die Dinge, die frustrieren, befremden oder zum Teil stören, denen sollten Sie nicht zu viel Raum geben." Denn auch, wenn es mitunter Stress gibt: "Wenn zwei unterschiedliche Kulturen zusammenkommen, was ist das für ein Reichtum, der da entsteht!"

Binationale Paare als Gradmesser der Toleranz

"Interkulturelle Paare sind das Kaleidoskop jeder Gesellschaft", sagt der Historiker Michael Jeismann. In seinem aktuellen Buch "Die Freiheit der Liebe. Paare zwischen zwei Kulturen" fächert der Autor, der selbst mit einer Französin verheiratet ist, eine Kulturgeschichte binationaler Paare auf. Darin zeigt sich auch die politische und gesellschaftspolitische Dimension solcher Beziehungen – von der legendären Königin von Saba und König Salomo bis zu den heutigen Problemen eines israelisch-palästinensischen Paares. "Diese Paare spiegeln die Verfasstheit einer Gesellschaft: in ihren Abneigungen, in ihrem Zuspruch, in ihren Fantasien."

Letztlich gehe es darum: "Wer darf, wer soll, wer gehört rein? Was für eine Art von Gleichheit wollen wir, welche erlauben wir, lassen wir zu? Wen soll man als gleich anerkennen? Und das geht weit über den Pass hinaus."In seinem Buch stellt Michael Jeismann auch die Frage: "Wie viel Mut braucht das Zusammenleben heute noch? Wie viel Kampf?"

Liebe zwischen zwei Kulturen: Freude und Frust binationaler Paare
Darüber diskutiert Katrin Heise am 31. August 2019 mit Michael Jeismann und Satu Marjatta Massaly – live von 9:05 Uhr bis 11 Uhr. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254 sowie per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de.

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