Liebe mit Hindernissen

    "Ich habe mir nicht ausgesucht, Afrikaner zu sein – und du nicht, Europäerin"

    37:12 Minuten
    Ein Paar - sie schwanger und weiß, er Schwarz - hält sich in den Armen.
    Eine Journalistin verliebt sich in Marokko in einen Kameruner. Doch als die beiden endlich ein Visum für ihn organisieren können, ist die gemeinsame Tochter längst auf der Welt. © Fanny Kniestedt
    17.09.2021
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    Auf Recherche in Marokko verliebt sich die Journalistin Fanny Kniestedt in John. Er ist Kameruner und versucht zum zweiten Mal, über den meterhohen Stacheldrahtzaun der spanischen Stadt Ceuta nach Europa zu gelangen.
    Die Journalistin Fanny Kniestedt reist mit einer Freundin im Frühjahr 2015 nach Marokko, um zur Situation der Migranten vor den Toren Europas zu recherchieren. An einem Nachmittag besucht sie ein verstecktes Lager in einem Waldstück nahe der spanischen Enklave Ceuta. Etwa 80 Männer leben dort und warten auf eine Gelegenheit, den meterhohen Stacheldrahtzaun zu überwinden und auf europäischen Boden zu gelangen. Die Freundinnen haben Spiele und Würfel mitgebracht und unterhalten sich mit den Camp-Bewohnern. Einer von ihnen ist John. (*)
    "Ich hatte ihn bis dato gar nicht wahrgenommen. Er hat so eine ruhige Aura, ist eher so der beobachtende Typ. Dann kamen wir ins Gespräch und haben einfach nicht mehr aufgehört."
    John ist 32 Jahre alt, kommt aus Kamerun und versucht bereits zum zweiten Mal über den Zaun nach Europa zu gelangen – einmal hatte er es schon geschafft, hat mehrere Jahre mit seinem Bruder in Frankreich gelebt. Fanny und John verstehen sich auf Anhieb gut, treffen sich erneut und halten den Kontakt, auch als Fanny zurück in Deutschland ist. Sie verlieben sich und werden ein Paar.
    Anfangs als Fernbeziehung über Facebook und Skype, später zieht Fanny für mehrere Monate nach Marokko. Über eine gemeinsame Zukunft machen sie sich wenig Gedanken – bis Fanny schwanger wird. Das Paar entscheidet, in Deutschland leben zu wollen. Doch der Versuch, ein Visum für John zu bekommen, artet zu einem zähen Ringen mit den Behörden aus:
    "Wichtig zu wissen für alle, die es versuchen: Es geht nie jemand ans Telefon. Nie! Das heißt, man muss im besten Falle E-Mails schreiben und immer persönlich irgendwo auftauchen. Dann musste ich zur Auslandsvertretung, Visa-Anträge, Urkunde für die Vaterschaft. Es sind tausende Zettel und es dauert monatelang, ehe man weiß, wer für was zuständig ist."
    Wer ist zuerst da, das Kind oder der Vater? Und was macht das mit der Liebe? Bei Plus Eins erzählt Fanny Kniestedt von den Herausforderungen ihrer deutsch-kamerunischen Beziehung – von dem langwierigen Weg zu einem Visum für John, von Vorurteilen aus der eigenen Familie und dem andauernden Kampf, Grenzen zu überwinden.
    (*) Redaktioneller Hinweis: Wir haben eine Zeitangabe korrigiert.