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Interview / Archiv | Beitrag vom 12.12.2019

LichtverschmutzungWeniger Licht kann mehr sein

Annette Krop-Benesch im Gespräch mit Julius Stucke

Skyline und Messe in Frankfurt am Main bei Nacht: Bürohäuser mit leuchtenden Fenstern sowie hell erleuchtete Straßen (imago/ imagebroker/ Andreas Mechmann)
Die Biologin Annette Krop-Benesch wirbt dafür, Licht im öffentlichen Raum sparsamer einzusetzen. (imago/ imagebroker/ Andreas Mechmann)

Draußen wird es immer früher dunkel, denn bald ist der kürzeste Tag des Jahres. Das wenige Licht mache depressiv, sagen manche. Die Biologin Annette Krop-Benesch sagt dagegen: Wir haben zu viel Licht. Manche Straßenlampe könnte nachts ausgeschaltet werden.

Am 22. Dezember ist Wintersonnenwende, der kürzeste Tag des Jahres. Die Sonne wird erst gegen halb neun Uhr morgens aufgehen und vor 16.30 Uhr wieder untergehen. Viele Menschen klagen über das fehlende Sonnenlicht in dieser Jahreszeit.

Die Biologin Annette Krop-Benesch stellt dagegen fest, dass zu viel Licht schaden kann. Es gebe konkrete Gefahren sowohl für Tiere als auch für Menschen, sagt die Autorin des Buches "Licht aus!?". "Es fängt bei Insekten an, die zu Millionen jede Nacht an Straßenlaternen fliegen, dort sterben und dann als Bestäuber fehlen." Inzwischen habe man sogar festgestellt, dass Fische in Korallenriffen nicht mehr schlüpfen, wenn es dort zu hell sei. 

Zusammenhang zwischen zu viel Licht und Depressionen?

Die Auswirkungen von "Lichtverschmutzung" - zu viel künstlichem Licht - auf den Menschen seien noch nicht vollständig erforscht, sagt Krop-Benesch. "Wir wissen, dass sehr viele Menschen sich gestört fühlen durch Licht, das in ihr Schlafzimmer fällt, und dann nicht einschlafen können." Schlafmangel könne wiederum zu Konzentrationsstörungen führen. "Wir sehen Zusammenhänge mit Depressionen, mit dem Konsum von Schlafmitteln, mit Übergewicht, bis hin zu bestimmten Krebssorten wie Brust- und Prostatakrebs." 

Wie die Gesellschaft sinnvoll gegen zu viel künstliches Licht vorgehen könne, sei noch nicht sicher. Statt Gesetzen würde sie sich eher ein Verständnis dafür wünschen, rücksichtsvoller mit Licht umzugehen. "Häufig würde schon etwas gewonnen werden, wenn wir weniger Licht verwenden würden", sagt Krop-Benesch.

Ein Problem seien Firmen, die ihre Fabrikschilder auch nachts hell leuchten lassen, obwohl keiner mehr im Gebäude sei. Oder Gemeinden, die Straßenzüge nachts mit Licht versorgten, obwohl es für die öffentliche Sicherheit nicht notwendig sei. 

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