Podiumsdiskussion | Lesart

    Das verletzte Ich – zwischen Achtsamkeit und Opferrolle

    Lesart
    © Deutschlandradio
    12.05.2026 • 19:30
    Café Central im Grillo-Theater, Theaterplatz 11, Essen
    Was sagt es über eine Gesellschaft aus, wenn sie ihr Heil im Rückzug nach innen sucht und zugleich Verwundbarkeit zu einer öffentlichen Schlüsselkategorie wird? Genau an dieser Stelle begegnen sich die Themen von Kathrin Fischer und Maria-Sibylla Lotter.
    Kathrin Fischer sieht einen Boom von Achtsamkeit und Selbstfürsorge und beschreibt diese Versprechen nicht nur als Mittel der Entlastung, sondern auch als Deutungsmuster, das gesellschaftliche Krisen ins Private verschiebt. Maria-Sibylla Lotter untersucht, warum die Opferrolle in der Gegenwart eine so starke moralische Geltung besitzt, und nähert sich diesem Befund analytisch, mit dem Interesse an seinen gesellschaftlichen Folgen.
    So unterschiedlich die beiden Perspektiven zunächst wirken, berühren sie sich im Kern: Beide fragen, wie unsere Zeit mit Leid, Überforderung und Verletzlichkeit umgeht – und welche Sprache sie dafür findet. Kathrin Fischer, die nach langjähriger Arbeit als Redakteurin und Moderatorin beim Hessischen Rundfunk heute den Podcast ‚Erschöpfung statt Gelassenheit‘ hostet, verbindet journalistische Beobachtung mit kulturkritischer Zuspitzung. Maria-Sibylla Lotter, Professorin für Ethik und Ästhetik an der Ruhr-Universität Bochum, ordnet die Debatte um Opferstatus und Verwundbarkeit philosophisch und gesellschaftlich ein.

    Auf dem Podium:

    • Maria-Sibylla Lotter: "Opfer. Über Verwundbarkeit als Selbstbild", Carl Hanser 2026
    • Kathrin Fischer: "Achtsam geht die Welt zugrunde. Wie die Ideologie der Achtsamkeit gesellschaftlichen Wandel blockiert", hanserblau 2026
    • Moderation: Christian Rabhansl, Deutschlandfunk Kultur

    Tickets: 8, – Euro
    Nähere Informationen zur Veranstaltung im Grillo-Theater Essen erhalten Sie hier.
    Sendung:
    Samstag, 16. Mai 2026, 11.05 Uhr, „Lesart“, Deutschlandfunk Kultur
    Änderungen vorbehalten