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Buchkritik | Beitrag vom 16.10.2020

Leonard Mlodinow: "Stephen Hawking"Der Abenteurer, der gern auf Partys ging

Von Gerrit Stratmann

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Buchcover "Stephen Hawking: Erinnerungen an den Freund und Physiker" von Leonard Mlodinow (Deutschlandradio/Rowohlt)
Geschickt verzahnt der Physiker Leonard Mlodinow Persönliches und Fachliches. (Deutschlandradio/Rowohlt)

Angewiesen auf ein Schreibprogramm konnte sich Stephen Hawking nur mit sechs Wörtern pro Minute mitteilen. Dennoch liebte er das Leben und freute sich über gute Pointen, wie der Forscher Leonard Mlodinow in der Biografie über den Physiker schreibt.

Stephen Hawking wurde bereits in den 1980er-Jahren zu einer Ikone seines Fachgebietes. Forscherkollegen schätzten seine bahnbrechenden Arbeiten über Schwarze Löcher, und einer breiten Öffentlichkeit wurde er mit seinem Bestseller "Eine kurze Geschichte der Zeit" bekannt.

Wer aber war Stephen Hawking? Was zeichnete ihn aus, als Mensch ebenso wie als Forscher? Wie sah sein Alltag aus? Wofür begeisterte er sich? Welche Marotten pflegte er? Und wie war es, mit jemandem zu arbeiten, dessen Kommunikationsgeschwindigkeit sechs Wörter pro Minute betrug?

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Leonard Mlodinow ist in einer idealen Position, um diese Fragen zu beantworten. Zwischen 2003 und 2010 hat der Amerikaner mit dem Briten an zwei Büchern gearbeitet, insbesondere an "Der große Entwurf". Während vieler Besuche im englischen Cambridge taucht Mlodinow immer tiefer in das unmittelbare Umfeld Hawkings ein, lernt ihn kennen als Abenteurer, der gern auf Partys geht, Kahnfahrten liebt, die Welt bereist, nach menschlichen Beziehungen hungert und 80 Vitaminpillen am Tag schluckt.

Humorvoll, stur und Lust an kleinen Provokationen

Geschickt verzahnt Mlodinow dabei Persönliches und Fachliches, macht deutlich, woran Stephen Hawking forschte, welche Bedeutung seine Arbeiten haben und worin stellenweise die Kühnheit seines Denkens lag. Authentisch wird dieser Bericht aber vor allem abseits der biografischen und fachlichen Fakten, wenn der Autor von seinen eigenen Erlebnissen mit Hawking spricht, der sich nicht an Abgabetermine hält, mitten im Prozess die Planung des Buches durch neue Ideen durcheinanderwirft und bis zur letzten Minute an Formulierungen feilscht.

Mlodinows ruhige Erzählweise macht an vielen Punkten Stephen Hawkings Wesen spürbar: seinen Humor, seine Sturheit, seine Lust an kleinen Provokationen und seine Freude an guten Pointen. Wie auch sein Umgang mit der Krankheit.

Es gibt Biografien über den Physiker, die vollständiger und umfassender sein mögen. Aber Leonard Mlodinow geht es nicht um Vollständigkeit. Er teilt mitunter fast zärtlich seine persönlichen Erinnerungen an einen von ihm sehr geschätzten Menschen.

Leonard Mlodinow: "Stephen Hawking. Erinnerungen an den Freund und Physiker"
Aus dem Englischen von Monika Niehaus
Rowohlt/Hamburg 2020
268 Seiten, 22 Euro

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