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Kompressor | Beitrag vom 16.03.2020

Leif Randts Internet-Verlag Tegel MediaDas seltsame Pop-Universum eines Buchpreis-Nominierten

Von Fabian Dietrich

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Screenshot der Webseite tegelmedia.net mit zwei Bildern nebeneinander: links ist eine Meereslandschaft zu sehen mit der Überschrift "Mein Baby hat einen Plattenvertrag", rechts ein Mann auf der Karl-Marx-Allee in Berlin, auf dessen T-Shirt sich das Foto einer Frau ständig im Kreis dreht. Darüber steht "Der Tick". (Screenshot tegelmedia.net)
Ästhetik wie aus den Anfangstagen des Internets: Ohne sie würde die Ironie von Leif Randts Verlags-Plattform Tegel Media nicht funktionieren. (Screenshot tegelmedia.net)

Leif Randt gehörte mit "Allegro Pastell" zu den Favoriten für den Leipziger Buchpreis. Doch der Autor ist auch selbst Verleger. Auf Tegel Media veröffentlicht er PDFs, Videos und Snapchat-Nachrichten. Einzige Regel: Es soll unberechenbar sein.

Leif Randt läuft durch die Karstadt-Filiale am Berliner Hermannplatz. Blass, groß, weiße Baseballkappe, orangefarbener Fleece-Pullover, die Sporttasche lässig geschultert.

Vorbei an einer seltsamen, unter der Rolltreppe versteckten Trinkstube. Vorbei an Schreibwaren, Koffern und dem Bücherpräsentiertisch, auf dem sein neuer, vielfach gefeierter Pop-Roman "Allegro Pastell" liegt, der auf der Shortlist des Leipziger Buchpreises stand.

"Es erdet mich, so durch den Karstadt zu streifen", sagt Leif Randt. "Ich bin wahrscheinlich alle zwei, drei Wochen hier."

Uncool, langweilig, ein Konsumtempel, der seine besten Jahre irgendwie hinter sich hat. Der Ort ist wie gemacht für den Schriftsteller und sein Label Tegel Media. Im Obergeschoss befindet sich ein Café. Austauschbare Systemgastronomie. Randt ist gerade deswegen begeistert von diesem Raum. Am liebsten, sagt er, würde er hier Events veranstalten. Er bestellt sich eine Cola-Light.

2016 wollte Randt gemeinsam mit dem Theaterautoren Jakob Nolte und dem Grafikdesigner Manuel Bürger ein Magazin gründen, doch dann entschieden sie sich anders. Es wurde die Plattform Tegel Media. Der Name sollte bewusst nicht nach einem normalen Verlag klingen.

"Wie so ‘ne Company, die durch Berlin fährt Ende der 90er-Jahre und DSL-Anschlüsse verlegt. Dieses Bild gefiel uns, es ist heimelig."

Optik aus den Anfangstagen des Internets

Seit drei Jahren veröffentlicht Tegel Media jetzt schon Material: PDFs, Videos, Snapchat-Nachrichten, Comics und Musik.

Sogar ins Genre Ratgeber-Videos hat sich Leif Randt gemeinsam mit dem Autoren Juan S. Guse getraut.

"Man verbringt nicht Zeit mit Sport, sondern man kreiert welche", sagt Guse in einem der Videos. "Für jede Stunde, die man in Sport investiert, lebt man im Schnitt 2,45 Stunden länger."

Randt ergänzt: "Sport, das ist sicher nicht falsch. Tägliches Planking, Stretching und Badminton. Zweimal die Woche."

Guse: "Und ihre Sommertage hatten 18 gut strukturierte Stunden. Jede einzelne."

In merkwürdigen Videos wird die eiskalte Optik der Stock-Fotografie zelebriert. Manche PDFs sehen wie fehlerhafte Speisekarten oder Webseiten aus den Anfangstagen des Internets aus. Die Texte sind mit Emojis und Abbildungen von Google-Sucherverläufen garniert.

Ohne diese Ästhetik würde die Ironie von Tegel Media nicht funktionieren. Kein Wunder, dass selbst mancher Fan der Literatur von Leif Randt da nicht mehr mitkommt.

"Wir sind schon wie Edition Suhrkamp früher", sagt Leif Randt. "Das sind diese einfarbigen Bücher. Auf der Rückseite steht ein Zitat. Aber das Buch wird nicht erklärt."

Subjektive Gegenwartsbeschreibungen statt Klimawandel

Man darf das, was da auf Tegel Media passiert, ruhig Pop nennen. Der Klimawandel oder die anderen großen Konflikte unserer Zeit finden hier nicht statt. Stattdessen geht es um subjektive Gegenwartsbeschreibungen. Alle reden hier dauernd über sich selbst.

"Sagen wir, der junge Peter Handke in den späten 1960er-Jahren galt als Pop", erklärt Randt. "Genauso Rolf Dieter Brinkmann und Jörg Fauser. Dinge, die sich dem ganz klassischen Geschichtenerzählen entzogen haben und sehr auf die Gegenwart bezogen galten als Pop."

Der Begriff sei in den 90er-Jahren kaputt gemacht worden, "weil es eine kommerzielle Welle war". Aber, fügt Randt hinzu: "Wenn ich historisch sehe, was eigentlich als Pop galt, habe ich mit dem Begriff gar kein Problem."

In Zukunft, sagt Randt, wünscht er sich mehr Inhalte von Frauen und Nichtdeutschen. Besonders Comics haben es ihm in letzter Zeit angetan:

"Irgendwie ist das eine ganz sympathische Szene. Bei denen sind die positiven Vibes, die unserer Grafiker Manuel Bürger zum Motto von Tegel Media ausgerufen hat, auf jeden Fall da."

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