Seit 15:05 Uhr Tonart
Freitag, 15.01.2021
 
Seit 15:05 Uhr Tonart

Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 04.10.2019

Leichtathletik-WM in DohaWarum die Fußball-WM mehr Fans nach Katar bringt

Gunter Gebauer im Gespräch mit Axel Flemming

Beitrag hören Podcast abonnieren
Wenige Zuschauer sitzen auf den Rängen bei der Leichtathletik-WM in Katar (picture alliance / dpa / Michael Kappeler)
Leere Zuschauerränge bei der Leichtathletik-WM in Katar - bei der Fußball-WM 2022 soll das anders werden, meint Sportwissenschaftler Gunter Gebauer (picture alliance / dpa / Michael Kappeler)

Die Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Katar läuft vor fast leeren Rängen. Bei der Fußball-WM 2022, die auch dort stattfindet, werde es nicht unbedingt so sein, sagt Sportwissenschaftler Gunter Gebauer. Doch auf eines müssten sich die Fans einstellen.

Bereits seit Ende September und noch bis Sonntag läuft die Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Katar. Geprägt ist die Veranstaltung von Bildern leerer Zuschauerränge und damit auch fehlenden Anfeuerungsrufen und abwesendem Applaus.

Dabei sei das Publikum für Sportler im Wettbewerb sehr wichtig, sagte der Sportwissenschaftler und Philosoph Gunter Gebauer im Deutschlandfunk Kultur. "Das sagen alle Sportler. Das ist eine große Anfeuerung, die auf einen überspringt sozusagen." Er selbst sei mal Weitspringer gewesen und könne das bezeugen. Am stärksten sehe man das beim Fußball. "Wenn 30.000, 40.000 Leute eine Mannschaft frenetisch anfeuern, geht ein Ruck durch so eine Mannschaft - das trägt." Bei der aktuellen Weltmeisterschaft in Katar könne solch ein Funke kaum überspringen: "In Doha ist das die Familie, die da rumsteht und der Trainer."

Der Philosoph und Sportwissenschaftler Gunter Gebauer (dpa / picture-alliance / Horst Galuschka)Der Philosoph und Sportwissenschaftler Gunter Gebauer (dpa / picture-alliance / Horst Galuschka)

Er selbst sei bereits in Katar gewesen, wenn auch nicht direkt vor dieser WM und im akademischen Kontext. Er habe dort brillante Wissenschaftler getroffen, viele aus dem arabischen Raum. Aber es seien keine Katarer gewesen, sondern Wissenschaftler, die von Katarern angestellt waren.

Sportler fast alle aus anderen Ländern

Im Sport ist es ähnlich. Es gibt fast keinen eigenen Sport in Katar. Stattdessen werden die Spitzensportler eingekauft. An der WM nehme ein einziger Sportler aus Katar teil, ein Hochspringer. "Andere, die mit katarischen Hemdchen durch die Gegend laufen, sind Leute aus dem Sudan oder Äthiopien, die eingekauft sind." Es gebe auch Nachwuchsprogramme in Katar mit Jugendlichen aus anderen Ländern, etwa eine große Fußballschule. Das Ergebnis sei dann wie bei der jüngsten Handball-WM. Die katarische Mannschaft habe gut abgeschnitten - "aber da ist keiner aus Katar".

Direkte Schlüsse auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2022, die ebenfalls in Katar stattfinden soll, könne man nicht ziehen, erklärte Gebauer. Bei nicht so attraktiven Spielen könne es zwar sein, dass sie nicht so gut besucht seien. Aber die starken Fußballnationen wie England, Deutschland, Brasilien, Italien, usw. - soweit sie qualifiziert seien - "die ziehen ja auch ihre Fans mit sich".

Obwohl in Katar der Islam Staatsreligion ist und eigentlich ein striktes Alkoholverbot gilt, solle für die Fußball-WM an bestimmten Orten Bier ausgeschenkt werden, so Gebauer. "Das ist, denke ich, schon wichtig für den Fußball." Die Fans sollten aber beachten, dass man keinen Alkohol einführen dürfe. Am Flughafen in Doha gebe es etwa ein spezielles Gerät, das Flaschen im Gepäck aufspürt.

(abr)

Hören Sie hier die gesamte "Studio 9 - Der Tag mit"-Sendung mit Gunter Gebauer:

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur