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Fazit / Archiv | Beitrag vom 08.02.2018

Léger-Ausstellung in BrüsselDas Schöne ist überall

Von Carsten Probst

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Das Gemälde "Le Moteur" des französischen Malers Fernand Léger wird am 29.1.2016 bei Christie's in London präsentiert.  (imago / Vibrant Pictures)
Fernand Légers Gemälde "Le Moteur" bei einer Auktion von Christie's in London (imago / Vibrant Pictures)

Kubist, Surrealist, Maschinenmaler: Der Franzose Fernand Léger ist einer der vielseitigsten Künstler der Moderne. Das Bozar Brüssel zeigt die vielen Facetten seines Werkes – bis hin zu seiner Naturbegeisterung in den späteren Arbeiten nach dem Zweiten Weltkrieg.

Fernand Léger, der Kubist, der Surrealist, der Maschinenmaler, der Abstrakte, der Pop Artist und Film-Experimentator. Nur wenige Künstler der Moderne haben in ihrem Werk so viele verschiedene Stile verarbeitet wie der 1881 in der Normandie geborene Léger.

Auseinandersetzung mit der technologischen Moderne

Die Auseinandersetzung mit der technologischen Moderne und ihrem Verhältnis zur Natur; die Bedeutung der Figur und vor allem: die Frage nach der Berechtigung der Kunst in einer immer schnelleren, immer komplexeren Gegenwartswelt treiben ihn um.

"Wenn der malerische Ausdruck sich gewandelt hat, dann deshalb, weil das moderne Leben dies notwendig gemacht hat", schrieb Léger 1914 und ergänzte: "Die Existenz der schöpferischen Menschen ist um so vieles intensiver und komplexer als die in früheren Jahrhunderten ( ... ) Ein moderner Mensch registriert hundertmal mehr sensorische Eindrücke als ein Künstler des 18. Jahrhunderts: so viele, dass beispielsweise unsere Sprache heute voller Verkleinerungen und Abkürzungen ist."

Sophie Lauwers, Leiterin der Ausstellungssektion am Bozar Brüssel sieht auch das Erlebnis des Ersten Weltkrieges als zentrales Motiv hinter Légers einzigartigem Stil. Sie sagt, dass Léger nach seiner ersten künstlerischen Schaffensphase, die kurz vor dem ersten Weltkrieg endet, in die Armee eingezogen wurde und musste in den Krieg ziehen musste.

Sophie Lauwers: "Das war eine traumatisierende Erfahrung. Aber es ist zugleich die Geburt des Kubismus, der geradezu wie eine Bombe explodiert. Léger schreibt aus dem Krieg an seine Mutter, dass er all diese Körper der getöteten Soldaten gesehen hat, fragmentierte Körper, fragmentierte Städte und Landschaften. Die Grausamkeit des Krieges war das eine, aber zugleich war er fasziniert von der technologischen Entwicklung der Welt, die sich auch im Kriegsgerät zeigte."

Experimenteller Stummfilm mit Künstlerkollegen

Léger, der nur knapp mit dem Leben davonkommt, versteht sich nach Ende des Krieges als Interpret, nicht als Schöpfer einer neuen Realität. Er sucht sie mit unterschiedlichen künstlerischen Mitteln zu erforschen. Zehn Jahre vor Chaplins "Modern Times" realisiert Léger mit einigen Künstlerkollegen den experimentellen Stummfilm "Ballet Mechanique", indem er Bildwelt, Unterhaltungsindustrie und Film als beschleunigtes Bildmedium miteinander verbinden will.

Die Ausstellung zeigt viele Facetten des Werkes, die man im Allgemeinen nicht mit Légers Werk verbindet. Denn gemeinhin gilt er als der Maler von Maschinenmenschen, die in röhrenartige Konstruktionen eingezwängt sind. Ein zeitgenössischer Kritiker nannte ihn deshalb auch einen " Tubisten" (in Anspielung auf den Kubismus). Aber sein Interesse für Typografie und die Ästhetik der Werbung lässt ihn in den 30er-Jahren wie einen sehr frühen Vertreter der Pop Art aussehen.

Im selbstgewählten Exil in New York

Die Zeit des Zweiten Weltkrieges verbringt er im selbstgewählten Exil in New York. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich werden seine Figuren organischer, tänzerischer; er entdeckt Naturformen als Gegenwelt zur modernen Stadt für sich, indem er sich von Naturfotografien inspirieren lässt.

Er tritt der Kommunistischen Partei Frankreichs bei und erstaunt in seinem Spätwerk mit anrührend naiven Visionen von der Versöhnung der modernen Arbeitswelt mit der Natur.

Die Brüsseler Ausstellung, kann wegen ihrer Kooperation mit dem Centre Pompidou in Paris und Metz auf hervorragende Leihgaben zurückgreifen. Die gliedert sich nach den Leitmotiven in Légers Werk und entspricht in ihrer unprätentiösen Klarheit zugleich Légers künstlerischer Zuwendung zum Betrachter, die ihn von so manchen anderen modernen Avantgardisten unterscheidet.

"Fernand Léger - Beauty is everywhere"
noch bis 3. Juni 2018 im Bozar ni Brüssel
Weitere Informationen online hier

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