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Interview | Beitrag vom 31.07.2020

Leben in AfghanistanKrieg, Armut und Corona

Ronja von Wurmb-Seibel im Gespräch mit Stephan Karkowsky

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Drei Jungen sitzen in einem einfachen Raum in Afghanistan, auf dem Tisch liegt Brot, einer der Jungen gießt Zucker in ein Teeglas. (imago/Xinhua/Mohammad Jan Aria)
Der Alltag in Afghanistan ist für viele Familien vom Überlebenskampf geprägt, sagt Ronja von Wurmb-Seibel. (imago/Xinhua/Mohammad Jan Aria)

Trotz eines vereinbarten Waffenstillstands gibt es in Afghanistan wieder Gewalt. Zur Katastrophe des Kriegs kommt für die notleidende Bevölkerung nun noch Corona. Dafür ist das Land nicht gewappnet.

Zum Islamischen Opferfest soll eine dreitägige Waffenruhe in Afghanistan gelten. Doch gleich zu Beginn kam es wieder zu Gewalt: In Herat im Nordwesten des Landes wurden bei einer Explosion zahlreiche Menschen verletzt. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden bereits in der ersten Hälfte dieses Jahres mehr als 1200 Zivilisten getötet. Der Friedensprozess zwischen radikal-islamischen Taliban und der Regierung kommt kaum voran, zumal beide Seiten noch immer nicht direkt miteinander verhandeln.

Tee und Brot zum Überleben

In dieser gefährlichen Situation sei auch Corona ein "großes Thema" für die Menschen in Afghanistan, sagt die Journalistin und Filmemacherin Ronja von Wurmb-Seibel. Die Bevölkerung sei nicht nur vom Krieg, sondern auch von großer Armut betroffen und kämpfe darum, sich wenigstens "mit Tee und Brot" ernähren zu können. Desinfektionsmittel oder Masken seien für viele Familien nicht finanzierbar. Zudem sei das Gesundheitssystem marode und es gebe nicht genug Behandlungsmöglichkeiten, sagt von Wurmb-Seibel, die selbst im Alter von 27 Jahren für zwei Jahre nach Afghanistan gegangen war.

Die Journalistin beobachtet auch, wie sich Fake News in dem Land verbreiten: So behaupte ein Mullah, wer vom Coronavirus getroffen werde, sei kein wahrer Muslim. Daher gebe es eine weit verbreitete Scheu, überhaupt über das Virus zu sprechen.

(bth)

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