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Fazit / Archiv | Beitrag vom 08.05.2013

Lautes Bauerntheater aus dem All

Neu im Kino: J. J. Abrams "Star Trek Into Darkness"

Von Hans-Ulrich Pönack

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Zachary Quinto als "Spock" im neuen "Star Trek" (image.net / Paramount)
Zachary Quinto als "Spock" im neuen "Star Trek" (image.net / Paramount)

Im neuen "Star Trek"-Film wird die Mannschaft um Captain Kirk zu intergalaktischen Terrorbekämpfern. Aus der einst gemütlichen Space-Opera ist eine gigantische Science-Fiction-Gangster-Krimi-Orgie geworden.

Die neue Show um die "wilden Jungs” auf dem Raumschiff Enterprise geht aufwändig weiter mit dem phantastischen Rummel im Sternzeitjahr 2259,55: Irgendwo "draußen" wird ein Planet (Nibiru; mit lächerlich maskierten Urwesen) von einem brodelnden Vulkan bedroht. Die Enterprise-Crew möchte die Katastrophe verhindern, aber dadurch gerät Spock (wieder: Zachary Quinto) in Lebensgefahr. Um ihn zu retten, zeigt sich entgegen der Spielregeln die Enterprise der unterentwickelten Spezies, was anschließend zu viel Ärger in der Chefetage der Föderation führt: Spock wird strafversetzt, Kirk kommt mit einem strengen Verweis davon. Doch als in London ein Terroranschlag auf das Archiv der Sternenflotte verübt wird, müssen die beiden Heldenfreunde samt Enterprise-Team wieder zurück.

Weil der elfte Kinospielfilm dieser Reihe neulich – mit weltweit 385 Millionen Dollar Einnahmen – so erfolgreich war, wurde nun weiter gebastelt. Und wie stets bei den "Star Trek"-Movies nach dem äußerlich gleichen Trockenschema: Irgendwas blinkt immer und muss blitzschnell gedrückt werden. Irgendjemand, zum Beispiel Ensign Pavel Chekov (Anton Yelchin), flitzt ständig hysterisch spuckend durch die Gegend und soll ganz schnell mal etwas eigentlich Unmögliches technisch vollbringen, um die Chose bei Laune zu halten. Und die ewigen Gespräche! "Star Trek Into Darkness" ist einer der geschwätzigsten Antispannungsfilme aller Zeiten. Mit laberndem Hörspielcharme. Bevor Action gemacht wird, muss immer erst die Erklärung her, damit wir überhaupt wissen, warum, weshalb und so. Ein an- und fortdauerndes Gerede.

Und diese ewige Nichtanspannung! Wird es im letzten Moment wohl gelingen, dies und jenes rechtzeitig auszuführen? Kann die große Aufgabe wohl gelingen, einen besonders perfiden Terroristen aus den ehemals eigenen Reihen noch aufzuhalten? Dieser – John Harrison (Benedict Cumberbatch, dieser großartige neue britische TV-"Sherlock Holmes") – mimt den Zeitgeist. Heutzutage sind kriegerische Aktionen, Folter, Terroranschläge, atomare Bedrohungen weltweit an der Front-Tagesordnung. Also müssen auch die aktuellen Filme, zynisch besehen, diesem Trend folgen. So entwickelt sich aus der einst gemütlichen Space-Opera mit Familienraumschiff-Charme – Motto: die "simple" Erforschung des Weltalls – jetzt eine gigantische Science-Fiction-Gangster-Krimi-Orgie, mit letztlich handfesten "Bruce Willis"-Duellen, während die hübschen Mädels bangen: Die schwarze Schönheit Zoe Saldana ("Columbiana") als Leutnant Nyota Uhura sieht mit ihrem niedlichen Pferdeschwanz und ihrem perfekten Make-up wie eine Modelschnute aus dem Heidi-Klum-Umfeld aus – die sogar bei deftigsten Erschütterungen immer perfekt gestylt bleibt, also clean.

Regisseur J. J. Abrams ("Mission: Impossible III") sorgt für ein ziemliches Bauerntheater im All. Marke: viel Behauptung, noch mehr Krach um die üblichen Gut-Böse-Bewegungen. Wenig wirklich Spannendes entsteht. Und dann noch die völlig überflüssige 3-D-Geldschneiderei an der Kinokasse! Das neue intergalaktische "Star Trek"-Spektakel ist nur angeblich heiß. Bleibt banal, emotional egal – trotz noch intensiverer Freundschaft zwischen Kirk und Spock. Ist eher launisch-läppisch, beziehungsweise laut-langweilig.

USA, 2013; Regie: Jeffrey Jacob Abrams; Darsteller: Benedict Cumberbatch, Zachary Quinto, Anton Yelchin, Zoe Saldana; ab 12 Jahren; 132 Minuten

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