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Studio 9 | Beitrag vom 15.04.2017

Laufen für die GleichberechtigungWegbereiterin für den Frauenmarathon

Von Alexandra Friedrich

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Kathrine Switzer, 1967 als erste Frau beim Boston Marathon gestartet, am 8.10.2013 in Spanien. (picture alliance / dpa / Chema Moya)
Kathrine Switzer, die 1967 als erste Frau - gegen das Reglement - am Boston-Marathon teilnahm. (picture alliance / dpa / Chema Moya)

Im April 1967 lief Kathrine Virginia "Kathy" Switzer als erste Frau beim Boston Marathon mit. Das hat Frauen weltweit zum Laufen motiviert. Die heute 70-jährige Switzer ist für viele Frauen immer noch ein Vorbild - auch 50 Jahre nach ihrem ersten Marathonlauf.

Kathrine Switzer: "A woman can’t run the Boston Marathon… Women are too weak and too fragile, they can’r run 26.2 miles… No dame ever ran no Marathon..."

Derartige Argumente sollten Kathy Switzer vor 50 Jahren davon abhalten, beim Boston Marathon mitzulaufen: Frauen seien zu schwach, zu gebrechlich für eine Strecke dieser Länge, hieß es. Ihre Freundinnen warnten, sie bekomme vom Laufen dicke Beine und Haare im Gesicht.
Mythen und Märchen - aus heutiger Sicht, vor 50 Jahren noch Common Sense.

Kathy Switzer glaubte nicht an diese Behauptungen, sondern an sich selbst.

Weil ihre Uni kein Lauf-Team für Frauen hatte, trainierte sie einfach mit den Männern und konnte ihren Coach, den erfahrenen Marathonläufer Arnold Briggs, schließlich überzeugen, mit ihr gemeinsam zum Boston Marathon zu fahren. Das war 1967.

"Ich fühlte mich wie eine Pilgerin auf dem Weg zum Schrein, weil ich so hart trainiert und schon so lange davon geträumt hatte."

Zunächst startete sie getarnt in den Marathon

Weil es Frauen damals noch nicht gestattet war, an einem Marathon teilzunehmen, meldete sich Kathy Switzer kurz als "K.V. Switzer" an.
Verdeckt von ihrer Kapuze schaffte sie es, unerkannt als Frau zu starten, doch nach zwei Meilen flog sie auf. Der Rennleiter Jock Semple stürmte daraufhin auf die Strecke und attackierte sie.

"Zuerst habe ich ihn gar nicht bemerkt. Erst als ich die Lederschuhe hörte, drehte ich mich um und sah in das Gesicht dieses Mannes. Er schnappte mich und schrie: Verschwinde verdammt nochmal aus meinem Rennen und her mit diesen Startnummern! Ich war so geschockt und verängstigt - ich schrie einfach."

Zum Glück begleitete Kathy Switzer ihr damaliger Freund, ein Hammerwerfer - er setzte den wutentbrannten Jock Semple durch einen kräftigen Stoß außer Gefecht, sodass sie den Lauf fortsetzen konnte.

"Für den Bruchteil einer Sekunde dachte ich, vielleicht sollte ich einfach aussteigen und nach Hause gehen. Aber dann dachte ich: Nein! Wenn ich nicht im Rennen bleibe - komme was wolle - dann werden die Leute sagen: Frauen können das nicht schaffen."

Ihr Zieleinlauf nach 4 Stunden 20 war neben ihrem persönlichen Triumph in erster Linie der Beweis, dass Frauen durchaus dazu fähig sind, einen Marathon zu laufen.

"Und ich fragte mich: Warum sind hier keine anderen Frauen? Da wurde mir klar: Sie sind nicht da, weil sie Angst haben. Und ich dachte: Okay, ich muss ihnen zeigen, wie gut sie sich durch das Laufen fühlen. Es verändert mein Leben und ich weiß, es wird auch ihnen helfen."

Damit war der Stein ins Rollen gebracht: Für Kathy Switzers persönliche Karriere - sie etablierte sich als erfolgreiche Marathon-Läuferin und Organisatorin von Frauenmarathons - und für ein Umdenken im Laufsport: Drei Jahre nach Boston, im Jahr 1970, gab es den ersten reinen Frauen-Marathon in den USA. 1972 folgte Deutschland und 1984 wurde Frauen-Marathon olympisch.

Sie hat noch nicht als Vorbild ausgedient

Um Frauen global zum Laufen zu motivieren und zu stärken, rief Kathy Switzer 2015 die Bewegung "261 fearless" ins Leben – benannt nach ihrer Startnummer 1967.

Eine der 261-Aktivistinnen ist die Österreicherin Edith Zuschmann:

"Ich glaube, dass durch dieses gemeinsame Tun sehr viele Barrieren abgebaut werden können. Gemeinsam in der Gruppe zu laufen, bedeutet auch eine gewisse kulturelle Akzeptanz. Also würde eine Frau jetzt in arabischen Ländern alleine loslaufen, begibt sie sich in eine irrsinnige Gefahr. Laufen zwei, drei, vier, fünf Frauen, dann ist das kein Thema mehr, weil, das wird dann einfach anders akzeptiert (...) Und das wollen wir ganz dezent erreichen und nicht Druck erzeugen oder Kulturen in Frage stellen."

Von den USA bis nach Malaysia, Deutschland, Brasilien oder auch Albanien hat sich "261 fearless" verbreitet und zu einer weltumspannenden Bewegung entwickelt. Herz und leuchtendes Vorbild der Aktivistinnen bleibt Kathy Switzer – auch für 261-Unterstützerin Nicky:

Nicky: "Ich denke, Kathrine ist die Verkörperung der Zahl 261, der ganzen Idee des Frauenlaufs. Sie war die erste Frau und sie als Vorbild zu haben, ist eine Inspiration für alle."

Und das Vorbild hat noch lange nicht ausgedient: die inzwischen 70 Jahre alte Kathy Switzer Nimmt übermorgen, am 17. April, noch einmal am Boston Marathon teil. 50 Jahre danach.

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