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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 21.03.2017

Lann HornscheidtHinter der Grenze zweier Geschlechter

Moderation: Katrin Heise

Lann Hornscheidt hat eine Professur für Gender Studies und Linguistik an der Humboldt-Universität zu Berlin. (Dennis Woste)
Lann Hornscheidt hat eine Professur für Gender Studies und Linguistik an der Humboldt-Universität zu Berlin. (Dennis Woste)

Lann Hornscheidt hatte eine Professur für Linguistik und Gender Studies an der Humboldt-Universität zu Berlin. Lann Hornscheidt möchte nicht mehr als Frau, aber auch nicht als Mann angesprochen werden. Ein Gespräch über Sprache und Identität.

"Ecs" – das steht für Exit Gender, und es ist das Personalpronomen, das Lann Hornscheidt im Moment für sich gewählt hat. Bekannt geworden ist Hornscheidt vor einiger Zeit, als ecs auf der Webseite der Humboldt-Universität angab, nicht als Mann oder Frau angesprochen werden zu wollen und für sich die Personenendung "x" vorschlug - Professx für Gender Studies und Linguistik statt Professorin oder Professor.

Hassmails und diffamierende Kommentare

"Im Alltag bin ich natürlich kontinuierlich mit Zweigeschlechtlichkeit konfrontiert", sagt Lann Hornscheidt:

"In den Anreden, auf allen offiziellen Dokumenten, selbst wenn Sie einen Flug buchen wollen, müssen Sie ja das Geschlecht angeben. Warum können wir nicht direkter anfangen, Menschen als Menschen wahr zu nehmen? Und damit auch alle in die Freiheit zu entlassen: Empfinde ich mich als Frau? Und empfinde ich das als natürlich?"

Eine Flut aus Hassmails und diffamierenden Kommentare war die Folge. Da half es auch nichts, dass Lann Hornscheidt immer wieder betonte, es gehe nicht darum, anderen etwas vorzuschreiben oder die Idee der geschlechtsfreien Wortendung zu verallgemeinern. Ecs geht es darum, über sich selbst zu sprechen und Ecs Weg zur Erkenntnis, dass es der Zwang der strikten Zuordnung zu einem Geschlecht ist, der schmerzt:

"Der Prozess eines Unbehagens ist sehr lange bei mir gewesen, bis ich mir eingestanden habe zu sagen, vielleicht stimmt Zweigeschlechtlichkeit nicht für mich."

Zusammenhang von Sprache, Macht und Gewalt

Heute erforscht Lann Hornscheidt auf vielfältige Weise den Zusammenhang von Sprache, Macht und Gewalt und setzt sich dafür ein, über festgefahrene Normen hinaus neue Formen des Sprechens auszuprobieren.

"Für keine Person ist es einfach, weiblich oder männlich zu sein. Für alle ist es ja anstrengend. Die ganze Zeit müssen sie irgendwelchen Schönheitsnormen gehorchen. Es wäre ja sehr viel einfacher, wir würden uns wieder als Personen wahrnehmen und uns damit davon befreien, das immer alles zu überlagern."

Warum Lann Hornscheidt für sich das Pronomen "ecs" gewählt hat, sich selbst erst aus der Sprachlosigkeit befreien musste, und weshalb Lann Hornscheidt mittlerweile die belletristische Literatur der wissenschaftlichen Lektüre vorzieht – das fragte Katrin Heise "Im Gespräch".

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