Landgang EXTRA

Von Uschi Götz und anderen |
Wir ahnten ja damals nicht, was wir alles noch würden erfahren müssen. Damals war, bevor wir uns erstmals auf den Landgang machten. Das ist mittlerweile 49 Landgänge her, so uns die Einträge ins Wanderbuch nicht täuschen. Heute nun also brechen wir zum 50. Landgang auf.
Nur diesmal wissen wir, was auf dem Tagesprogramm steht: schöne Beiträge, also die Wiederholung schöner Zurufe aus einigen Bundesländern. Unter anderem werden wir Ohrenzeugen, wenn ein Rheinland-Pfälzer die hässlichsten Flecken in seinem schönen Landstrich versenkt. Da wollen wir doch unbedingt dabei sein!

Zum 50. Mal: "Herzlich willkommen" … zum Landgang. Heute mit einem Ausflug in die Vergangenheit. Neudeutsch: Retrospektive. Als Reiseleiter vom Dienst begrüßt Sie Claus Stephan Rehfeld.

Der 50. Landgang. Es gab viel zu erzählen.

Merkel: "Also für jeden ein Angebot."

Ja, verdienter Zuspruch erreichte uns aus höchsten Kreisen. Was hatten wir doch aus allen Himmelsrichtungen des Landes zu berichten.

Westerwelle: "Das ist ein Kompass mit Freiheit zur Verantwortung."

Ah ja. Haben Sie einen Satz parat, in dem Kompass, Freiheit und Verantwortung einen Sinn ergeben? Wir fassen uns kurz, es gibt viel zu erzählen.

Der erste Landgang. Anno 2004 war es. Und der fing mit einem farbigen Beitrag über die Schwarzen an, also über die CDU, über die schwarzen Kassen der schwarzen Partei.

Merkel: "Also für jeden ein Angebot."

Danke, danke. Die erste Folge führte also nach Hessen, wo der eiserne Roland regiert. Der versprach damals "brutalstmögliche Aufklärung". Aufklärung hätte uns schon gereicht. Und wir wollten in der ersten Sendung wissen, ob nun alle Banken bei Schwarzgeld "I, Pfui" sagen, also die Annahme verweigern. Bei den Parteien fragten wir lieber nicht nach, aber im beschaulichen Butzbach und im dschungeligen Frankfurt am Main.

Der glattgegeelte Sonnenbrillentyp mit dem glänzenden Metallkoffer und den Fünfhundertern, die ihm halb aus der Hemdstasche hängen? Verdächtig zwar, aber Butzbach hilft gern:

Mann: "Schwarzgeld, also ich bin Kunde bei der Sparkasse, aber ich weiß nicht, ob die da gleich 23 Millionen so nehmen, probieren sie es mal, das sind grad 150 Meter.""

Mann: "Commerzbank da – die ist gleich da am Markt."

Und soll gute Beziehungen nach Lichtenstein haben! Obwohl: von Butzbach aus? Der Kassenbereich ist nicht durch Panzerglas gesichert. Eine Kassiererin im Dienst. Im Kundenberatungsbereich stehen drei weitere weibliche Mitarbeiterinnen zusammen. 23 Millionen Mark, also rund 11,5 Millionen in Euro! - Schwarzgeld – soviel wie damals beim hessischen Innenminister ...

Schwarzgeld genau. Im Koffer. Bitte waschen, einzahlen und quittieren. Jetzt.

Frau: "Dafür hat jetzt hier von uns keiner Zeit, tut mir leid."
Frau: "Nee, tut mir leid."

Die wortführende Filialbankerin aus Butzbach bewegt sich nicht, lässt sich auch nicht bewegen. Sie lässt dem falschen Moment keinen richtigen mehr folgen. Außer einem Kopfnicken mit Verweis auf die Zentrale in Frankfurt am Main. Dort im höchsten Tower Europas, im Herzen der heftig pulsierenden Mainmetropole – vielleicht ist da die Chance, das Schwarzgeld unterzubringen.

Eine gut 40 Meter breite Außentreppe führt hinauf zur gläsernen Fassade der 259 Meter hohen Commerzbankzentrale.

Mit wehmütigem Blick auf den Koffer erklärt ein drahtiger junger Banker auf dem Weg an die Spitze knapp die Philosophie seiner Bank:

Mann: "Schwarzgeld kriegen sie bei uns nie los, nein."
Mann: "Was? Die Commerz will es nicht? Dann würde ich es mal bei der
Deutschen Bank probieren."
Mann: "Black money."
Mann: "Gehen sie zuerst mal zur Degussa Bank, da können sie auch Gold
loswerden."

Im Hinterhof der Degussa gibt es keine Gaffer und keine Laufkundschaft. 23 Millionen, 11,5 Millionen in Euro - der Stahlkoffer findet seinen Weg zu Ulrike Berger, Privatkundenberatung, Degussazentrale Frankfurt Weißfrauenstrasse.

Frau: "Kein Problem. Da haben wir halt Geldwäschegesetze als solches. Aber das machen wir sofort. Wenn sie ein Konto vorher eröffnen, dann empfehlen wir ihnen das Renditesparen, wahrscheinlich noch unsere Inhaberschuldverschreibung dann Festgeld für ein Jahr und dann sind wir dabei."

Na also. Ist doch gar nicht so schwierig. Und warum musste der Kanther sein Geld dann erst von Weihrauch verhüllen und von Wittgenstein in die Schweiz bringen lassen, anstatt es einfach nur in Hessen zu lassen?

Erzürnte Heimatliebe

Liebeserklärungen erreichten uns zuhauf – an die Heimat, an die Bruderstämme, gar an Stammesangehörige. Sie waren sehr individuell verfasst, weil: manche Liebe ward geschmäht, verachtet oder verletzt und kam als Erzürnung daher. Die uns liebste Erbosung kam aus Rheinland-Pfalz.. Da war der Öffentlichkeit gerade kommuniziert worden (wir lieben diese Formulierung), dass es im Land Absturzzonen für amerikanische Kampfflugzeuge gibt. Wir baten um Auskunft darüber, welche denn besonders empfehlenswert wären.

Frei nach dem Motto: Ein Flieger, der vom Himmel fällt, erspart bei uns die Abrissbirne.

Da wären als aller erstes diese hässlichen, alten Kasernen der Amerikaner, ihre verödeten Munitionslager in Eifel, Westerwald und Hunsrück, ihre verlassenen unterirdischen Raketenbasen, ihre vergammelten Militärdepots und ölverseuchten Truppenübungsplätze. Was könnte man alles dort drauffallen lassen.

Auch das stillgelegte Atomkraftwerk Mühlheim-Kärlich wäre eine wunderbare Absturzzone. Zum einen könnte man erproben, ob ein Atomkraftwerk einen Crash mit einem Flieger auch wirklich aushält. Und zum andern kämen die RWE nie mehr auf die Idee, diesen Kasten eventuell noch einmal ans Netz gehen zu lassen.

Bestimmte Weinbaugebiete wären ebenso absturzgeeignet. Vor allem Lagen, in denen diese Dornfelderrebe angebaut wird. Dornfelder, dieser Synthetikwein, dessen Aroma den Ausdünstungen einer durchnässten Kinderbettmatratze nicht unähnlich ist, und dessen Geschmack an seifiges Badewasser erinnert. Flächendeckend könnte man auf diese Lagen abgestürzt werden.

Auch ein bestimmtes Image würden wir gerne loswerden. Die Meinung nämlich, dass wir Rheinland-Pfälzer ein grässliches Hochdeutsch sprechen und uns jeden Tag mit Saumagen vollstopfen. Dieses Image, verursacht von einem übergewichtigen Oggersheimer, ist leider als Absturzzone nur schwer zu lokalisieren.

Das Deutsche Eck in Koblenz wäre allerdings ein zielgenauer Absturzpunkt. Hat man doch dort vor ein paar Jahren diesen unsäglichen Kaiser Wilhelm II. wieder auf den Denkmalsockel gehoben. Dieses Standbild deutschen Größenwahns. Da eine F-16 drauf! Um diesen preußischen Kommisskopf wäre es wirklich nicht schade.

Allerdings würde ich die Pfälzer allein nicht darüber entscheiden lassen, wo solche Absturzsektoren eingerichtet werden sollten. Die Pfälzer würden nämlich das gesamte Saarland zur Absturzzone erklären, damit dieses völlig überflüssige Bundesland zumindestens eine minimale Existenzberechtigung hätte.

Im Redefluss der Politik

Die Politik – oft stand sie einfach so am Wege herum, häufiger aber mitten auf der Kreuzung, wenn der Landgang Auskunft über Land und Leute erfrug. Manche Politiker standen überall. Im brandenburgischen Templin querten wir den Merkel-Gedenkweg, im Kanzleramt betraten wir ihr Arbeitszimmer, in Rostock outete sie sich als Hansa-Fan (dem Verein geht es jetzt auch schlecht), in NRW waren wir beim Hersteller der Merkel-Puppen …

Merkel: "Also für jeden ein Angebot."

Es gab aber auch noch andere Politiker, die wir beim Wort nahmen.

Oettinger: "Herr Präsident, meine sehr verehrten Damen, meine Herren. Mit vielen gemeinsamen Vorhaben, mit einem klaren Programm, einer Koalitionsvereinbarung, die nachlesbar und nachweisbar Baden-Württemberg weiterbringt."

Willikonsky: "Also ein hohes Sprechtempo, eng, es hört sich hoch an, weil er alles in die Breite zieht."

Bei Frau Willikonsky in Stuttgart gehen Topmanager ein und aus. Die Chefin vom Zentrum für Kommunikation und Rhetorik kennt den Ministerpräsidenten schon seit vielen Jahren, betont jedoch: rein privat. Bedenklich wiegt sie jedoch ihr Haupt, wenn es um den Nichtprivaten geht.

Willikonsky: "Also es ist wirklich so, dass er eigentlich alle problematischen Komponenten in einem vereint. Das ist sehr selten. Also das ist ja schon fast ne Kunst so viele problematischen Dinge im Sprechen zu vereinen."
Oettinger: "30.000 Menschen jedes Jahr mehr ist ein besondere Chance für uns und zwar gerade auch im ländlichen Raum, weil die ländlichen Landkreise von besonderem Einwohnerwachstum begünstigt sind. Mehr Einwohner heißt: mehr Umsatz für den Handel. Mehr Einwohner heißt: mehr Aufträge für das Handwerk."

Willikonsky: "Also es ist so, dass er Baden Württemberg sag, da bleibt gar nicht mehr viel übrig. Wie soll den jemand, der das nicht kennt, das überhaupt verstehen? Dann ist es überhaupt so, dass er keine Sinnbetonung macht, also abgesehen davon, dass er das so abhackt, das Sprechen ist es auch so, dass wir im Deutschen eine Hauptbetonung haben und die macht uns klar, was gefragt ist. Also wir sagen entweder: Das ist ein Buch oder Das ist ein Buch oder Das ist ein Buch oder Das ist ein Buch. Und je nachdem was betont ist, wissen wir, was gemeint ist. Das wissen wir bei ihm einfach nicht, w e i l - e r - j e d e s - W o r t - e i n f a c h - i m m e r - b e t o n t. Und dann funktioniert das einfach nicht."

Doch Expertin Ariane Willikonsky verspricht Hoffnung, also Besserung, wenn auch keine schnelle. Überhaupt glaubt Ariane Willikonsky, müsste so einiges an der Performance Oettinger’s gemacht werden:

"Er hat ganz wenig weiches, sympathisches, lockeres; man denkt immer, man muss irgendwas lösen, weil es so fest ist. Und das passt ja auch alles zu dieser Sprechweise – das ist alles eng und fest und mit Druck. Und ich glaube, das wird ihm eigentlich nicht gerecht. Ich weiß, dass er eigentlich ein sehr lockerer Typ ist. Und das man das nicht sieht, ist eigentlich sehr schade."

Das wollen wir denn hier doch nicht weiter vertiefen.

Sprachverständigung und Dialektschwierigkeiten

Die Sprache des einfachen Volkes. Unsere Botanisiertrommel füllte sich mit Wortgirlanden - im Norden und im Süden, im Osten wie im Westen, also rein geografisch gesehen.

Westerwelle: "Das ist ein Kompass mit Freiheit zur Verantwortung."

Im Küstennebel war der Kompass nicht zu gebrauchen, eine lieblose Gegend …

Mann: "Denn der Friese als solcher kennt tausend Wörter für alles, was mit Landwirtschaft zu tun hat, aber nicht eines, das sich schlicht mit "Liebe" übersetzen ließe."

In Thüringen reagierte der Bleistift erregt, so ein gemeiner Thüringer für einen Sachsen gehalten wird.

Frau: "Na, Merci ooch. Vielen Dank für diese Verwechslung."

Egal, wir überschritten dennoch die magische Sprachgrenze und wurden Ohrenzeuge, wie ein wackerer Sachse an seiner sächsischen Zunge arbeitete.

Frau: "Ei."
Mann: "Ei."
Frau: "Ei – weil, ei – weil."
Mann: "Echt? Ich hätte gern ein Ei. Ich hätte gern, ich hätte gern ein weichgekochtes Ei."
Frau: "Ja, das fehlt das a als Ausgang: a - e."
Mann: "Ich hätte gern ein weichgekochtes Ei. Ich hätte gern ein weichgekochtes Ei."
Frau: "Auh."
Mann: "Ja, das müssen Sie mir nicht sagen, Frau Ziegenbrücker. Ich kriege ja das A nicht vor."
Mann: "Es ist, es ist schon besser geworden."
Mann: "Also anderthalb Jahre Sprechunterricht, nee, zwei."
Frau: "Sprechunterricht."
Mann: "Anderthalb Jahre Sprechunterricht haben doch das A schon sehr weit vorgebracht."
Mann: "Verdammt noch mal oder Scheiße oder so. Wenn ich hier raus bin aus dem Zimmer spreche ich sowieso wieder sächsisch."

Retour ging es direktemang und haltlos durch Nordrhein-Westfalen.

Mann: "Nä, dat is nit schön."

Richtung Saarland. Dort stand Jaques am Straßenrand und parlierte gar trefflich über den Landstrich, in dem man nicht ja oder nein sagt.

Oh la la... "luu mo lòo, lòo leit datt" - klingt das nischt eine bisschen sehr exotisch? Aber nein: das is Deutsch. Gehört zu die noch lebender Idiome. Unn is auch nischt dieser neuer Comedy-Sprach: "Ej Alder, was guggst Du, bin isch Kino oder was?" – dieser "Deutsch mit Migrationshintergrund". Nix: "luu mo loo" hört man in ein ganz kleiner Region, das theoretisch auch noch zu Deutschland gehört, nämlich in die Sarrelande. Da war isch anfangs auch übergerascht, wie isch bin aus Frankreisch gekomm, weil isch hab rischtischer Deutsch gelernt. Totallement für umsonst. Hatt' isch ganz schön Problème mit die Integration. Weil isch hatt ja gelernt "ja" oder "nein" ... das sagt mer hier nischt. Saarlander lege sisch nischt fest. Die sage nischt "ja" oder "nein", sondern was dazwisch: "och, pff". Selbst auf ein konkreter Frage: z. B. Wie is die Wetter? Da sagt der Saarlander zuerst mal: "oh leck!" Unn das is auch nischt russissch, non. Das heißt eigentlisch genaugenommen nix.

Das sagt ein Saarlander, um ein Denkpaus' zu überbrück. Zum Antworte muss er denke, das dauert, unn damit der andere nischt merkt, dass er denkt, überbrückt der Saarlander dieser Denkprozess mit ein Wort, wo er auswendzisch kennt: "oh leck" – dabei denkt er unn dann kommt die Antwort ganz schnell. So wie die Hesse sage: "ei horsche Mol", die Bayern: "Jo mei". Die Sachse habe ja immer dieser kieferbetonter Mundakrobatik: "Nuu, ei vrbibsch nochmol ..." unn die Schwabe fange an, irgenwelsche Hauptstädte aufzulist: "Hanoi..:" - unn dann kommt die Antwort. Unn der Saarlander auf die Frage: "wie is die Wetter?" "Oh leck, pfff, joh!" Is kompliziert. Im Gegesatz zu die Begrüßung. Wo isch gelernt hab in die Deutschkurs: "Guten Tag, wie geht es Ihnen?" heißt hier ganz kurz: "Unn?" Das spart immens viel Zeit, weil das heißt ja so viel wie: Guten Tag, wie geht's, haste dein Beruf noch, was mache die Kinner, is die Frau noch gesund, kann se noch gut schaff? Das steckt alles in die kleine "unn". Die Antwort is dann genauso: "Och, pff!"

Wenn Liebe bindet

In der Provinz geht es munter zu. Und in der katholischen Hochburg Köln geht es so munter zu, dass die Vergnügungssteuer nur so sprudelt. Düsseldorf dagegen – trist, Abwanderung. Vermutlich deshalb der große Flughafen. Köln und Düsseldorf – zwei Städte, zwei Völker. Der Landgang wollte zur Völkerverständigung beitragen, aber der Autor …

Stellen Sie sich folgenden Alptraum vor: Sie stehen an einem Rednerpult - warum auch immer, Alpträume kennen keine Gründe - Sie stehen also an einem Rednerpult vor 1000 Kölnern und auf ihrem Redemanuskript steht nur ein einziges Wort: Düsseldorf.

Nein, aufwachen gilt jetzt nicht. Da müssen Sie jetzt durch. Und wissen Sie wie? Durch die richtige Betonung. Wenn Sie festen Glaubens, selbstbewusst mit sozusagen landeshauptstädtischer Herrschaftsgeste "Düsseldorf" sagen, dann wird das der Albtraum Ihres Lebens. Wenn Sie jedoch mit einem konsternierten Kopfschlenker in ungefähr rheinabwärts nördlich weisender Richtung, die Augen leidend mitverdrehend und verachtend seufzen: "Düsseldorf", dann wird man sie auf Händen tragen – und zwar direkt ins nächste Brauhaus, wo man sie für die verachtungsvolle Düsseldorf-Intonation mit Kölsch und Blutwurst lebenslang umsonst verköstigt, Ihnen höchste Ämter im Karneval anträgt und nächsten Tags als Held der Domstadt auf der Titelseite des lokalen Boulevardblattes "Expreß" feiert - nur zur Erinnerung: noch sind wir im Traum. Die Wirklichkeit ist aber ganz ähnlich.

Nichts kommt in Köln so gut, wie etwas Böses gegen Düsseldorf. Zwar liegen beide Städte nur 30 Kilometer voneinander weg, doch in je unterschiedlichen Regionen, Kulturkreisen, - achwas, - Welten, Galaxien. Hier - also jetzt in Köln –trinkt man süffig-blondes Kölsch, dort das migränig-dunkle Alt-Bier, hier klingt hellvokaliges Alaaf, dort schwermütig düstertönendes Helau. - Wenn Köln - vor allem sommers, wenn das Kneipenleben auf die Straßen überschwappt - als Rom des Nordens gilt, dann kann man Düsseldorf wohl nur als Trondheim des Südens bezeichnen.

Pure Einsatzfreude

Landgang – das hört sich beschaulich an, klingt irgendwie nach langer Lebenserwartung. Doch so mancher Autor setzt für einen mickrigen Beitrag im Radio seine Lebensversicherung aufs Spiel, scheute keine noch so miesen Umstände, um ein kleines Honorar aus unserer Tasche zu greifen. Wir nahmen es hin.

Stuttgart ... eine schöne Stadt. Hier hat alles mit Umwelt zu tun. Sogar Tante Klara.

Tante Klara feiert nämlich am 6. Januar einen runden Geburtstag, zu dem sie alle (hustest) Verwandten und Bekannten nach Stuttgart einladen wollte. Unter anderem Onkel Gerd aus Zürich, Vetter Hans aus Südtirol, Schwester Anne aus Hannover, sie hat den weitesten Weg, und alle die Stuttgarter. Und alle haben mindestens ein Auto.

Da aber ab 1. Januar nicht mehr alle Fahrzeuge nach Stuttgart hinein dürfen, zweifelt Tante Klara, ob sie die Einladung einfach so aussprechen kann. Denn entweder hat Onkel Gerd ein Auto, das die neuen Anforderungen nicht erfüllt, dann würde er sich mit einem Besuch strafbar machen. Oder aber sein Auto entspricht den Anforderungen, dann würde er sich aber auch strafbar machen, weil er keine Plakette hat. Und in Zürich gibt es keine. Und am Zoll auch nicht. Und der 6. Januar ist ein Sonntag und Dreikönigstreffen der FDP, da gibt es sowieso keine Plaketten.

Außerdem: (hustet) Woher soll Onkel Gerd so genau wissen, wo die Stadtgrenze von Stuttgart verläuft. Genauer: die von Leonberg und Esslingen, denn Leonberg beteiligt sich auch an den Fahrverboten, Esslingen aber vorläufig nicht.

Ja, ja, Stuttgart und die Umwelt. (hustet) Seit dem Abbau des Güterbahnhofs neben dem Hauptbahnhof kommen die Güter mit LKWs in die Stadt. Und aus Umweltschutzgründen hat Stuttgart keinen Autobahnring. Deshalb entgeht man dem Stau auf der Teilumfahrung durch die direkte Fahrt durch die Stadt.

Ah, Feinstaub! Von einer Boeing!

Zwar dürfen nicht mehr alle PKWs einfach so durch Stuttgart fahren, aber die Flugzeuge schon, also fliegen, über Stuttgart. Früher sah man auf den Auspuff herab, jetzt schaut man zu ihm auf.

Also ihr Geburtstag findet jetzt wahrscheinlich im Schwarzwald statt und alle Stuttgarter fahren dorthin. Es ist zwar etwas umständlich, aber was tut man nicht alles, um den Feinstaub gar nicht erst entstehen zu lassen. Jedenfalls nicht in Stuttgart.

Hören Sie auch die Vögel? Ich nicht.

Das war der Landgang. Zum 50ten mal, also erstmals mit einem Rückblick in eigener Sache. Ungezählt die Autoren, noch ungezählter die freundlichen Zuschriften.

Merkel: "Also für jeden ein Angebot."

Was haben wir uns gefreut. Am 29. Januar sehen wir uns in der nicht-ja-nicht-nein-Gegend wieder, also im Saarland. Als Reiseleiter vom Dienst verabschiedet sich von Ihnen Claus Stephan Rehfeld. Schön’ Tach noch.