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Im Gespräch | Beitrag vom 14.07.2020

LaBrassBanda-Frontmann Stefan Dettl"Melodien sprießen aus meinem Körper"

Moderation: Tim Wiese

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LaBrassBanda - die deutsche Balkan-Brass-Musikgruppe mit Saenger Stefan Dettl bei einem Konzert auf der Freilichtbuehne im Stadtpark Hamburg am 02.08.2019  (picture-alliance / JAZZ ARCHIV HAMBURG)
Energie, die in die Beine geht: Stefan Dettl, Sänger und Trompeter von LaBrassBanda bei einem Auftritt mit der Band in Hamburg. (picture-alliance / JAZZ ARCHIV HAMBURG)

Er singt auf Bayerisch, spielt Trompete und Gitarre: Seit seiner Kindheit macht Stefan Dettl Musik. Mit der Band LaBrassBanda bringt er so ziemlich jedes Publikum zum Tanzen. Mit Abstand und frischer Luft jetzt auch wieder in den Biergärten.

Im Idealfall sei es ein "Energieaustausch von der Bühne mit dem Publikum", sagt Stefan Dettl über die Live-Auftritte mit seiner Band LaBrassBanda. "Die Leute tanzen, alle schwitzen, singen ganz laut mit", kurz: Es sind nicht die besten Zutaten in Coronazeiten.

Endlich wieder auftreten

Wenn nicht gerade eine Pandemie die Welt im Würgegriff hält, spielt der Trompeter und Leadsänger Stefan Dettl mit seinen Kollegen von LaBrassBanda oft über hundert Konzerte im Jahr auf der ganzen Welt. Nach monatelanger Auftrittspause freut sich die Blaskapelle vom Chiemsee deshalb jetzt dank passgenauer Hygienekonzepte wieder auf erste Konzerte: auf einer Biergartentour mit Abstand und unter freiem Himmel.

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Bei ihm selbst sei auf Konzerten "der ganze Körper aktiv", sagt der 38-Jährige: "Der ganze Körper fließt, die ganzen Energien und Melodien sprießen aus meinem Körper raus. Ich weiß nicht mehr genau, wo ich bin, warum ich da bin - und das ist ein ganz besonderes Erlebnis. Wenn ich das auf der Bühne habe, ist das eine Erfüllung von meinem Musik-Erleben."

 "Klischee-Bayer" und Weltbürger

Stefan Dettls Musikerleben beginnt früh. Sein Vater ist Tubist, der Großvater Trompeter, beide spielen in bayerischen Blaskapellen. Dettl lernt zunächst Gitarre, mit elf Jahren schließlich Trompete. Schon als Teenager spielt er in verschiedenen Bands, Blaskapellen und Jugendsinfonieorchestern, nach seinem Studium am Konservatorium in München auch in Berufsorchestern. 2007 gründet er schließlich die Band LaBrassBanda.

Die aktuell sieben Musiker spielen in Polen ebenso wie in Simbabwe, in Russland wie in Kambodscha. Und natürlich in Bayern. Die Eigenheiten des bayerischen Lokalkolorits spielten vor allem dort und im übrigen Deutschland eine Rolle. Im Rest der Welt werde einfach ungefragt hingenommen, wie sie sängen und aussähen, sagt Dettl.

Dieses Hin- und Her zwischen weiter Welt und beschaulichem Zuhause kommt ihm ganz gelegen. Er fahre gerne in andere Länder und sammle neue Eindrücke, "aber genauso bin ich ein Klischee-Bayer und finde das auch gar nicht schlimm. Ich mag das."

Eine Berufung, viele Zugänge

Wenn der gebürtige Traunsteiner nicht gerade im Tourbus oder auf einem anderen Erdteil steckt, wohnt er mit seiner Frau auf einem Bauernhof im Chiemgau. Dort findet er auch die Zeit, sich um andere Projekte zu kümmern. Der Musiker ist Herausgeber eines Magazins für bayerische Gegenwartskultur und hat mit seiner Schwester zusammen einen Radiosender gegründet, um auch jungen bayerischen Bands eine Plattform zu geben.

"Ich sehe meinen Beruf eigentlich so, dass ich jeden Tag an der Musik arbeite. Ob das jetzt mit meiner Band ist oder mit dem Magazin, dem Radio oder bei Workshops: das ist für mich ziemlich das Gleiche. Da fühle ich mich gar nicht so aufgesplittet in verschiedene Berufe."

(era)

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