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Fazit | Beitrag vom 11.06.2020

Kupferstich-Kabinett DresdenDie Liebe zum Papier in digitalen Zeiten

Stephanie Buck im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Stephanie Buck, Direktorin des Kupferstich-Kabinett, sitzt im Kupferstich-Kabinett der Staatliche Kunstsammlungen Dresden zwischen zwei Radierungen  (picture alliance / dpa / Sebastian Kahnert/)
Nicht nur die Kunstwerke sind faszinierend sondern auch die Sinnlichkeit von Papier, findet Kupferstich-Kabinett Direktorin, Stephanie Buck. (picture alliance / dpa / Sebastian Kahnert/)

Anders als man vermuten könnte, geht es in der Sammlung des Dresdner Kupferstich-Kabinetts immer um Papier. Das 1720 gegründete Institut zeigt die Bedeutung von Papier. Es besitze aber auch sinnliche Anziehung, sagt seine Direktorin Stephanie Buck.

Die Bezeichung Kupferstich-Kabinett gehe auf die Gründerzeit im 18.Jahrhundert zurück und sei ein Eigenname, sagt Stephanie Buck. Die Kunsthistorikerin ist seit 2015 die Direktorin des Kupferstich-Kabinetts in Dresden.

Immer wieder habe es Überlegungen gegeben, diese Salons oder Galerien mit Estampes-Drucken oder Kupferstichen umzubenennen – etwa "Graphische Sammlungen":

"Aber wir hier in Dresden sammeln eben schon auch Zeit 1898 bereits als erstes Museum Fotografie. Und von daher schließt 'Graphische Sammlung' eigentlich die Fotografie ein bisschen aus. 'Kupferstich-Kabinett' - so altertümlich es klingen mag - ist eben das, was es ist."

Auswahl aus Tausenden Werken auf Papier

Und das sind in Dresden Zeichnungen, Druckgrafiken und Fotografie - alles Arbeiten auf Papier. Das sei das Verbindende, so Buck.

"Es hat etwas sehr Leichtes. Und es hat etwas sehr Dynamisches in dem Moment, wo man unter diesen 500.000 Werken etwas sehen möchte. Sie sind gelagert und können dann im Studiensaal einfach vorgelegt werden. Das heißt, die Menschen können kommen, können sich etwas wünschen." Die Kombinationsmöglichkeiten seien dabei - auch hinsichtlich neuer Ausstellungen - unendlich vielfältig.

Kunst mit Clubathmosphäre

Weil Papier so geschützt werden müsse, besonders vor Licht, sei die Helligkeit in Ausstellungen meist gedimmt. Dies gebe darum immer eine ganz besondere Atmosphäre, "vielleicht der Achtsamkeit", sagt Buck – eine Art Clubathmosphäre für Kunst, die sie als "sehr aktuell" empfinde. Dazu gehöre auch, dass man sich dort begegnen und über die Arbeiten sprechen könne.

"Das ist eigentlich das, was das verbindet, und das ganz intim Direkte, das Offene, was Papier so in sich hat. Ein Alltagsgegenstand einerseits. Andererseits hat es etwas Sinnliches. All das ist Papier."

Offen und Vielfältig

Gerade die vielen Möglichkeiten, als Vorlage für Skizzen zu Gemälden, als Material für Druckgrafiken - etwa zur Reproduktion oder Repräsentation von sich selbst, "gerade jetzt in digitalen Zeiten, etwas, das man verbreitet, ein Bild von sich selbst oder von was auch immer" oder für Fotoabzüge, faszinierten sie an Papier, so Buck. "Diese Nahbarkeit und Offenheit für verschiedenste Herangehensweisen. Und das es nicht das Richtige oder Falsche gibt, sondern eben dieses Verschiedene."

Nicht zuletzt habe Papier auch eine sinnliche Komponente."Man denkt, diese Arbeiten sind flach, es gibt sogar den Begriff der 'Flachware', was natürlich überhaupt nicht der Fall ist. Das ist ein dreidimensionaler Körper, auch wenn er flach ist. Aber es gibt ja auch voluminöse und flache Körper. Von daher hat es wirklich etwas Körperhaftes."

(mle)

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