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Kompressor | Beitrag vom 19.09.2018

Kunstsammlungen ChemnitzKünstler Mario Pfeifer stellt unbequeme Fragen

Mario Pfeifer im Gespräch mit Gesa Ufer

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Filmstill aus Mario Pfeifer: Again (Mario Pfeifer, Again / Noch einmal, 2018, film still, Courtesy Mario Pfeifer & KOW © 2018 VG Bild-Kunst, Bonn)
Filmstill aus Mario Pfeiffers "Again": Die Ausstellung wird aus aktuellem Anlass vorgezogen. (Mario Pfeifer, Again / Noch einmal, 2018, film still, Courtesy Mario Pfeifer & KOW © 2018 VG Bild-Kunst, Bonn)

Vier Männer schlugen 2016 in Sachsen einen Geflüchteten und fesselten ihn an einen Baum. Die Täter wurden nicht belangt. Das warf bei Mario Pfeifer viele Fragen auf. Der Künstler antwortete mit einem Re-enactment - das bald in Chemnitz zu sehen ist.

Im Sommer 2016 schlugen vier Männer im sächsischen Arnsdorf einen kurdisch-irakischen Geflüchteten und fesselten ihn dann an einen Baum: Angeblich weil er die Kassiererin eines Supermarktes bedroht habe. 25 Minuten blieb der Mann gefesselt zurück, bis die Polizei ihn befreite. Die Täter wurden nicht belangt. Einerseits, offiziell wegen mangelndem öffentlichem Interesse. Andererseits, weil der potenzielle Kläger nach einem epileptischen Anfall verstorben war.

Der Künstler Mario Pfeifer hat den Fall in seinem filmischen Re-enactment "Again / Noch einmal" verarbeitet, das bald gemeinsam mit einer langen dokumentarischen Videoarbeit in den Kunstsammlungen Chemnitz zu sehen sein wird. Die Ausstellung findet aus aktuellem Anlass deutlich früher als eigentlich geplant statt.

Symbolhafter und besonderer Fall

Pfeifer sagt, für ihn sei der Fall so wichtig, weil er fast schon wieder vergessen, gleichzeitig aber auch sehr symbolhaft und besonders sei.

Der Fall stelle sehr, sehr viele Fragen, in Bezug auf die Zivilgesellschaft, auf die Justiz und vielleicht auch die Polizeiarbeit und die Arbeit mit Flüchtlingen: "Die Grundfrage, die mich beschäftigt hat: Ist es für eine Zivilgesellschaft in Ordnung, wenn ein Gericht sagt, dieser Prozess wird eingestellt, obwohl wir ein YouTube-Video haben, das zweieinhalb Minuten lang diesen Vorfall dokumentiert." 

Da stelle sich ja geradezu automatisch die Frage, ob es in Ordnung sei, einen Menschen an einem Parkplatz an einen Baum zu binden. Er finde das sehr problematisch und habe sich deshalb entschlossen, den Fall - so gut es gehe - zu rekonstruieren und auf die Leinwand zu bringen.

Neun Stunden Pegida-Umfeld

Das zweite Kunstwerk Pfeifers, das in den Kunstsammlungen Chemnitz zu sehen sein wird, ist eine dokumentarische Videoarbeit: Neun Menschen aus dem Pegida-Umfeld sprechen neun Stunden lang darüber, was sie bewegt. Pfeifer sagt, er habe sich als Künstler der Gesellschaft stellen wollen, wie sie sich eben artikuliert.

(mf)

Die Arbeiten von Mario Pfeifer sind ab Oktober in den Kunstsammlungen Chemnitz zu sehen.

Fazit

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