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Interview / Archiv | Beitrag vom 13.03.2015

Kunstmesse in Maastricht Einkaufsparadies für Dollar-Millionäre

Friederike Hauffe im Gespräch mit Nana Brink

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"The Mae West Lips Sofa" von Salvador Dali auf der Kunstmesse TELAF in Maastricht. (dpa / picture alliance / Marcel Van Hoorn)
"The Mae West Lips Sofa" von Salvador Dali auf der Kunstmesse TELAF in Maastricht. (dpa / picture alliance / Marcel Van Hoorn)

Zeitgenössische Kunst ist wieder ein interessantes Anlageobjekt, sagt die Berliner Kuratorin Friederike Hauffe. In Maastricht stehen ab heute auf der internationalen Kunst- und Antiquitätenmesse TEFAF zahlreiche Werke musealen Ranges zum Verkauf.

Die Berliner Kuratorin Friederike Hauffe zählt die heute beginnende internationale Kunst- und Antiquitätenmesse TEFAF wegen ihrer Qualität und Präsentation zu den schönsten. "7000 Jahre Kunstgeschichte werden da ausgestellt", sagte die Kunsthistorikerin im Deutschlandradio Kultur. Vom ägyptischen Sarg bis zu bedeutenden Werken zeitgenössischer Kunst reiche das große Angebot an angebotener Kunst. "Auf der TEFAF ist nur erste Ware zu sehen, also das sind Werke musealen Ranges, die meistens gar nicht mehr zu haben sind, die natürlich sehr, sehr hohe Preise aufrufen." 

Oligarchen und Dollar-Millionäre

Hauffe sagte, es gebe heute weltweit rund 32 Millionen Dollar-Millionäre. Schätzungen besagten, dass davon etwa 600.000 im mittleren und höheren Kunstmarkt sammelten. "Das ist natürlich ein ganz, ganz großes Potenzial", sagte die Kuratorin. Doch die meisten Verkäufe würden dennoch im Niedrigpreis-Segment erzielt. "Eine viel breitere Schicht interessiert sich eigentlich für Kunst." Auf der TEFAF kauften einige Oligarchen oder Dollar-Millionäre und das spiegele sich auch auf den Auktionsmärkten wider. Nachdem der Kunstmarkt während der Finanzkrise 2008 eingebrochen sei,  sei die Kunst mittlerweile als Anlageobjekt wiederentdeckt worden.


Das Interview im Wortlaut:

Nana Brink: Wenn es so etwas wie eine harte Währung gibt, dann sind es die Alten Meister. Krisen kommen und gehen, die Alten Meister bleiben. Und wer in einem der 375 Privatjets in Maastricht angereist ist, den interessieren Konjunkturzyklen bestimmt nicht. Der will auf der weltweit wichtigsten Messe für alte Kunst, der TEFAF, das ist übersetzt „The European Fine Art Fair", nicht die schnelle Rendite, sondern eine sichere Anlage, frei nach der Devise, fällt man nicht auf eine Fälschung rein, kann man eigentlich nichts falsch machen, zum Beispiel mit der "Mühle von Alphons" von van Gogh, einem Aquarell für zehn Millionen Dollar. Das Bilderkaufhaus der Superreichen im Blick hat die Kunsthistorikerin und Kuratorin  Friederike Hauffe. Sie beobachtet den Kunstmarkt seit Jahren und bietet Weiterbildung an für Galeristen und Kuratoren im Bereich Marketing. Guten Morgen, Frau Hauffe!

Friederike Hauffe: Schönen guten Morgen, Frau Brink!

Brink: Noch nie wurde ja auf dem Kunstmarkt in der ganzen Welt so viel Geld umgesetzt wie letztes Jahr, nämlich 51 Milliarden Euro. Warum ist Kunst so gefragt?

Hauffe: Man muss betrachten, welche Kunst ist so gefragt, und welche Kunst erzielt diese Preise. Es sind teilweise die roten Bilder, die abstrakten Bilder, die in Millionenhöhe gehandelt werden, vor allem heute zeitgenössische Kunst auch. Die TEFAF hat ja ein viel größeres Spektrum – da können Sie einen ägyptischen Sarg kaufen, 7.000 Jahre Kunstgeschichte werden da ausgestellt. Aber die Messe hat auch seit 1991 eine Abteilung für moderne und zeitgenössische Kunst. Schon da spiegelt sich eigentlich der Kunstmarkt wider mit diesem Interesse für die Moderne, eigentlich. Und auf der TEFAF ist nur erste Ware zu sehen, also das sind Werke musealen Ranges, muss man sagen, die meistens ja gar nicht mehr zu haben sind, die natürlich sehr, sehr hohe Preise aufrufen.

Wer sind die Käufer?

Brink: Und wenn wir jetzt mal einen Blick darauf werfen – ich hab mir das mal im Plan angesehen im Internet, welche Galeristen da ausstellen. Da kann man lustwandeln durch die Ausstellungen und sich überlegen, was man gern über dem Esstisch hätte, mit Preisschild. Wer kauft dort Kunst, also so  was wie zum Beispiel diesen Van Gogh, von dem ich erzählte – zehn Millionen Dollar.

Hauffe: Ja. Man muss sich klar machen heute, dass wir 32 Millionen Dollarmillionäre haben. Und davon wird geschätzt von der Credit Suisse, dass etwa 600.000 von diesen Dollarmillionären so im mittleren und High-Level-Kunstmarkt sammeln. Und das ist natürlich ein ganz, ganz großes Potenzial. Aber im Prinzip ist es eben ein Prozent der Weltbevölkerung, die diese 50 Prozent der globalen Vermögenswerte eigentlich halten. Und die wirklichen Umsätze oder, sagen wir mal, die quantitativ meisten Verkäufe werden eigentlich im Niedrigpreissegment gemacht. Also, eine viel breitere Schicht interessiert sich eigentlich für Kunst, und auf der TEFAF kaufen halt einige Oligarchen, sage ich jetzt mal, und Dollarmillionäre, wie gesagt. Und das spiegelt sich etwa auch in den Auktionsmärkten wieder. Das ist vergleichbar mit der TEFAF eigentlich. Wenn Sie diese Zahl, die Sie aufgerufen haben mit den 51 Millionen, sind ja sozusagen die gesamten Umsätze der Auktionen, die da zusammengezählt werden. Die Auktionen sind transparent, während der andere Markt eigentlich nicht transparent ist. Meistens finden Sie keine Preisschilder, das wird sehr viel diskreter gehandelt. Und dieses ist sozusagen nicht so durchsichtig.

Brink: Da würde ich gern noch einmal einhaken, weil das macht mich neugierig – wie laufen denn solche Geschäfte? Wie geht so was ab? Also, jemand interessiert sich für ein teures Gemälde – wie geht das?

Hauffe: Die meisten Galerien kennen schon ihre Kunden, sie erwarten sie dann auch. Manche kommen auch gar nicht, und es passiert per Internet mittlerweile. Also, bei sicheren Sachen können Sie das auch so machen. Aber natürlich ist die TEFAF selber jetzt eine der, eigentlich die schönste Messe, die es überhaupt gibt, von der Qualität her und auch von der Präsentation her.

Brink: Hat sich denn die Klientel verändert? Sie haben es ja erwähnt, dass ist ja hauptsächlich auch moderne Kunst, was eigentlich noch viel mehr – also im unteren Segment, was also die Masse des Umsatzes ausmacht.

Hauffe: Nein, es ist auch im höheren Segment, macht es den größten Teil des Umsatzes aus mittlerweile, also gar nicht unbedingt die alten Meister, sondern es sind die Warhols und die Rothkos, die sozusagen als Investment genommen werden. Seit 2008, als wir die Finanzkrise hatten, sind die Kunstverkäufe eigentlich erst eingebrochen. Mittlerweile hat man die Kunst aber quasi als Anlageobjekt auch entdeckt. Es gibt solche sicheren Werte wie von solchen Künstlern, die ich gerade genannt hatte, die sozusagen schon durch die Kunstgeschichte gehandelt wurden.

Gesicherte Ware

Brink: Also kann man sagen, die fallen im Wert nicht, könnte man das so –

Hauffe: Das könnte man sagen, dass sie im Wert nicht fallen, sondern im Prinzip eigentlich nur noch höher gehandelt werden, jetzt im Moment jedenfalls. Also man hätte zum Beispiel für einen Gerhard Richter, der in der Galerie Parnasse ausgestellt ist, 1964 vielleicht noch so 1500 bis 2000 D-Mark damals bezahlt. Der ging dann in den 90er-Jahren ungefähr für 300.000, also dasselbe Gemälde für 300.000 Pfund über den Auktionstisch, und dann 2010, also 15 Jahre später, hat ein solches Werk dann schon die Vier-Millionen-Grenze überschritten. Und das nimmt ja auch bei Gerhard Richter zum Beispiel kein Ende. Also, wenn man hätte investieren wollen damals, als er noch jung war, hätte man das in den 60er- und 70er-Jahren tun sollen, auch in den 90ern lohnte es sich noch. Heute werden die, sagen wir mal, bestimmte Künstler nur, es ist ein ganz kleines Segment nur von Künstlern, die sozusagen als gesicherte Werte gehandelt werden, dazu die Genannten eben.

Brink: Die Kunsthistorikerin und Kuratorin Friederike Hauffe. Danke für Ihre Einschätzungen, Ihre Analyse des Kunstmarktes. Und die TEFAF, die „European Fine Art" in Maastricht, hat ihre Pforten geöffnet.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio Kultur macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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