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Fazit / Archiv | Beitrag vom 20.03.2020

Kunstmarkt und Corona-Krise"Das wesentliche Moment unserer Arbeit fällt weg"

Werner Tammen im Gespräch mit Britta Bürger

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Vor der Maastrichter Kunstmesse Tefaf steht ein Aufsteller mit Desinfektionsmittel für die Hände. (picture alliance/ANP/Marcel Van Horn)
Alles anders: Die Maastrichter Messe Tefaf wurde zunächst mit Hygieneauflagen eröffnet und dann vorzeitig beendet. (picture alliance/ANP/Marcel Van Horn)

Der Berliner Kunstmarkt ist schon länger gebeutelt. Jetzt legt Corona das Kunstgeschäft in der Hauptstadt lahm. Galerist Werner Tammen sieht enorme Auswirkungen voraus – auch für den internationalen Kunstmarkt.

Erst Ende vergangenen Jahres wurde das Ende der Kunstmesse 'Art Berlin' bekannt gegeben. Nun sind infolge der Corona-Krise sämtliche Galerien geschlossen. Das alljährliche Gallery Weekend im Mai ist auf Herbst verschoben.

Der Galerist Werner Tammen ist Vorsitzender des Landesverbandes der Berliner Galerien und vertritt damit 70 Galerien der Hauptstadt. In einem Brief an seine Mitglieder sagt er: "Wir stehen bereit und sammeln Informationen über Hilfsmöglichkeiten." Wenn ein finanzieller Schutzschirm nicht auch über den Galeristen aufgemacht wird, so sagt er, rechne er in den nächsten zwei, drei Monaten mit Insolvenzen.

Verlust der Plattformen

Der Großteil des rund 300 Galerien umfassenden Berliner Galerienmarktes ist Tammen zufolge ein kleiner, mittelständischer Markt und hat kein finanzielles Polster. Dass das Gallery Weekend und die Paper Positions nun erst einmal nicht stattfinden, sei insofern schwierig, als dass die Galeristen auf solchen Messen einen Großteil ihres Umsatzes erzielten. "Aber auch das tägliche Geschäft und die Möglichkeit, das Original dem Interessenten nahezubringen, das wesentliche Moment unserer Arbeit, fällt weg", erklärt Tammen. 

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Diese Entwicklungen seien aber internationale Entwicklungen. Nach der Absage der Art Cologne und dem vorzeitigen Abbruch der Kunstmesse Tefaf (The European Fine Art Fair, Maastricht) geht Tammens davon aus, dass auch die Art Basel nicht öffnen wird. "Auch wenn der Sammlermarkt in der Regel treu ist, braucht er diese Plattformen. Das wird also enorme Auswirkungen haben."

Die Chance des Internets

Der Verband hat laut Tammen inzwischen eine sehr gut besuchte Online-Plattform. Die werde man noch mit Facebook und Instagram ausweiten, um es den Kollegen zu ermöglichen, ihre Arbeit intensiver zu bewerben. "Ich gehe davon aus, dass so auch mehr Phantasie in diesen Markt kommt", sagt der Galerist. Er denkt an Angebote wie filmische Kurzporträts oder Interviews mit den Künstlern.

Blick voraus

Perspektivisch müsse man sich auch Gedanken machen, was im Herbst, dann hoffentlich nach der Krise, passiert, sagt Tammen. "Wir brauchen Ankauf-Etats für die Museen, dass in den Galerien eingekauft werden kann. Wir brauchen ein internationales Messe-Förderprogramm." In anderen Ländern würden Kollegen schon seit Jahrzehnten staatlich gefördert.

Deutsche Galerien seien außerdem mit Kosten wie denen für die Künstlersozialkasse benachteiligt. Daran müsse sich dringend etwas ändern und ein angemessenes Programm aufgelegt werden. "Ein sehr guter Schritt", so Tammen, wäre eine Abschaffung der Mehrwertsteuererhöhung. "Wenn Frau Grütters das einlösen würde – denn das steht im Koalitionsvertrag."

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