Seit 01:05 Uhr Tonart

Dienstag, 26.05.2020
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Fazit | Beitrag vom 20.04.2020

Kunstmarkt in CoronazeitenGaleristen fordern Unterstützung durch Kunstankäufe

Rupert Pfab im Gespräch mit Gabi Wuttke

Beitrag hören Podcast abonnieren
Drei Bilder - links, geradeaus und rechts - des Malers Andreas Gursky in einer Retrospektive in der Hayward Gallery in London 2018. (imago stock&people)
Berühmte Künstler wie Andreas Gursky hätten ihren Durchbruch nicht ohne die Hilfe der Galerien geschafft, meint der Galerist Rupert Pfab. (imago stock&people)

Mit einem Brandbrief haben sich zwei Düsseldorfer Galeristen an die Landesregierung von NRW gewandt. Auch sie bräuchten wegen der Coronakrise finanzielle Unterstützung. Diese käme auch den Künstlern zugute und sei kein Almosen.

Die Lage sei wirklich ernst, erklärt Rupert Pfab, der in Düsseldorf eine Galerie betreibt und gemeinsam mit seiner Kollegin Daniela Steinfeld den "Brandbrief" an die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen geschrieben hat.

"Die Umsätze brechen gänzlich ein. Unsere Kunden sind ja oft auch Unternehmen, Ärzte und Menschen, die selbst betroffen sind. Die können im Augenblick keine Kunst kaufen und wahrscheinlich auch in absehbarer Zeit nicht."

Wichtige Säule im Kunstbetrieb

Mit dem Brief wollen sie NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) darauf aufmerksam machen, dass die Galerien "eine der vier wichtigen Säulen im Kunstbetrieb" seien, so Pfab.

"Die anderen drei Säulen sind die Sammler, die Museen und die Künstler. Und wir sind sozusagen ein Bindeglied zwischen diesen anderen drei Säulen." Daher müsse man die Galerien unterstützen, um auch den Künstlern zu helfen.

Der Galerist Rupert Pfab am Mikrofon in einem Studio von Deutschlandfunk Kultur. ((Deutschlandfunk Kultur / Jana Münkel))Der Düsseldorfer Galerist Rupert Pfab will, dass das Land NRW mehr Geld für den Kauf von Kunst aus Galerien zur Verfügung stellt, weil in der Coronakrise die Käufer wegbleiben. ((Deutschlandfunk Kultur / Jana Münkel))

Dabei ginge es nicht darum, einen "Geldsegen" zu erhalten. Vielmehr würde es einen Gegenwert geben, nämlich die gekauften Kunstwerke:

"Wir wollen ja keinen Almosen, wir wollen ja keine Spende. Wir wollen ja lediglich, dass die Ankaufsetats in den Museen und vom Land NRW mit seinen zwei großen Stellvertretern, nämlich der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf und dem Kunsthaus Kornelimünster in Aachen, dass die gut ausgestattet werden."

Im Raum Köln/Düsseldorf, so Pfab, gäbe es rund 70 mittelgroße bis größere Galerien und für die wäre ein zweistelliger Millionenbetrag von Nöten. Das sei nicht übertrieben, wenn man bedenke, wieviel Geld andere Industrien zur Unterstützung bekämen und welchen Summen jährlich in die Ausbildung von Künstlern. Und: "Wo sollen die denn nach dem Studium hin, wenn es keine Galerien mehr gibt?"

Ohne Galerien keine großen Künstler

Auch wenn sich der Brandbrief zunächst nur an die Landesregierung von NRW wendet, kann sich Pfab auch eine Ausweitung der Forderung auf ganz Deutschland vorstellen. Denn "wir sind so stolz in diesem Land auf unsere großartigen Künstler Gerhard Richter, Joseph Beuys, Andreas Gursky und wie sie alle heißen. Ohne Galerien gäbe es die aber gar nicht und ohne eine breite Kunstszzene wären die nie daraus gewachsen."

(kpa)

Mehr zum Thema

Coronavirus - Viele Kunstschaffende haben Existenzängste
(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 17.04.2020)

Galerie als Game-Parcours - Mit Kunst-Apps neue Zielgruppen erschließen
(Deutschlandfunk Kultur, Kompressor, 08.04.2020)

Kunstmarkt und Corona-Krise - "Das wesentliche Moment unserer Arbeit fällt weg"
(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 20.03.2020)

Kulturpresseschau

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 25Zurück aus dem Netz: Theater unter Corona-Auflagen
Stadion der Weltjugend (Schauspiel Stuttgart / Conny Mirbach)

In einigen Bundesländern dürfen die Theater wieder öffnen – unter strengsten Auflagen. Wie kann das aussehen: Live-Theater unter Corona-Bedingungen? Darüber sprechen wir mit der Theaterkritikerin Cornelia Fiedler und dem Schauspieler Martin Wuttke.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur