Seit 18:00 Uhr Nachrichten
Mittwoch, 14.04.2021
 
Seit 18:00 Uhr Nachrichten

Fazit / Archiv | Beitrag vom 19.04.2018

Kunstinstallation am Hessischen StaatstheaterGerhard Schröder als Geisel

Uwe Laufenberg im Gespräch mit Moderatorin Sigrid Brinkmann

Podcast abonnieren
Brief an Putin: Gerhard Schröder im Tausch gegen Kirill Serebrennikow (DeDaProductions Hessisches Staatstheater Wiesbaden)
Brief an Putin: Gerhard Schröder im Tausch gegen Kirill Serebrennikow (DeDaProductions Hessisches Staatstheater Wiesbaden)

Der russische Regisseur Kirill Serebrennikow bleibt weiter unter Hausarrest und kann nicht an den Internationalen Maifestspielen in Wiesbaden teilnehmen. Intendant Uwe Laufenberg ist bereit, Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder gegen seinen Kollegen einzutauschen.

Zu den diesjährigen Internationalen Maifestspielen in Wiesbaden ist auch der russische Regisseur Kirill Serebrennikow mit seiner Inszenierung "Who Is Happy In Russia?" eingeladen. Doch Serebrennikow steht in Moskau weiterhin unter Hausarrest. Seit bald einem Jahr darf er seine Wohnung nicht verlassen. Die Anklage wirft dem regierungskritischen Regisseur vor, öffentliche Gelder veruntreut zu haben.

Uwe Laufenberg, Intendant des Hessischen Staatstheaters, hoffte bis zuletzt "wenn Herr Putin jetzt seine Wahl gewinnt, dass diese blödsinnigen und furchtbaren Anwürfe gegen Serebrennikow vielleicht auch aufgelöst werden. Man kennt das ja aus diesen Systemen, dass wenn ein politisches Ziel erreicht ist, dass sich dann auch wieder was tut. Und das war dieses Mal leider immer noch nicht der Fall."

Ein heuchlerisches, korruptes Spiel

Es sei eine schizophrene Situation, sagt Uwe Laufenberg. Alle bisherigen Verhandlungen über das Gastspiel in Wiesbaden seien völlig problemlos verlaufen. Es werde so getan, als ob ein "krimineller Akt" vor Gericht verhandelt und die Kunst nicht zensiert werde, aber das sei ein Scheingefecht.

"Also die Kunst wird zugelassen, das Theater spielt, das Theater kann auch nach Deutschland reisen, aber Serebrennikow wird festgesetzt, mürbe gemacht, tot gemacht und das ist ein furchtbares, heuchlerisches, korruptes Spiel."

In der Werkstatt des Hessischen Staatstheaters wurde eine Puppe von Ex-Kanzler Gerhard Schröder angefertigt, welche im Rahmen einer Kunstinstallation ausgestellt wurde. Überschrieben wurde die Aktion auf deutsch und russisch mit einem Angebot an Präsident Putin. Er könne Schröder als symbolische Geisel bekommen, doch dafür soll Serebrennikow zu seiner Inszenierung nach Wiesbaden reisen dürfen.

Theater schreibt symbolischen Brief an Putin

Lieber Wladimir Putin,

wir bieten Ihnen unseren Ex-Kanzler Gerhard Schröder, einst ein lupenreiner Demokrat, als symbolische Geisel zum Austausch gegen alle politischen Gefangenen, Journalisten und Künstler in russischen Gefängnissen an.

Natürlich ist das zu gefährlich für Sie, denn Sie müssten um Ihre Macht fürchten. Deshalb bieten wir Ihnen unsere Geisel für Kirill Serebrennikov an. Lassen Sie diesen großartigen Regisseur am 3. und 4. Mai 2018 zum Gastspiel seiner Inszenierung "Who is Happy in Russia?" nach Wiesbaden reisen!

Für Sie, lieber Präsident, zu 100% ungefährlich!

Ihre Internationalen Maifestspiele Wiesbaden

Mehr zum Thema

Putins Provokationen - "Strategisch sehr unintelligent"
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 27.03.2018)

Ex-Kanzler wird Aufsichtsratschef von Rosneft - Gerhard Schröder als Putins Trophäe
(Deutschlandfunk Kultur, Kommentar, 29.09.2017)

Nach der Festnahme von Kirill Serebrennikow - In den Fängen der Staatsmacht
(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 22.08.2017)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Kulturpresseschau

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 34Auf der Bühne mit Behinderung: Theater und Inklusion
Lucy Wilke & Paweł Duduś in dem Stück „Scores that shaped our friendship”. (Theresa Scheitzenhammer)

Die Nominierung der Schauspielerin Lucy Wilke zum diesjährigen Theatertreffen macht die Fragen nach der Vereinbarkeit von Theaterarbeit und Behinderung wieder aktuell: Was fehlt zur ganzheitlichen Barrierefreiheit? Mit Lucy Wilke suchen wir nach konkreten Handlungsansätzen.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur