Seit 11:05 Uhr Tonart

Donnerstag, 17.10.2019
 
Seit 11:05 Uhr Tonart

Fazit / Archiv | Beitrag vom 19.04.2018

Kunstinstallation am Hessischen StaatstheaterGerhard Schröder als Geisel

Uwe Laufenberg im Gespräch mit Moderatorin Sigrid Brinkmann

Podcast abonnieren
Brief an Putin: Gerhard Schröder im Tausch gegen Kirill Serebrennikow (DeDaProductions Hessisches Staatstheater Wiesbaden)
Brief an Putin: Gerhard Schröder im Tausch gegen Kirill Serebrennikow (DeDaProductions Hessisches Staatstheater Wiesbaden)

Der russische Regisseur Kirill Serebrennikow bleibt weiter unter Hausarrest und kann nicht an den Internationalen Maifestspielen in Wiesbaden teilnehmen. Intendant Uwe Laufenberg ist bereit, Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder gegen seinen Kollegen einzutauschen.

Zu den diesjährigen Internationalen Maifestspielen in Wiesbaden ist auch der russische Regisseur Kirill Serebrennikow mit seiner Inszenierung "Who Is Happy In Russia?" eingeladen. Doch Serebrennikow steht in Moskau weiterhin unter Hausarrest. Seit bald einem Jahr darf er seine Wohnung nicht verlassen. Die Anklage wirft dem regierungskritischen Regisseur vor, öffentliche Gelder veruntreut zu haben.

Uwe Laufenberg, Intendant des Hessischen Staatstheaters, hoffte bis zuletzt "wenn Herr Putin jetzt seine Wahl gewinnt, dass diese blödsinnigen und furchtbaren Anwürfe gegen Serebrennikow vielleicht auch aufgelöst werden. Man kennt das ja aus diesen Systemen, dass wenn ein politisches Ziel erreicht ist, dass sich dann auch wieder was tut. Und das war dieses Mal leider immer noch nicht der Fall."

Ein heuchlerisches, korruptes Spiel

Es sei eine schizophrene Situation, sagt Uwe Laufenberg. Alle bisherigen Verhandlungen über das Gastspiel in Wiesbaden seien völlig problemlos verlaufen. Es werde so getan, als ob ein "krimineller Akt" vor Gericht verhandelt und die Kunst nicht zensiert werde, aber das sei ein Scheingefecht.

"Also die Kunst wird zugelassen, das Theater spielt, das Theater kann auch nach Deutschland reisen, aber Serebrennikow wird festgesetzt, mürbe gemacht, tot gemacht und das ist ein furchtbares, heuchlerisches, korruptes Spiel."

In der Werkstatt des Hessischen Staatstheaters wurde eine Puppe von Ex-Kanzler Gerhard Schröder angefertigt, welche im Rahmen einer Kunstinstallation ausgestellt wurde. Überschrieben wurde die Aktion auf deutsch und russisch mit einem Angebot an Präsident Putin. Er könne Schröder als symbolische Geisel bekommen, doch dafür soll Serebrennikow zu seiner Inszenierung nach Wiesbaden reisen dürfen.

Theater schreibt symbolischen Brief an Putin

Lieber Wladimir Putin,

wir bieten Ihnen unseren Ex-Kanzler Gerhard Schröder, einst ein lupenreiner Demokrat, als symbolische Geisel zum Austausch gegen alle politischen Gefangenen, Journalisten und Künstler in russischen Gefängnissen an.

Natürlich ist das zu gefährlich für Sie, denn Sie müssten um Ihre Macht fürchten. Deshalb bieten wir Ihnen unsere Geisel für Kirill Serebrennikov an. Lassen Sie diesen großartigen Regisseur am 3. und 4. Mai 2018 zum Gastspiel seiner Inszenierung "Who is Happy in Russia?" nach Wiesbaden reisen!

Für Sie, lieber Präsident, zu 100% ungefährlich!

Ihre Internationalen Maifestspiele Wiesbaden

Mehr zum Thema

Putins Provokationen - "Strategisch sehr unintelligent"
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 27.03.2018)

Ex-Kanzler wird Aufsichtsratschef von Rosneft - Gerhard Schröder als Putins Trophäe
(Deutschlandfunk Kultur, Kommentar, 29.09.2017)

Nach der Festnahme von Kirill Serebrennikow - In den Fängen der Staatsmacht
(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 22.08.2017)

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsAbschied vom Buch aus Papier
Ein stilisiertes Bücherregal steht als Bühnenbild während einer Probe in der Oper Leipzig auf der Bühne. | Verwendung weltweit (dpa-Zentralbild)

Nur der Inhalt von Büchern zähle, schreibt der Schriftsteller Malte Herwig in der "NZZ" und bekennt, dass seine Bibliothek nur noch digital ist. In der "Zeit" beschwört Rockveteran Neil Young dagegen das verlorengegangene Analogzeitalter.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 17Wirtschaftswunder, Winnetou und Wurst?
Olaf Hoerbe als Intschu-tschuna spielt während der Hauptprobe von "Winnetou " auf der Felsenbühne in Rathen, Sachsen. (dpa /  Matthias Rietschel)

Wie reagieren Theater auf veränderte gesellschaftliche Bedingungen in Zeiten des erstarkenden Rechtspopulismus? In einer Umfrage haben 32 Theaterleiter in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen darauf geantwortet.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur