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Kompressor | Beitrag vom 05.08.2014

KunstbewegungDada zerschmettert das Alte

Serie - Die Kunst des Krieges (3/5)

Von Anette Schneider

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Der wohl bekannteste und schärfste Satiriker der 20er-Jahre, der Maler und Grafiker George Grosz, an der Staffelei. Er war einer der Gründer der Berliner Dada-Gruppe. (picture alliance / dpa / Röhnert)
Der wohl bekannteste und schärfste Satiriker der 20er-Jahre, der Maler und Grafiker George Grosz. Er war einer der Gründer der Berliner Dada-Gruppe. (picture alliance / dpa / Röhnert)

Einige Künstler verloren während des Ersten Weltkrieges schnell den Glauben an die geltenden bürgerlichen Werte. Die Dada-Bewegung zog her über Militarismus und Propaganda - und stellte die gesamte bisherige Kunst infrage.

Zürich 1916. Im Cabaret Voltaire treten auf: die rumänischen Künstler Tristan Tzara und Marcel Janko, sowie der deutsche Künstler Richard Huelsenbeck. Alle sind gehüllt in orientalische Gewänder.

Das Publikum johlt, pfeift und buht. Es erlebt die lustvolle Zertrümmerung aller bis dahin geltenden bürgerlichen Kunstvorstellungen. Es erlebt die Geburtsstunde von Dada.

Zitat: "Dada war schon da bevor Dada da war."

Die Geburtsstunde von Dada...

Zitat:

"Dada ist die Sonne,

Dada ist das Ei,

Dada ist die Polizei der Polizei."

Seit 1914 flohen viele junge Künstler vor dem Krieg in die Schweiz. Entsetzt sahen sie von dort aus auf das Menschenschlachthaus.

Raoul Hausmann: "Der Dadaismus ist die verkörperte Feindschaft gegen den Bürger!"

Die bürgerlichen Werte zertrümmern

Der Krieg zertrümmert das Leben. Die Dadaisten zertrümmern die bürgerlichen Werte, die den Krieg mit hervorbrachten.Sie ziehen her über Militarismus und Propaganda...
 
George Grosz: "So war ich zum Beispiel der Propagandada..."

Dada wird zu einer radikalen Absage gegen den Krieg, und alle, die ihn Befürworten.

George Grosz: "So war ich zum Beispiel der Propagandada. Ich hatte mir eine Karte machen lassen ´George E. Grosz`, mein Mittelname ist Ehrenfried, da habe ich mir ene Karte machen lassen ´Propagandada`, dann drehte man die Karte um: ´Wie denke ich morgen`. Dann haben wir kleine Schilder machen lassen: ´Dada sieht!`, ´Dada kommt`, ´Dada über alles!`."

Wie ein Lauffeuer verbreitet sich Dada: Paris, New York, Köln, Hannover, Berlin. Zeitweilig gehören Marcel Duchamp, André Breton, Kurt Schwitters dazu. In Berlin: Raoul Hausmann, Hannah Höch, George Grosz und - John Heartfield:

John Heartfield: "Damals wurden wir Dadaisten. Natürlich war das eine nihilistische Haltung. Sie konnte noch gar nicht anders sein, denn zum großen Teil stammten wir aus dem Bürgertum, und hatten nicht die Verbindung zu der Arbeiterschaft, die wir hätten haben müssen. Vorerst setzten wir uns heftig vor allem mit unseren Künstlerfreunden auseinander. "

Besonders enge "Künstlerfreunde" waren die Expressionisten.

Zitat: "Jene Trottel, die als geistige Arbeiter dem Kapitalismus hinten hineinkriechen und sich daraufhin für notwendig und für Repräsentanten der Kultur halten, freut es uns, durch unsere Unverständlichkeit in ihre kläglichen Bestandteile zersetzen zu können!"

 Raoul Hausmann. Dadaistische Abrechnung. 1919.

John Heartfield: "Wir wollten mehr. Wir wollten auch die Zustände auf der Erde dargestellt wissen. Auch in unseren Gedichten... Denn die Dadaisten wehrten sich heftig gegen die Barbarei, in die Deutschland durch den Krieg gestürzt war und gehalten wurde."

Papier-Collagen, Sprach-Collagen, Lautgedichte

Dada propagiert "Anti-Kunst", den Protest an sich. Dada schockiert, provoziert, ist ironisch, destruktiv, anarchisch. Dada zerschmettert das Alte, lässt die Fetzen fliegen, und gestaltet aus ihnen Neues: Papier-Collagen, Sprach-Collagen, Lautgedichte. Und Dada präsentiert dem geschockten bürgerlichen Publikum Urinale und Fahrradfelgen als Kunst. – Oder nicht-Kunst? 

Zitat: "Jasagen – Neinsagen: das gewaltige Hokuspokus des Daseins beschwingt die Nerven des echten Dadaisten - so liegt er, so jagt er, so radelt er - halb Pantagruel, halb Franziskus und lacht und lacht."

Richard Huelsenbeck. dadaistisches manifest. 1917.

Unterzeichnet von Tristan Tzara, Raoul Hausmann, George Grosz...

Zitat: "Gegen dies Manifest sein, heißt Dadaist sein!"

Anfang der 20er Jahre verpufft die kleinbürgerliche Rebellion der „Anti-Künstler“.

Zitat: "Dada war schon da bevor Dada da war."

Dada löst sich auf.

Bei etlichen Künstlern folgt auf die Jahre der Zertrümmerung die Zeit politischer Erkenntnis und Perspektive: November- und Oktoberrevolution, starke kommunistische Parteien in fast allen europäischen Ländern bringen - wie etwa bei George Grosz und John Heartfield - eine neue gesellschaftskritische, parteiliche, und politisch eingreifende Kunst hervor.

Zitat: "Dada war schon da bevor /// reißt ab"

Mehr zum Thema:

Die Kunst des Krieges (1/5) - Die Stunde der Angriffslustigen (Deutschlandradio Kultur, Kompressor, 01.08.2014)

Die Kunst des Krieges (2/5) - Erst belächelt, dann bewundert (Deutschlandradio Kultur, Kompressor, 04.08.2014)

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