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Kompressor | Beitrag vom 20.10.2016

Kunstaktion in EisenachIm Bett mit Martin Luther

Von Henry Bernhard

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 Martin Luther-Statue in dem vom japanischen Künstler gebauten Haus in Eisenach (picture alliance/dpa/Arifoto Ug)
Martin Luther-Statue in dem von dem japanischen Künstler Tatzu Nishi gebauten Haus in Eisenach. (picture alliance/dpa/Arifoto Ug)

Der japanische Künstler Tatzu Nishi hat um die Luther-Statue in Eisenach ein Haus gebaut. Martin Luther steht dort jetzt im Schlafzimmer und sieht aus, als ob er jeden Augenblick eine flammende Predigt halten will. Nicht alle Eisenacher sind davon angetan.

Eisenach, der Karlsplatz, hier steht eigentlich das Luther-Denkmal. Das Denkmal ist nicht mehr da. Umgeben ist es von einem Baugerüst und Treppen, die hoch und auch wieder runter führen. Oben drauf auf diesem Baugerüst steht ein schweinchenrosa-farbenes Haus. Es hängt auch ein Briefkasten dran, der ist allerdings nicht beschriftet, eine Klingel ist da. Mal gucken, ob jemand hört… Doch! Es klingelt, es klingelt!

Man tritt hinein – ein Teppich, ein Fußbodenbelag. Und hier drin ist ein Bett, ein Doppelbett mit geblümtem Bezug. Und mittendrin steht Luther. Er liegt nicht etwa im Bett, sondern er steht im Bett, mit der zugeschlagenen Bibel in der Hand. Es gibt hier noch einen Sessel, ein paar Stühle – und er hat ein paar Bücher stehen! Die Bibel natürlich, ein Buch "Luther, der Ketzer". Es ist ein unablässiger Strom von Menschen, die sich das Ganze anschauen, und die Meinungen gehen durchaus durcheinander.

Schweinchenrosa leuchtet das Häuschen, das der japanische Künstler Tatzu Nishi um die Luther-Statue in Eisenach herum gebaut hat. Das Haus ist frei begehbar. (picture alliance/dpa/Arifoto Ug)Schweinchenrosa leuchtet das Häuschen, das der japanische Künstler Tatzu Nishi um die Luther-Statue in Eisenach herum gebaut hat. Das Haus ist frei begehbar. (picture alliance/dpa/Arifoto Ug)

Die Grundhaltung:

"Ist mal was anderes, ja."

"Ach, warum nicht? Ist mal was anderes!"

"Aber es war mal eine Idee gewesen, ne!"

"Ich finde das nicht schlecht, muss ich ganz ehrlich sagen! Aber so ganz begeistert bin ich nicht."

"Wir haben den Mozart schon gesehen mit Einkaufskörben…"

"Ich bin nicht von hier und habe den Tipp bekommen von jemand, der von hier ist. Und finde es total gut: Eine Statue mal anders, sich zu nähern, mal eine andere Perspektive, die man sonst nie hat!"

"Man kann ihm mal in die Augen gucken, was man sonst von unten nie so gesehen hat."

Natürlich kommen viele Touristen her, aber auch bei Eisenachern ist der Luther im Bett sehr populär – nicht immer aber wird er mit Wohlwollen besucht.

"Wenig Positives. Gut, hat ein Haufen Geld gekostet – wo ist der Sinn? Die Idee ist gar nicht so übel. Aber ob es unbedingt sein mußte?"

"Es wurden viel mehr Steuergelder für was anderes verbraucht. Und das ist Kunst, und das ist OK!"

Schlecht verklebte Tapete hinter Luthers Rücken

Die Auseinandersetzung aber wird gleich hier neben Luthers Bett geführt. Mal geht es um die schlecht verklebte Tapete hinter Luthers Rücken, mal um Theologie, mal um Statik.

"Ja, hier steht er und kann nicht anders…"

"Hier stehe ich und kann nicht anders! Gotte helfe mir!", hat er gesagt, jawohl! Ich denke mal, wenn er sich jetzt legen würde, das hielt der Belastung wahrscheinlich nicht ganz stand!"

Auf jeden Fall aber reden die Eisenacher über "ihren" Luther – wohl mehr als je zuvor. Und mancher geht ganz erstaunt.

"Das hätte ich mir auch nicht träumen lassen, mal mit dem im Schlafzimmer zu sein!"

Und am Ende duzt man sich sogar.

"So, mein lieber Martin, jetzt mache ich mich wieder ab. Tschüß!"

Hören Sie zu dem Thema auch das Interview mit dem Blogger Achim Landwehr: "Mit Luther im Bett", Kunst und Gedächtnis


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