Kunst als Kapitalanlage

Von Silke Lahmann-Lammert |
In den vergangenen Jahren sind die Preise auf dem Kunstmarkt förmlich explodiert. Von diesem Trend wollen nun auch Investmenthäuser profitieren. Die Art Estate AG in Hamburg bietet Investoren Anteile an Werken internationaler Künstler an und rechnet mit einer satten Rendite.
Die Art Estate AG residiert in einer schick-sanierten Fabriketage im Hamburger Stadtteil Bahrenfeld. Kameras verfolgen jeden Schritt, wenn Geschäftsführer Johannes Heinzmann seine Kunden ins Allerheiligste lenkt:

"Wir haben hier die Möglichkeit, 25 Werke von 10 Künstlern – fünf deutsche, fünf US-Amerikaner – direkt in Augenschein zu nehmen."

Heinzmann führt von Bild zu Bild: Wesselman, Wahrhol, Rosenquist, Richter, Polke, Baselitz. Er hat die Tour schon öfter gemacht und preist im Plauderton Qualität und Marktwert der Arbeiten. 5,5 Millionen Euro hat die Investmentfirma sich den Ankauf der Werke kosten lassen. Sie bilden das Fundament des ersten geschlossenen Kunstfonds in Deutschland. Wer Anteile erwerben will, braucht keine Kenntnisse über Künstler und Epochen, sondern flüssiges Vermögen. Mindesteinlage: 2500 Euro.

"Das ist durchaus vergleichbar mit anderen Kapitalanlageformen. Nehmen Sie zum Beispiel einen Schiffsfond. Sie werden auch nicht Kapitän, indem sie einen Schiffsfond zeichnen. Und so wird keiner Sammler dadurch, dass er für einen Kunstfonds zeichnet. Sie erwerben kein Kunstwerk, sondern eine Kapitalanlage."

Folgerichtig fördert der Fonds auch keine junge Kunst, sondern setzt auf Bewährtes: Die meisten Namen finden sich auf der Top-Hundert-Liste der Zeitschrift Capital. Heinzmann malt seinen Kunden rosige Renditen aus. Per annum rechnet er mit einer durchschnittlichen Wertsteigerung der Werke von zehn Prozent. Angelegt ist der Fonds auf 15 Jahre. Dann sollen die Bilder wieder verkauft werden. Vielleicht an Museen. Aber da will Heinzmann sich noch nicht festlegen:

"Wir haben dann auch uns darauf konzentriert, Werke zu finden, die diesen Ansprüchen genügen und die gleichzeitig so gefällig sind, dass auch Privatkunden, die in 15 Jahren Unikate dieser Stars der zeitgenössischen Kunst für sich erwerben wollen, dass diese als potenzielle Käufer für die Kunstwerke in Frage kommen."

Glaubt man dem Geschäftsführer der Investment-Firma, dann hat Kunst als Kapitalanlage eine große Zukunft:

"Sie wissen vielleicht, dass die Anzahl der Menschen auf der Erde, die über ein hohes, liquides Vermögen verfügen, alle zwei Jahre um sechs Prozent zunimmt. Das heißt, innerhalb der nächsten 15 Jahre werden wir rund 50 Prozent mehr so definiert reiche Menschen auf der Erde haben, die wiederum - das haben Studien aus den 90er Jahren auch nachgewiesen - ein erhöhtes Interesse haben am Kauf von Kunstwerken."