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Kulturnachrichten

Donnerstag, 1. April 2021

Italiens Polizei spürt von Nazis gestohlenes Gemälde auf

Italiens Polizei hat ein während der Nazi-Zeit in Frankreich einer jüdischen Familie gestohlenes Ölgemälde aufgespürt und den rechtmäßigen Eignern zurückgegeben. Das teilte die Carabinieri-Einheit, die für den Schutz des kulturellen Erbes zuständig ist, am Donnerstag in Monza in der Lombardei mit. Das Werk aus dem 17. Jahrhundert sei nach längeren Ermittlungen in der Wohnung eines Antiquars in Padua gefunden worden. Der Name des Gemäldes wurde mit "Loth avec ses deux filles lui servant à boire" (etwa: Lot mit seinen beiden Töchtern, die ihm zu trinken geben) angegeben. Es werde dem französischen Künstler Nicolas Poussin (1594 bis 1665) zugeschrieben. Wie die Carabinieri berichteten, hatten Nachfahren der früheren Besitzer 2020 den Diebstahl durch deutsche Besatzungstruppen 1944 angezeigt. Das Werk sei in den vergangenen Jahren mehrmals durch Europa transportiert worden, unter anderem zu Messen in Belgien und in den Niederlanden. Es sei dann in Italien beschlagnahmt und den Nachfahren der Eigner übergeben worden.

Neue Dokumentation über Amy Winehouse geplant

Anlässlich des 10.Todestages von Sängerin Amy Winehouse möchte ihre Mutter Janis in einer BBC-Dokumentation neue Einblicke in das Leben ihrer Tochter geben. "Ich habe nicht das Gefühl, dass die Welt die wahre Amy kennt. Die, die ich großgezogen habe", wurde sie von dem britischen Sender zitiert. Laut BBC wolle Janis Winehouse bei der Dokumentation mitmachen, um die Erinnerungen an ihre Tochter zu bewahren, denn 2003 sei bei ihr Multiple Sklerose diagnostiziert worden. Der Verlust von Erinnerungen sei dabei ein häufiges Symptom. Die Dokumentation soll vor allem aus der Perspektive von Janis Winehouse erzählt werden. Amy Winehouse starb 2011 im Alter von 27 Jahren an einer Alkoholvergiftung, nachdem sie jahrelang mit Drogen- und Alkoholproblemen gekämpft hatte. Für ihre Musik wurde sie mit mehreren Grammys ausgezeichnet.

Journalistenverband fordert Klage gegen Polen

Der Deutsche Journalisten-Verband hat die EU-Kommission aufgefordert, in ihre Klage gegen die polnische Justizreform auch die Einschränkungen der Pressefreiheit in Polen aufzunehmen. Der DJV-Vorsitzende Frank Überall sagte in Berlin, die polnischen Medien seien inzwischen genauso unfrei wie die Einrichtungen der Justiz. Die Entscheider des öffentlichen Rundfunks in Polen seien durchweg Gefolgsleute der regierenden PiS-Partei. Die Pressefreiheit sei kein Grundrecht zweiter Klasse, so Überall. Die EU-Kommission hatte am Mittwoch angekündigt, die Regierung in Warschau vor den Europäischen Gerichtshof zu bringen, da diese an ihrem umstrittenen Justizgesetz festhält. Die EU sieht die Unabhängigkeit der Gerichte in dem Mitgliedsstaat in Gefahr.

Eurovision Song-Contest doch mit Publikum

Der Eurovision Song-Contest (ESC) soll im Mai in Rotterdam doch mit Publikum stattfinden - zumindest mit einer begrenzten Zahl. Das teilten die niederländischen Organisatoren mit. Die Regierung in Den Haag hatte zuvor angekündigt, dass der ESC zum Testfall gemacht werde. Im Rahmen eines Forschungsprojektes solle untersucht werden, ob und wie in Corona-Zeiten Ereignisse mit Publikum sicher organisiert werden können. Bei allen neun Shows - sechs öffentliche Proben, zwei Halbfinale und das große Finale vom 18. bis 22. Mai - sollen jeweils bis zu 3500 Zuschauer zugelassen werden. Nur Fans mit negativem Corona Test-Ergebnis können teilnehmen. Die Niederlande sind seit Dezember im Lockdown. Darum ist unklar, ob wegen der Reisebeschränkungen nur Niederländer anwesend sein können. Der Eurovision Song-Contest war wegen der Pandemie im vergangenen Jahr erstmals in seiner Geschichte abgesagt worden.

Mediatorin soll Streit um Thomaskantor schlichten

Im Streit um die Neubesetzung des Leipziger Thomaskantorats soll nun eine Mediatorin vermitteln. In der vergangenen Woche sei ein Verfahren mit einer professionellen Konflikt-Moderatorin angestoßen worden, sagte Leipzigs Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke (Linke) der "Leipziger Volkszeitung". Der Kirchenmusiker Andreas Reize sei trotz der massiven Kritik aus dem Chor an ihm weiter bereit, das Amt im September anzutreten, erklärte Jennicke. Sie habe in den vergangenen Wochen mehrfach mit ihm gesprochen. Der Leipziger Stadtrat hatte Reize im Dezember nach aufwendigem Auswahlprozess und der Empfehlung einer Experten-Kommission einstimmig zum Nachfolger von Thomaskantor Gotthold Schwarz bestimmt. Mitte März hatten sich acht Mitglieder des Chors im Namen aller Sängerknaben öffentlich gegen Reize ausgesprochen. Sie stellten dessen musikalische und pädagogische Kompetenz infrage und forderten Leipzigs Universitätsmusikdirektor David Timm als neuen Thomaskantor.

Felsenkunst unter dem Meer wird nachgebaut

Die Cosquer-Höhle bei Marseille gilt weltweit als die einzig bekannte Unterwasserhöhle mit Felsmalereien. Seit Jahrzehnten ist sie verschlossen, doch jetzt arbeiten Experten an ihrem Nachbau. Der soll im Sommer 2022 fertig sein und in der Villa Méditerranée in Marseille gezeigt werden. 37 Meter unter der Meeresoberfläche befindet sich der Eingang zu der Höhle. Darin sind an den Wänden mehr als 500 Zeichen und Malereien, die vor über 25 000 Jahren entstanden sind. Die Abbildungen zeigen unter anderem Seelöwen, aber auch Pferde, Bisons, Steinböcke und rund 60 Handnegative. Dargestellt ist auch der im 19. Jahrhundert ausgestorbenen Riesenalk - der Urahn der Pinguine. 1991 hatte der französische Berufstaucher Henri Cosquer die Höhle entdeckt.

Rechtsstreit um Kameramann-Vergütung geht weiter

Der Rechtsstreit um eine angemessene Kameramann-Vergütung geht weiter. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat ein Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) München aus dem Jahr 2017 aufgehoben. Es müsse neu verhandelt werden, weil bei der komplizierten Berechnung der möglichen Ansprüche systematische Fehler gemacht worden seien. Der Chef-Kameramann Jost Vacano des Films "Das Boot" hatte geklagt, dass die ursprünglich vereinbarten umgerechnet 100.000 Euro in keinem Verhältnis zum wirtschaftlichen Erfolg des Films stehen. Grundlage der Klage ist der seit 2002 bestehende Fairnessparagraf im Urheberrecht. Er sieht eine Nachvergütung vor, wenn die vereinbarte Gegenleistung und die später erzielten Erträge in auffälligem Missverhältnis stehen. 2017 hatte das OLG München Vacano weitere 600.000 Euro zugesprochen. Eine endgültige Entscheidung in dem Prozess könnte ein Grundsatzurteil werden. Kameraleute, Drehbuchautoren und Regisseure anderer Erfolgsfilme könnten davon profitieren. "Das Boot" von Wolfgang Petersen aus dem Jahr 1981 war für sechs Oscars nominiert und hat rund 30 Millionen Euro eingespielt.

Kulturrat fordert gerechte Bezahlung für Künstler

Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, Olaf Zimmermann, hat seine Forderung erneuert, Kulturschaffende gerecht zu entlohnen. Ankündigungen, im Kulturbereich zu sparen, seien auch angesichts der Corona-Pandemie das falsche Signal, teilte Zimmermann mit. Projektanträge etwa sollten künftig abgelehnt werden, wenn darin verschwindend geringe Honorare für Künstlerinnen und Künstler veranschlagt seien. Wer Mittel beantrage und für freiberufliche Leistungen äußerst geringe Kosten ansetze, sollte aufgefordert werden, den Finanzierungsplan zu überarbeiten. Davon auszugehen, dass Erwerbstätige im Kulturbereich weniger Einkommen erzielten als in anderen Branchen, sei inakzeptabel. Aus der Lage der Künstler in der Pandemie müsse man lernen und jetzt Veränderung anstoßen, so Zimmermann. Hier seien die Länder und Kommunen gefragt. Sie leisteten den größten Teil der Kulturfinanzierung und müssten ihrer kulturpolitischen Verantwortung gerecht werden.

Paul Simon verkauft Song-Rechte an Sony

Der US-Musiker Paul Simon hat die Rechte an seinen Songs aus sechs Jahrzehnten an Sony Music verkauft. Das teilte der Konzern in New York mit. Angaben zum Wert des Pakets wurden nicht gemacht. Der Katalog umfasst Welthits wie "Bridge Over Troubled Water", "The Sound of Silence" oder "Mrs. Robinson". Diese stammen aus der Ära des Duos "Simon & Garfunkel". Anschließend war der inzwischen 79-jährige Simon auch als Solokünstler erfolgreich, etwa mit dem "Graceland"-Album von 1986. Vor Simon hatten bereits andere Musiklegenden ihre Kompositionen verkauft. So veräußerte beispielsweise Bob Dylan die Rechte an seinen Liedern an den Musik-Giganten Universal Music. Sony besitzt unter anderem die Rechte an den Songs von Michael Jackson, den Beatles und Leonard Cohen.

Theatermacher beklagen Rassismus in Düsseldorf

Eine Gruppe aus 22 Theaterschaffenden hat sich in einem offenen Brief an die Kulturministerin von Nordrhein-Westfalen, den Oberbürgermeister von Düsseldorf und den Intendanten des dortigen Schauspielhauses gewandt. Sie beklagen als "schwarze Theatermacher:innen und Theatermacher:innen of Color" Rassismus und Sexismus im Düsseldorfer Schauspielhaus und sind Ensemblemitglieder des Stücks "Afrokultur" und der Veranstaltung "M(a)y Sister". Die für beide Inszenierungen verantwortliche Kommunikations-Soziologin Natasha A. Kelly sagte im Deutschlandfunk, die Ensembles wollten die für Mai geplanten Stücke vorerst nicht auf die Bühne bringen. Dies wäre ein falsches Zeichen, solange die Rassismus-Vorwürfe nicht aufgeklärt seien. Kelly forderte, Experten müssten die rassistischen Strukturen im Düsseldorfer Schauspielhaus untersuchen. Auch an anderen deutschen Theatern gäbe es immer wieder Fälle von Rassismus. Kelly und die Unterzeichnenden des offenen Briefs fordern eine vom Düsseldorfer Schauspielhaus unabhängige, selbstorganisierte Freie Bühne. Die Debatte um Rassismus am Düsseldorfer Schauspielhaus war durch den dort tätigen Schauspieler Ron Iyamu ausgelöst worden. Der Schauspieler mit nigerianischen Wurzeln war mit einem Video auf seinem Instagram-Account an die Öffentlichkeit gegangen.

Klage von Musikern auf ihr Recht auf Arbeit gescheitert

Die Klage von fünf Musikern der Staatskapelle Dresden auf ihr Recht auf Arbeit ist gescheitert. Das Sächsische Landesarbeitsgericht wies die Berufung der Künstler zu einer Entscheidung des Dresdner Arbeitsgerichts am Mittwoch ab. Die Musiker hätten einen Anspruch darauf, zu proben. Einen Anspruch auf öffentliche Auftritte gebe es derzeit hingegen nicht, sagte ein Sprecher des Landesarbeitsgerichts. Die Musiker der Dresdner Staatskapelle hatten ihr Recht auf Arbeit per einstweiliger Verfügung einklagen wollen.

"Game of Thrones" soll auf die Bühne kommen

Die Erfolgs-Serie "Game of Thrones" soll einem Medienbericht zufolge auch auf die Bühne kommen. Das Branchenblatt "The Hollywood Reporter" berichtet, der Erfinder George R. R. Martin arbeite an einer Show, die ab 2023 am Broadway, am Londoner West End und in Australien aufgeführt werden solle. An dem Stück seien demnach die Produzenten Simon Painter und Tim Lawson beteiligt. Die Show soll ein Prequel zu "Game of Thrones" sein, das heißt sie soll 16 Jahre vor den Ereignissen spielen, die in der Fernsehserie vorkommen.

Portugal holt Gastland-Auftritt 2022 nach

Nach der Absage der Leipziger Buchmesse in diesem Jahr soll Portugal seinen Gastland-Auftritt 2022 nachholen. Der Direktor der Buchmesse, Oliver Zille, sagte, der Auftritt solle unter dem Motto "Unerwartete Begegnungen" stehen. Dabei werde Literatur aus verschiedenen portugiesischsprachigen Ländern wie Angola, Guinea-Bissau oder Mosambik präsentiert. Bereits in diesem Jahr erscheinen 50 neue Bücher aus Portugal und anderen Ländern in deutscher Sprache. Die Leipziger Buchmesse hätte vom 27. bis 30. Mai veranstaltet werden sollen, wurde aber wie schon im Vorjahr wegen der Corona-Pandemie abgesagt.

Deutschland nimmt Definition für Antiziganismus an

Deutschland hat als erstes Land die Arbeitsdefinition von Antiziganismus der "Internationalen Allianz zum Holocaust-Gedenken" angenommen. Antiziganismus bezeichnet den Rassismus gegenüber Sinti und Roma. Deutschland macht nun die Definition der IHRA zur Grundlage für politisches und Verwaltungshandeln. Außenminister Maas sagte in Berlin, der Völkermord an den Sinti und Roma während der NS-Zeit sei viel zu lange in Vergessenheit geraten. Die Diskriminierung von Sinti und Roma halte sich "hartnäckig in unseren Gesellschaften". Nach der IHRA-Definition handelt es sich etwa um Antiziganismus, wenn Sinti und Roma verzerrt dargestellt oder ihre Verfolgung durch die Nationalsozialisten geleugnet werden. Der Begriff "Zigeuner" wird als antiziganistisch bewertet, wenn er als Beleidigung verwendet wird.

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Fazit

Joseph Beuys Inspirator und Öko-Vorreiter
Joseph Beuys lachend mit Hut und Anglerweste. In seiner Tasche steckt eine "Grünen"-Zeitung. Hinter ihm hängen Bilder an der Wand. (IMAGO / Everett Collection)

Auch an seinem 100. Geburtstag ist der Künstler Joseph Beuys umstritten: Den einen gibt er Inspiration, andere werfen ihm Nähe zu Nazi-Gedanken vor. In jedem Fall hat Beuys den Kunstbegriff erweitert und früh die Wichtigkeit ökologischen Denkens erkannt.Mehr

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