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Donnerstag, 26.11.2020
 
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Kulturnachrichten

Donnerstag, 15. Oktober 2020

Shakespeare-Übersetzer Frank Günther gestorben

Der renommierte Shakespeare-Übersetzer Frank Günther ist tot. Er sei am Donnerstag im Alter von 73 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit in Ulm gestorben, teilte der Hartmann & Stauffacher Verlag in Köln mit. Günther hat fast das gesamte Werk William Shakespeares neu ins Deutsche übertragen. Dies seien die heute meistgespielten Fassungen auf deutschsprachigen Bühnen, so der Verlag. "Ich übersetze nicht nur vom Englischen ins Deutsche, sondern auch vom 17. Jahrhundert in die Gegenwart", sagte Günther einmal. Zu Beginn seiner Laufbahn war er selbst als Theaterregisseur tätig gewesen. 2014 veröffentlichte er das Buch "Unser Shakespeare". Günther wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Übersetzerpreis der Heinrich-Maria-Ledig-Rowohlt-Stiftung und mit dem Christoph-Martin-Wieland-Preis.

Plan für mehr Einheitlichkeit in der Bildung

Die Kultusminister der Länder wollen besser zusammenarbeiten - mit einheitlicheren Linien im deutschen Bildungssystem. Die Ministerinnen und Minister der 16 Länder beschlossen am Donnerstag eine entsprechende "Ländervereinbarung". Das Papier soll das 56 Jahre alte "Hamburger Abkommen" ablösen und beschreibt Grundsätze und Ziele der Zusammenarbeit. Es soll in den kommenden Jahren zu mehr Vergleichbarkeit bei der Schulausbildung und bei den Abschlüssen führen. Unter anderem sichern sich die Länder zu, "durch geeignete Maßnahmen" dafür zu sorgen, dass Schüler bei einem länderübergreifenden Schulwechsel "ihre Bildungslaufbahn bruchlos fortsetzen können". Beim Abitur wollen sich die Länder verpflichten, ab 2023 die Hälfte aller schriftlichen Aufgaben in den Kernfächern aus einem gemeinsamen Aufgabenpool zu entnehmen.

Filmpreis "Leipziger Ring" wird nicht vergeben

Wegen der Corona-Pandemie wird die Stiftung Friedliche Revolution auf die Vergabe ihres Preises "Leipziger Ring" auf dem diesjährigen Dokumentarfilmfest DOK Leipzig verzichten. Die Pandemie lasse weder ein verlässliches Publikumsvoting noch eine persönliche Würdigung und Auszeichnung des Preisträgers zu, erklärte der Vorsitzende der Stiftung, Rainer Vor, am Donnerstag in Leipzig. Im nächsten Jahr wolle man sich aber wieder an dem Filmfestival beteiligen. Die Stiftung vergibt den mit 2.500 Euro dotierten "Leipziger Ring" seit 2010 im Rahmen des Internationalen Leipziger Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm. Sie würdigt damit nach eigenen Angaben "einen künstlerischen Dokumentarfilm, der bürgerschaftliches Engagement für Demokratie und Menschenrechte beispielhaft aufzeigt" oder unter großem Einsatz und Mut gegen Widerstände und Einschränkungen der Presse- und Meinungsfreiheit entstanden ist.

Yad Vashem ehrt posthum Retter Roman Polanskis

Die israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem ehrt posthum die polnischen Retter des heutigen Star-Regisseurs Roman Polanski, der die deutsche Besatzung Polens während des Zweiten Weltkriegs im Versteck überlebt hatte. Die katholischen Eheleute Stefania und Jan Buchala, die den damals neunjährigen Polanski bei sich aufnahmen, würden als "Gerechte unter den Völkern" ausgezeichnet, teilte die Gedenkstätte am Donnerstag in Jerusalem mit. "Trotz seiner sehr schwierigen wirtschaftlichen Situation war das Paar bereit, den jüdischen Jungen bei sich aufzunehmen und ihm Schutz zu gewähren", erklärte die Gedenkstätte. Der Enkel des Ehepaars, Stanislaw Buchala, werde die Auszeichnung anstelle seiner verstorbenen Großeltern bei einer Zeremonie in Süd-Polen entgegennehmen.

Kunstaktion mit CDU-Slogan "Keine Experimente"

Mit einer als Kunstaktion konzipierten Plakatreihe unter dem alten CDU-Wahlkampfslogan "Keine Experimente" wollen acht bekannte Berliner Frauen mit nicht-deutschen Eltern auf ihre Rolle in der Gesellschaft hinweisen. Zu ihnen zählen neben der Galeristin Anahita Sadighi und der SPD-Politikerin Sawsan Chebli auch die Schauspielerin Susana AbdulMajid und die Künstlerin Rebecca Korang. Die Frauen wollen nach eigenen Angaben nicht mehr beweisen müssen, "dass sie deutsch genug, stark genug" seien. Sie seien keine "Experimente", sondern bestimmten mit darüber, was heute "gesellschaftliche Norm in Deutschland" sei. Der von der CDU in den 1950er Jahren genutzte Wahlspruch steht aus Sicht der Organisatorinnen für "Stillstand, Skepsis gegenüber Erneuerung - und letztendlich auch für die Verneinung von Tatsachen".

Frankfurter Buchmesse mit Online-Resonanz zufrieden

Die Frankfurter Buchmesse hat ihre Verlegung ins Internet nach dem ersten Messetag positiv bewertet. Die Branche habe das digitale Angebot insgesamt "sehr gut angenommen", sagte eine Sprecherin der Buchmesse am Donnerstag in Frankfurt. Verlage und Aussteller hätten mehr als 6.700 Themenkacheln mit Neuerscheinungen online gestellt. Die Teilnehmerzahlen der im Internet ausgerichteten Fachkonferenzen lagen den Angaben zufolge teilweise weit über denen, die in der Vergangenheit bei vergleichbaren Tagungen vor Ort erreicht wurden. Wegen der Corona-Pandemie findet die 72. Ausgabe fast ausschließlich online statt.

"Mops des Jahres 2020" vergeben

Der Autor René Träder ist für seinen Buchtitel "Das Leben so: nein! Ich so: doch!" mit dem "Mops des Jahres 2020" ausgezeichnet worden. In dem Buch, das im Ullstein-Verlag erschienen ist, geht es um den Umgang mit Stress, Krisen und Schicksalsschlägen. Der Preis wird von der Literatur-Redaktion des Deutschlandfunk Kultur für den kuriosesten Titel auf dem deutschen Buchmarkt vergeben und ist undotiert.

Private Büros von Medienunternehmer durchsucht

Die Hongkonger Polizei hat am Donnerstag die privaten Büros des chinakritischen Medienunternehmers Jimmy Lai durchsucht. Das teilte Lais Mitarbeiter Mark Simon auf Twitter mit. 14 Beamte seien gekommen und nicht der Bitte gefolgt, mit der Durchsuchung bis zum Eintreffen von Lais Anwalt zu warten: "Sie nahmen Dokumente und gingen, bevor unser Anwalt da war". Der 71-jährige Lai unterstützt die Demokratiebewegung, die sich gegen die immer stärker werdende Kontrolle der Sonderverwaltungszone durch China stemmt. In seinem Medienunternehmen Next Digital erscheint die prodemokratische Zeitung "Apple Daily". Die Hongkonger Polizei reagierte zunächst nicht auf Anfragen zu der Durchsuchung. Sie erfolgte wenige Stunden vor einem Gerichtstermin Lais. Ihm wird vorgeworfen, am 4. Juni an einer nicht genehmigten Demonstration teilgenommen zu haben.

"Lost" ist das Jugendwort des Jahres

"Lost" ist das "Jugendwort des Jahres". Das hat der Pons-Verlag in Stuttgart bekannt gegeben. Mit dem Begriff wird ahnungsloses und unsicheres Verhalten beschrieben. Mit fast der Hälfte der Stimmen setzte er sich gegen die Finalisten "Cringe" und "Wyld/Wild" durch. "Cringe" beschreibt etwas Peinliches und Unangenehmes, dass man bei sich oder anderen beobachtet. "Wyld" oder "Wild" bedeutet etwas Krasses und Besonderes. Jahrelang hatte der Langenscheidt-Verlag die Wahl zum "Jugendwort des Jahres" veranstaltet. Er wurde Anfang 2019 von Pons übernommen.

Kunstkompass: Gerhard Richter wichtigster Künstler

Der deutsche Maler Gerhard Richter (88) wird im Ranking "Kunstkompass" weiterhin als weltweit wichtigster Künstler geführt. Seit nunmehr 17 Jahren behauptet der gebürtige Dresdner unangefochten die Spitzenposition. Auch die nächsten Ränge sind unverändert. Auf Platz zwei bleibt der US-Künstler Bruce Nauman, dann folgen die beiden Deutschen Georg Baselitz und Rosemarie Trockel. Die Liste der "Stars von morgen" wird dieses Jahr von der in Antwerpen lebenden Nigerianerin Otobong Nkanga angeführt. Der "Kunstkompass" wird jährlich von der Journalistin Linde Rohr-Bongard aus Köln erstellt und im Magazin "Capital" veröffentlicht.

Shakespeare-Erstausgabe erzielt Rekordpreis

Beim Auktionhaus Christie's in New York ist eine Erstausgabe von William Shakespeares "Comedies, Histories & Tragedies" für einen Rekordpreis versteigert worden. Das 1623 gedruckte Werk brachte fast 10 Millionen Dollar ein und damit mehr als je ein literarisches Werk zuvor bei einer Versteigerung. Das Buch ging an den US-Sammler Stephan Loewentheil.

Simone Leigh vertritt USA bei Biennale in Venedig 2022

Die US-Bildhauerin Simone Leigh soll ihr Land bei der 59. Internationalen Kunst-Biennale in Venedig 2022 vertreten - als erste afroamerikanische Künstlerin aus den Vereinigten Staaten. Medienberichten zufolge hat die Kulturabteilung des US-Außenministeriums sie auf Basis von Empfehlungen aus der Museums- und Kunstszene ausgewählt. Die in Chicago geborene und in New York lebende 52-Jährige Künstlerin hatte zuletzt mit mehreren Solo-Ausstellungen auf sich aufmerksam gemacht. Eine große Bronze-Skulptur von ihr ziert derzeit die New Yorker High Line, eine zum Park umgebaute ehemalige Hochbahntrasse. Die Kunst-Biennale in Venedig sollte eigentlich im nächsten Jahr stattfinden, wurde aber wegen der Coronavirus-Pandemie auf Ende November 2022 verschoben.

Zentraler Zugang zu digitalen Kolonialobjekten geplant

Mit einem zentralen Zugang zu bereits digitalisierten Objekten wollen die Kulturminister von Bund und Ländern den Zugriff auf Sammlungsgut aus kolonialen Zusammenhängen erleichtern. Das wurde bei einem Treffen am Mittwoch vereinbart. Demnach sollen die Bestände erfasst und veröffentlicht werden. Außerdem sollen - gemeinsam mit den Herkunftsstaaten, den entsprechenden Gesellschaften und der Diaspora in Deutschland - Standards erarbeitet werden, damit die Objekte langfristig digital verfügbar werden. Erprobt wird die Strategie zunächst mit ausgewählten Einrichtungen. Koordiniert wird sie durch die Anfang des Jahres in Berlin eingerichtete Kontaktstelle für Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sprach vom Ziel, "größtmögliche Transparenz zu schaffen bei den Beständen aus kolonialen Kontexten, die sich in unseren Museen und Sammlungen befinden".

Theaterstück in kurdischer Sprache verboten

Die türkischen Behörden haben die Aufführung eines Stückes in kurdischer Sprache am Istanbuler Stadttheater verboten. Der öffentliche Friede werde gestört, hieß es zur Begründung. Schon im Vorfeld sahen sich die Mitglieder der kurdischen Theatergruppe einer Hasskampagne in türkischen staatsnahen Medien und in den Sozialen Medien ausgesetzt. Es wäre die erste Aufführung in kurdischer Sprache seit 100 Jahren gewesen. Es geht um ein Stück des italienischen Literatur-Nobelpreisträgers Dario Fo.

Streit im Vorfeld der Dresdner Jazztage

Im Vorfeld der Dresdner Jazztage gibt es Streit. Dabei geht es um die Einladung des Schweizer Historikers Daniele Ganser. Ihm werden Verschwörungstheorien vorgeworfen, etwa über den Anschlag auf das World Trade Center. Es gibt Boykottaufrufe, außerdem haben sich einige Künstlerinnen und Künstler bereits zurückgezogen. Ganser war schon 2019 in Dresden aufgetreten. Der Intendant und Gründer der Jazztage, Kilian Forster, verteidigte die Einladung des Schweizers im Mitteldeutschen Rundfunk. Ganser sei im vergangenen Jahr ein Publikumsmagnet gewesen, sagte er. Außerdem wolle er mit der Einladung an den Schweizer auch ein Zeichen für Meinungsfreiheit setzen.

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