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Kulturnachrichten

Freitag, 11. September 2020

Deutscher Schauspielpreis vergeben

Der Deutsche Schauspielpreis geht in diesem Jahr an die Darsteller Alina Serban und Bernhard Conrad. Im Film "Gipsy Queen" spielt Serban eine Boxerin - dafür wird sie als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet. Conrad erhält den Preis für seine Hauptrolle im Drama "Kahlschlag". Das gab der Bundesverband Schauspiel in Berlin bekannt. Für ihren Auftritt in der Serie "Skylines" gewinnt Carol Schuler die Auszeichnung für die beste Nebendarstellerin. Rauand Taleb wird als bester Nebendarsteller für die Serie "4 Blocks" geehrt. Dem Schauspielverband gehören nach eigenen Angaben rund 3600 Schauspieler an. Die Auszeichnung gibt es seit 2012. Die Preisträger werden teils per Mitgliederabstimmung, teils von Gremien ausgewählt.

Frey erhält Philosophischen Buchpreis

Der Schweizer Islamwissenschaftler Michael Frey hat den "Philosophischen Buchpreis 2020" des Forschungsinstituts für Philosophie Hannover entgegengenommen. Die mit 3.000 Euro dotierten Auszeichnung wurde ihm nach Angaben des Instituts für sein Buch "Die politische Philosophie Nassif Nassars im libanesischen Kontext" verliehen. Mit seinem Werk mache Frey den "Liberalismus mit Gemeinsinn" des 1940 geborenen libanesischen Denkers Nassar erstmals der deutschsprachigen Öffentlichkeit zugänglich, hieß es.

Museum gibt menschliche Überreste an Australien zurück

Das Ethnologische Museum der Staatlichen Museen zu Berlin gibt menschliche Überreste aus seinen Sammlungen nach Australien zurück. Es handelt sich um menschliche Knochen in einem Rindensarg und um zwei mumifizierte Kinderkörper, teilte die Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin mit. Die australische Regierung hatte demnach zu Jahresbeginn um die Rückführung der Gebeine der drei Leichname gebeten. Der Stiftungsrat hatte dem zugestimmt. Der Sarg und die mumifizierten Kinderkörper kamen laut der Stiftung Preußischer Kulturbesitz 1880 in die Sammlung des Museums.

Friedenspreisträger solidarisieren sich mit Alexijewitsch

Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels fordern Unterstützung für die Bevölkerung in Belarus und die Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch, wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels mitteilt. In einer Erklärung solidarisieren sie sich mit der Autorin, die Mitglied des Koordinierungsrats der Regierungskritiker ist. Alexijewitsch sei bislang die einzige aus dem Koordinierungskreis, die nicht verhaftet worden sei, heißt es. Unterzeichnet ist die Erklärung unter anderen von Aleida und Jan Assmann, Carolin Emcke, Navid Kermani, David Grossman sowie dem Stiftungsrat des Friedenspreises.

Bund fördert 141 Kulturprojekte außerhalb der EU

Deutschland fördert bis zum Jahresende 141 Kultur- und Bildungsprojekte außerhalb der EU mit jeweils bis zu 25.000 Euro. Ein dafür angesichts der Corona-Pandemie aufgelegter Internationaler Hilfsfonds verfügt über gut drei Millionen Euro, die im Wesentlichen vom Auswärtigen Amt bereitgestellt werden, wie das Goethe-Institut in München mitteilte. Das Institut hatte den Fonds mit dem Außenamt initiiert und koordiniert ihn. Gefördert würden schwerpunktmäßig Organisationen, die innovativ und offen zum Erhalt des Pluralismus beitrügen. Darunter befindet sich ein Bildungszentrum im brasilianischen Salvador da Bahia, das digitale Qualifizierungsprogramme für benachteiligte Frauen in der Nachbarschaft anbietet. In Burkina Faso gibt es Geld für ein Menschenrechts-Filmfestival, in Serbien für ein Bildungsprogramm zugunsten von Roma-Familien und deren Kindern im Grundschulalter.

Presserat rügt "Bild"-Artikel zu Drosten-Studie

Der Deutsche Presserat hat der "Bild"-Zeitung wegen der Berichterstattung über eine Studie des Berliner Virologen Christian Drosten eine Rüge erteilt. Wie das Selbstkontrollgremium der deutschen Presse in Berlin mitteilte, erkannte der Beschwerdeausschuss "mehrere schwere Verstöße gegen die journalistische Sorgfaltspflicht". Der "Bild"-Artikel "Fragwürdige Methoden: Drosten-Studie über ansteckende Kinder grob falsch", hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Nach Auffassung des Beschwerdeausschusses ist die Formulierung, die Studie sei "grob falsch", von den zitierten Expertenmeinungen im Text nicht gedeckt. Weiter erwähne der Artikel nicht, dass es sich bei der Drosten-Studie um eine Vor-Veröffentlichung handele. Zudem zitiere die Redaktion die Studie "unsauber".

Die Katholische Jugend gendert das Wort "Gott"

Die Katholische Studierende Jugend KSJ schreibt das Wort "Gott" künftig mit Genderstern. Gott* sei keinem Geschlecht oder anderen menschlichen Kategorien zuzuordnen, erklärt der kirchliche Jugendverband in einem Positionspapier zu seiner nun gestarteten Kampagne. Mit dem Sternchen wolle die KSJ Gott* aus der geschlechtlichen Ebene heben. Außerdem fordert sie ein neues Gottes*bild, das mit den Vorstellungen vom alten, weißen, strafenden Mann aufräumt und Platz schafft für eine Gottes*vielfalt.

Off-Theater "brut Wien" bekommt eigenes Haus

Das Wiener Off-Theater "brut" zieht in eine eigene Spielstätte. Ab 2023 wird es im ehemaligen Bankhaus St. Marx logieren. Das Gebäude soll für 6,9 Millionen Euro renoviert werden, teilte die Wiener Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) mit. In den letzten Jahren fanden die Aufführungen des Theaters an 90 verschiedenen Orten in 19 Wiener Bezirken statt.

Hölderlinjahr wird um sechs Monate verlängert

Weil die Corona-Pandemie das Jubiläum zum 250. Geburtstag des Dichters Friedrich Hölderlin stark beeinträchtigt hat, wird das Festjahr nun verlängert: Bis Juni 2021 sollen zahlreiche Veranstaltungen nachgeholt werden, teilte das Deutsche Literaturarchiv in Marbach mit. Darauf hätten sich die Hölderlin-Orte Tübingen, Lauffen am Neckar, Stuttgart, Heidelberg und Bad Homburg sowie Veranstalter und Ausstellungshäuser gemeinsam mit dem Literaturarchiv geeinigt.

Böhmermann twittert gestrichenes F.A.S-Interview

Der Satiriker Jan Böhmermann hat ein gestrichenes Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" auf Twitter veröffentlicht. Laut Böhmermann hätte das Gespräch, das unter sich unter anderem um "cancel culture" drehte, am vergangenen Sonntag veröffentlicht werden sollen. In einem offenen Brief warf Böhmermann jetzt, ebenfalls auf Twitter, dem F.A.Z-Herausgeber Jürgen Kaube vor, in die redaktionelle Unabhängigkeit der Sonntagzeitung eingegriffen und das Interview aus dem Blatt genommen zu haben. Die F.A.Z ließ mitteilen, dass sie redaktionelle Entscheidungen nicht kommentiert.

"Focus": Digitalkabinett tagt fast nie

Die von der Bundesregierung eingesetzten Gremien zur Förderung der Digitalisierung haben bisher nur selten getagt. So kam das sogenannte Digitalkabinett in diesem Jahr nur einmal zusammen, wie das Magazin "Focus" aus einer Antwort der Digital-Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) auf eine FDP-Anfrage zitierte. Seit seiner Gründung 2018 tagte dieser Kabinettsausschuss laut "Focus" damit nur vier Mal. Der Ausschuss soll sich speziell mit Fragen der Digitalisierung befassen und dabei die Interessen der unterschiedlichen Ressorts besser vernetzen.

Falsche schwarze US-Professorin tritt zurück

Die durch ihre gefälschte Identität als Afroamerikanerin bekannt gewordene Geschichtsprofessorin Jessica Krug hat ihre Professur an der George-Washington-Universität aufgegeben. Krug habe ihre Stelle mit sofortiger Wirkung verlassen, teilte die Universität über Twitter mit. Krug hat afroamerikanische Geschichte gelehrt und sich auf Fragen zu afrikanischer Kultur und Diaspora spezialisiert. Vergangene Woche räumte sie ein, sich während ihrer gesamten akademischen Karriere als New Yorkerin afro-karibischer Herkunft ausgegeben zu haben, obwohl sie tatsächlich eine aus Kansas-City stammende weiße Jüdin sei. Als Grund nannte sie nicht angesprochene seelische Probleme während der Kindheit. Seither hat sie sich nicht wieder geäußert.

Philosophen streiten über Rassismus-Vorwurf gegen Hegel

Beim Festakt der Stadt Stuttgart zum 250. Geburtstag von Georg Wilhelm Friedrich Hegel haben sich Experten einen Schlagabtausch geliefert, ob der Philosoph ein Rassist war. "Es gibt Äußerungen aus den Vorlesungen von Hegel, in denen er sich durchaus rassistisch äußert", sagte die Präsidentin der Internationalen Hegel-Vereinigung, Prof. Dina Emundts. Nach Einschätzung des Sozialphilosophen Prof. Axel Honneth teilte Hegel die im 19. Jahrhundert gängige kolonialistische Vorstellung, dass die Afrikaner durch die Europäer zivilisiert werden müssten. Widerspruch kam vom Jenaer Philosophie-Professor und Hegel-Biografen Klaus Vieweg: "Hegel steht gegen jede Form von Diskriminierung, gegen jeglichen Nationalismus, gegen Rassismus." Was er in seiner Philosophie der Geschichte über die Entwicklung Afrikas gesagt habe, lasse sich heute historisch bestätigen.

Trump lehnt Fristverlängerung für Tiktok ab

US-Präsident Donald Trump hat eine Fristverlängerung für den Verkauf der Video-Plattform Tiktok in den USA abgelehnt. Die Plattform werde entweder in diesem Jahr geschlossen oder verkauft, sagte Trump in Washington. Tiktok gehört dem chinesischen Konzern Bytedance. Trump sieht die Video-App als Sicherheitsrisiko, weil chinesische Behörden darüber Zugriff auf Daten von Amerikanern bekommen könnten. Anfang August hatte der Präsident US-amerikanischen Firmen und Bürgern Geschäfte mit Tiktok verboten. Dieses Verbot soll Mitte September greifen. Ohne einen Verkauf droht Tiktok damit das Aus in den USA.

Australien: Rücktritt nach Zerstörung von Kultstätten

Nach der Zerstörung eines heiligen Gräberfeldes der australischen Ureinwohner muss der Vorstandschef des Bergbaukonzerns Rio Tinto, Jean-Sébastien Jacques, zurücktreten. Auch zwei weitere hochrangige Manager des britisch-australischen Unternehmens würden gehen, teilte der Konzern mit. Die Sprengung der Stätte sei falsch gewesen, erklärte der Verwaltungsratschef. Die Gräber waren zerstört worden, um den Eisenerzabbau in der Region zu erweitern. Die Stätte war 46.000 Jahre alt und gehörte zu den ältesten australischen Siedlungsgebieten.

Filmfestival von Toronto eröffnet mit Spike Lee

In Toronto ist am Abend das 45. Internationale Filmfestival eröffnet worden. In einem Autokino am Ontario-See war als erster Beitrag die Weltpremiere "David Byrne's American Utopia" in der Regie von Spike Lee zu sehen. Der Konzertfilm dokumentiert die erfolgreiche Broadway-Serie des früheren "Talking Heads"-Sängers im Jahr 2019. Wegen der Corona-Krise findet das Filmfest bis zum nächsten Wochenende mit einem stark reduzierten Programm statt. Statt über 330 Filmen werden diesmal nur 50 Produktionen zu sehen sein. Der deutsche Film ist mit fünf Ko-Produktionen vertreten, darunter der iranische Film "Bandar Band". Als Weltpremieren stehen unter anderem Halle Berrys Regiedebüt "Bruised" sowie das Drama "Ammonite" mit Kate Winslet und Saoirse Ronan auf dem Festival-Programm. Neben zwei Autokinos und einem Open-Air-Kino steht auch ein Kinosaal zur Verfügung. Dort sind maximal 50 Gäste zugelassen.

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Fazit

Neu im Kino: "Bohnenstange"Bruch mit dem Heldenmythos
In einem Filmstill aus "Bohnenstange" ist eine Schauspielerin mit Kopftuch zu sehen. (Eksystent Distribution / Liana Mukhamedzyanova)

Leningrad nach dem Zweiten Weltkrieg: Zwei traumatisierte Frauen schlagen sich durch die zerstörte Stadt. "Bohnenstange" von Regisseur Kantemir Balagow ist kraftvolles Kino mit herausragenden Darstellerinnen und setzt auch politisch neue Akzente.Mehr

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