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Freitag, 23.10.2020
 
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Kulturnachrichten

Dienstag, 1. September 2020

"Charlie Hebdo" druckt Mohammed-Karikaturen erneut

Die französische Satirezeitung „Charlie Hebdo“ will ein weiteres Mal die umstrittenen Mohammed-Karikaturen abdrucken. Das kündigte Reaktionsleiter Laurent Sourisseau in der Online-Ausgabe des Magazins an. Anlass ist der Prozessauftakt im Zusammenhang mit dem islamistischen Anschlag auf die Redaktion vor fünf Jahren. 2005 hatte die dänische Zeitung „Jyllands-Posten“ zwölf Zeichnungen des islamischen Propheten veröffentlicht. Ein Jahr später druckte „Charlie Hebdo“ sie nach und zog damit ebenfalls die Wut muslimischer Extremisten auf sich. Am 7. Januar 2015 drangen zwei Bewaffnete in die Redaktionsräume von „Charlie Hebdo“ein. Sie ermordeten zwölf Menschen.

Philosophischer Buchpreis an Islamwissenschaftler

Der Philosophische Buchpreis 2020 des Forschungsinstituts für Philosophie Hannover geht an den Schweizer Islamwissenschaftler Michael Frey. Die mit 3.000 Euro dotierten Auszeichnung wird ihm für sein Buch "Die politische Philosophie Nassif Nassars im libanesischen Kontext" verliehen. Mit seinem Werk mache Frey den "Liberalismus mit Gemeinsinn" des 1940 geborenen libanesischen Denkers Nassar erstmals der deutschsprachigen Öffentlichkeit zugänglich. Die Preis soll am 11. September in Hannover überreicht werden. Der Philosophische Buchpreis wird alle zwei Jahre für die beste Neuerscheinung der vergangenen drei Jahre zu einem aktuellen Themenbereich der praktischen Philosophie vergeben.

Lehrkräfte verlassen Budapester Theater-Uni

Nach der Aufhebung ihrer Autonomie durch die rechtsnationale ungarische Regierung verlassen zahlreiche Lehrkräfte die Budapester Universität für Theater-und Filmkunst. Unter anderen reichten die Filmregisseurin Ildiko Enyedi und die Theaterregisseure Tamas Ascher und Viktor Bodo die Kündigung ein. Enyedi hatte 2017 mit dem Liebesfilm "Körper und Seele" den Goldenen Bären der Berlinale gewonnen. Ascher wird in Ungarn für seine meisterhaften Inszenierungen der Stücke des russischen Autors Anton Tschechow geschätzt. Bodo inszeniert regelmäßig am Volkstheater in Wien, zuletzt Ibsens "Peer Gynt". Bereits am Montag waren das Rektorat, der Senat und die Dekanatsleitungen geschlossen zurückgetreten. Studenten begannen damit, die Universität im Zentrum von Budapest zu besetzen. Am Dienstag übernahm formell ein neues Kuratorium so gut wie alle Leitungsbefugnisse an der Universität. Es ist ausschließlich mit Personen besetzt, die die Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban ernannt hatte.

Papst-Orden für Paderborner Museumsdirektor

Der Direktor des Diözesanmuseums Paderborn, Christoph Stiegemann, hat den Silvesterorden des Vatikan erhalten. Die höchste päpstliche Auszeichnung für Laien der katholischen Kirche ist benannt nach Papst Silvester I., der im vierten Jahrhundert lebte. Sie wurde 1841 von Papst Gregor XVI. gestiftet und wird für besonderes ehrenamtliches Engagement in katholischen Institutionen und aufgrund persönlicher Verdienste verliehen. Paderborns Erzbischof Hans-Josef Becker überreichte den Orden im Bischofshaus. Stiegemann habe sich als Förderer der christlichen Kunst sowie durch sein Engagement für Bildung und Glaubensvermittlung verdient gemacht, hieß es. Der 75-Jährige leitet seit 1990 das Diözesanmuseum. Seit 2001 lehrt er im Priesterseminar Geschichte der christlichen Kunst.

Ruhr-Uni erforscht Antisemitismus in NRW-Schulen

In Nordrhein-Westfalen unterstützt die Landesregierung ein Forschungsprojekt zu Antisemitismus im Schulunterricht. Wie das Bildungsministerium in Düsseldorf mitteilte, führt die Ruhr-Universität Bochum zwischen November bis zum Frühjahr 2021 Unterrichtsbeobachtungen durch. Auf deren Grundlage sollen Materialien und Fortbildungen für die Lehrkräfte erstellt werden. Sie erhielten damit die notwendige Unterstützung um Antisemitismus präventiv und nachhaltig in den Schulen zu bekämpfen, erklärte die Antisemitismusbeauftragte des Landes, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Die Unterrichtsbeobachtungen sollen zeigen, in welchen Situationen sich Judenfeindlichkeit äußert oder darüber diskutiert wird.

Fotograf Jürgen Schadeberg ist tot

Der Fotograf Jürgen Schadeberg ist tot. Er sei am Samstag im Alter von 89 Jahren nach einem Schlaganfall gestorben, sagte seine Ehefrau Claudia Schadeberg der Deutschen Presse-Agentur. Schadeberg gilt als Chronist der Apartheid in Südafrika. Sein Foto, das den ersten demokratisch gewählten Präsidenten Nelson Mandela 1994 bei einem Besuch seiner ehemaligen Gefängniszelle auf Robben Island zeigt, wurde von The Photographers Gallery in London in die Liste der 50 denkwürdigsten Bilder des 20. Jahrhunderts gewählt. Der gebürtige Berliner ging 1950 nach Südafrika. In den 1960ern und 1970ern lebte und arbeitete er auch in London, New York, Spanien und Frankreich, bevor er 1985 nach Südafrika zurückkehrte. Schadebergs Lebenswerk wurde unter anderem in dem 2004 erschienenen Film "Drum - Wahrheit um jeden Preis" gewürdigt.

Facebook droht Australien wegen Mediengesetz

Wegen eines geplanten Mediengesetzes in Australien hat Facebook Einschränkungen für seine Nutzer auf dem fünften Kontinent angedroht. Die Regierung in Canberra will die großen Internet-Konzerne zwingen, für Nachrichten, die sie von den traditionellen Medien übernehmen, zu zahlen. Im Gegenzug wolle es Facebook nicht mehr erlauben, lokale und internationale Nachrichten auf Facebook und Instagram zu teilen, warnte der Geschäftsführer in Australien und Neuseeland, Will Easton, in einem Blogbeitrag. Der australische Finanzminister Josh Frydenberg kritisierte die Ankündigung scharf. Man werde nicht auf Nötigung oder hartnäckige Drohungen reagieren. Mit dem Gesetz wolle man sicherstellen, dass Medienhäuser für die Nutzung ihrer Inhalte bezahlt werden. Bis Ende des Jahres soll es verabschiedet werden.

Pariser Louvre hilft dem Beiruter Nationalmuseum

Der Louvre hilft beim Schutz der Exponate des Nationalmuseums von Beirut, das durch die Explosion vom 4. August schwer beschädigt wurde. Es gehe darum, die Sicherheit des Gebäudes und der Sammlungen bei der Reparatur der Türen, Fenster und des Sicherheits-Systems zu gewährleisten, teilte das Pariser Museum mit. Dafür habe die "Internationale Allianz zum Schutz des Kulturerbes in Konfliktgebieten" mehr als 200-tausend Dollar zur Verfügung gestellt. Die schwere Explosion im Beiruter Hafen hatte das Nationalmuseums schwer beschädigt. Seitdem stehen die Exponate unter alleinigem Schutz der Wachen.

Kein Standort mehr für documenta-Institut

Wegen eines Streits um den Standort gibt es einen Rückschlag für den Bau des geplanten documenta-Instituts in Kassel. Das Stadtparlament hat am Montagabend seinen eigenen Beschluss aufgehoben, das Gebäude auf dem Parkplatz am Karlsplatz nahe dem Rathaus zu errichten, sagte ein Stadtsprecher. Damit verhinderten die Stadtverordneten einen Bürgerentscheid über den Standort. 7.000 Menschen in Kassel hatten sich gegen den Bau am Rand der Innenstadt ausgesprochen. Nun muss neu über einen Platz für das Institut entschieden werden. Es soll die documenta als weltweit wichtigste Ausstellung für moderne Kunst erforschen und ihre Geschichte aufarbeiten. Das Projekt soll 24 Millionen Euro kosten.

Frankreich öffnet Schulen unter strengen Auflagen

In Frankreich öffnen am Dienstag die Schulen des Landes unter strengen Corona-Auflagen. Die Regierung hat eine Maskenpflicht für alle Schüler ab elf Jahren und für Lehrkräfte angeordnet. Um erstmals wieder alle zwölf Millionen Schüler im Land unterrichten zu können, wird der Mindestabstand von einem Meter im Klassenzimmer dagegen nur empfohlen. Angesichts der zuletzt deutlich gestiegenen Corona-Infektionszahlen sehen viele Eltern in Frankreich den Schulbeginn mit Sorge. Eine Gruppe von Ärzten rief die Regierung auf, den Mund-Nasen-Schutz bereits ab dem Alter von sechs Jahren verpflichtend zu machen. Auch im Nachbarland Belgien beginnt am Dienstag die Schule wieder, ebenfalls mit einer Maskenpflicht für Erwachsene und Schüler ab elf Jahren.

Ramelow will Karneval und Weihnachtsmärkte erlauben

Thüringens Ministerpräsident Ramelow will trotz der Corona-Pandemie Karneval erlauben. Man kläre das "Wie" und nicht das "Ob", sagte der Linken-Politiker nach einem Treffen mit dem Thüringer Vorsitzenden des Landesverbandes der Karnevalsvereine. Der Verband habe bereits drei Konzepte vorgelegt, über die man nun sprechen wolle. Er könne sich Karneval und Weihnachtsmärkte vorstellen, weil er sich das Leben vorstellen wolle, machte Ramelow klar. Das Virus sei gefährlich, daher müsse man vermeiden, was ein leichtfertiges Weitergeben verursachen könne. Gestern hatte sich Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Laschet dafür ausgesprochen, auf Karneval zu verzichten.

Führung der Budapester Theater-Uni tritt zurück

Die gesamte Führung der angesehenen Budapester Universität für Theater- und Filmkunst ist zurückgetreten. Das erklärte der Rektor Upor Laszlo in Budapest. Grund für den Rücktritt ist ein Gesetz, das die Autonomie der Hochschule aufhebt. Es tritt am 1.September in Kraft. Dadurch gehen fast alle Leitungsbefugnisse des Rektorats, des Senats und der Dekanate auf ein neues Kuratorium über. Dieses ist ausschließlich mit Personen besetzt, die von der rechtsnationalen Regierung bestellt wurden.

Jonathan Jakubowicz bekommt Friedenspreis

Für den Film "Resistance" erhält der venezolanische Regisseur Jonathan Jakubowicz den nationalen Friedenspreis des Deutschen Films. Der Streifen erzählt vom französischen Widerstand im Zweiten Weltkrieg. Der US-Schauspieler Jesse Eisenberg stellt den Pantomimen Marcel Marceau dar. Der internationale Friedenspreis des Deutschen Films geht an den französische Regisseur Ladj Ly für seinen Film "Les Misérables", der schonungslos in Pariser Vorstädte blicke. "Les Misérables schreckt auf und verstört - und sensibilisiert so für die unkalkulierbaren Gefahren, die aus jeglicher Form der gesellschaftlichen Ausgrenzung entstehen", so die Jury. Der mit je 7500 Euro dotierte Friedenspreis des Deutschen Films ehrt künstlerisch wertvolle Filme mit humanistischer und gesellschaftspolitischer Dimension. Er wird seit 2002 vom Bernhard Wicki Gedächtnis Fonds verliehen, in Erinnerung an den Filmemacher Bernhard Wicki und seinen Antikriegsfilm "Die Brücke".

Michael Armitage mit Kunstpreis ausgezeichnet

Der britisch-kenianische Maler Michael Armitage hat den mit 20 000 Euro dotierten Kunstpreis Ruth Baumgarte erhalten. Die Auszeichnung ist nach der 2013 gestorbenen Stifterin benannt, die mehr als 40 Mal auf den afrikanischen Kontinent reiste und sich dort als Künstlerin inspirieren ließ. Der 1984 in Nairobi geborene Armitage verbinde in seinen Ölgemälden Elemente der westlich-europäischen Kunstgeschichte mit der künstlerischen Tradition Afrikas und entwickele dabei einen ganz eigenen Stil, begründete die Jury.

Anna Herrhausen leitet Kunst & Kultur

Anna Herrhausen, Geschäftsführerin der Alfred Herrhausen Gesellschaft, leitet bei der Deutschen Bank jetzt die Abteilung Kunst, Kultur und Sport. Die 42-Jährige folgt dort auf Übergangs-Chefin Anke Hallmann, wie das Finanzunternehmen in Frankfurt mitteilte. Die Sparte kümmert sich um weltweite Förderprogramme und Initiativen der Deutschen Bank, darunter das Engagement für zeitgenössische Kunst. Die Abteilung betreut in Berlin die Partnerschaft mit den Philharmonikern sowie das Forum "PalaisPopulaire". Seit 2016 leitet Herrhausen die Gesellschaft, die nach ihrem Vater Alfred Herrhausen benannt ist, dem Deutsche-Bank-Chef, der 1989 bei einem RAF-Attentat ums Leben kam.

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