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Kulturnachrichten

Montag, 4. November 2019

Türkische Journalisten kommen unter Auflagen frei

Nach mehr als drei Jahren Haft hat ein türkisches Gericht die Freilassung zweier prominenter Journalisten und Autoren angeordnet. Die Reporter Ahmet Altan und Nazli Ilicak wurden allerdings zu mehrjährigen Haftstrafen wegen Unterstützung einer Terrororganisation verurteilt, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. Das Istanbuler Gericht verurteilte Altan demnach zu zehn Jahren und sechs Monaten Haft, Ilicak erhielt eine Strafe von acht Jahren und neun Monaten. Die beiden Journalisten würden unter Auflagen freigelassen, sie müssten sich regelmäßig bei der Polizei melden. Altan und Ilicak waren kurz nach dem Umsturzversuch verhaftet worden. Im Februar 2018 waren sie wegen angeblicher Gülen-Verbindungen zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Ein höheres Gericht hob die Haftstrafen im Juli jedoch wieder auf und wies den Fall an das untergeordnete Gericht zurück.

DeGeneres bekommt Preis für Lebenswerk

Die US-Moderatorin Ellen DeGeneres wird bei den Golden Globes im kommenden Jahr für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Sie erhält bei der Gala am 5. Januar den Carol-Burnett-Preis. Das teilten die Veranstalter mit. Die Ehrung für besondere TV-Persönlichkeiten war in diesem Jahr zum ersten Mal verliehen worden - an die namensgebende Schauspielerin Carol Burnett. DeGeneres sei eine Pionierin, die ihre Zuschauer seit fast 25 Jahren mit unbestreitbarem Charme und Witz unterhalte, hieß es vom Verband der Auslandspresse (HFPA), der die Golden Globes vergibt. DeGeneres hat unter anderem eine tägliche nach ihr benannte Talkshow in den USA.

Historikerpreis für Ulinka Rublack

Die in Großbritannien lehrende Historikerin und Autorin Ulinka Rublack wird mit dem Historikerpreis 2019 ausgezeichnet. Die Auszeichnung des Historischen Kollegs wird ihr am Freitag in München überreicht. Die ursprünglich aus Tübingen stammende Wissenschaftlerin wird für das historische Familiendrama "Der Astronom und die Hexe. Johannes Kepler und seine Zeit" geehrt. In ihrem Buch richtet Rublack den Blick auf eine eher wenig bekannte Episode aus dem Leben des Astronomen Kepler: der Anklage seiner Mutter als Hexe. Der Preis des Historischen Kollegs wird seit 1983 alle drei Jahre verliehen. Frühere Preisträger waren unter anderen Karl Schlögel, Barbara Stollberg-Rilinger und Christopher Clark. Der Historikerpreis ist mit 30.000 Euro dotiert.

Über 500 Jahre alte Schrift kehrt nach Spanien zurück

Nach über 500 Jahren kehrt die sogenannte Kennicott-Bibel vorübergehend in ihre Heimat Spanien zurück. Die Bodleian Library in Oxford verleiht das prächtig illustrierte Werk, eine der größten Bibeln der Welt, für eine Ausstellung in Santiago de Compostela, wie die Zeitung "Guardian" berichtet. Der Schreiber Moses Ibn Zabarah hatte die Sammlung Heiliger Schriften des Judentums - nach christlicher Diktion das "Alte Testament" - 1476 im Auftrag einer reichen jüdischen Familie aus Galizien geschaffen. Durch die Vertreibung der Juden aus Spanien ab 1492 gelangte das Werk über Umwege schließlich nach England. Benannt ist es nach dem Gelehrten und Bibliothekar Benjamin Kennicott (1718-1783), auf dessen Rat hin die Universität Oxford das Werk für die Bodleian Library erwarb. Heute, nach 527 Jahren, bildet die Bibel das Herzstück der ersten von drei Ausstellungen, die die Beiträge Galiziens zur Weltkultur und -geschichte reflektieren sollen.

Hongkonger Publizist erhält Preis für verfolgte Schriftsteller

Der inhaftierte Hongkonger Buchhändler und Publizist Gui Minhai bekommt den diesjährigen Tucholsky-Preis der schwedischen Sektion des PEN-Clubs. Verliehen werde die mit umgerechnet rund 14.000 Euro dotierte Auszeichnung am 15. November, teilte der Autorenverband mit. Ein leerer Stuhl werde Gui Minhais Abwesenheit symbolisieren. Der politische Autor und Verleger lebte jahrelang in Schweden und hat die schwedische Staatsbürgerschaft. 2015 verschwand er in Thailand und tauchte in China wieder auf, wo er seitdem festgehalten wird.

Schriftsteller Ernst Augustin gestorben

Der Autor starb am 3. November, wenige Tage nach seinem 92. Geburtstag, in München, wie der Verlag C.H. Beck mitteilte. Er würdigte ihn als "einen der großen Schriftsteller deutscher Sprache". Augustin war Mitglied der Gruppe 47, der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt. Sein literarisches Schaffen war untrennbar verbunden mit seiner Arbeit als Mediziner und Psychiater. Augustin wurde 1927 in Hirschberg im Riesengebirge geboren und wuchs in Schwerin auf. 1958 bis 1961 leitete er ein Krankenhaus in Afghanistan. Für seine Werke hat er zahlreiche Auszeichnungen bekommen: unter anderem den Mörike-Preis (2009), den Ernst-Hoferichter-Preis (2008) und den Literaturpreis der Landeshauptstadt München (1999). Sein Roman "Robinsons blaues Haus" stand 2012 auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis.

Prix Goncourt geht an Jean-Paul Dubois

Der französische Schriftsteller Jean Paul Dubois wurde heute mit dem Prix Goncourt geehrt. Er bekam die Auszeichnung für seinen Roman „Tous les hommes n'habitent pas le monde de la même façon“. Es ist bereits der 22. Roman des französischen Schriftstellers, der nun mit dem wichtigsten Literaturpreis Frankreichs ausgezeichnet wurde. Der Vorsitzende der Jury, Bernard Pivot, sagte, Dubois habe einen ausgezeichneten Roman geschrieben. Die Jury wolle mit dem Prix Goncourt allerdings auch das literarische Gesamtwerk des Autors ehren.

Bundespräsident ehrt NS-Widerstandskämpfer Elser

Bundespräsident Steinmeier hat den NS-Widerstandskämpfer Georg Elser gewürdigt. Dieser sei "ein Großer, an den die Erinnerung viel zu lange kleingehalten worden ist", sagte Steinmeier in Elsers Heimatort Hermaringen bei Heidenheim. Der Bundespräsident sprach bei der Einweihung eines Denkmals, das zum 80. Jahrestag des Attentats Elsers auf Adolf Hitler errichtet wurde. Der Schreinergeselle Georg Elser hatte zum 8. November 1939 eine selbst gebaute Bombe im Münchner Bürgerbräukellers platziert, die Hitler auf einer NSDAP-Versammlung töten sollte. Der Anschlag scheiterte, weil der Diktator den Veranstaltungsort wegen schlechten Wetters früher als geplant verließ. Elser wurde verhaftet und im Konzentrationslager Sachsenhausen am 9. April 1945 im Konzentrationslager Dachau erschossen.

Maulwurf wird Tier des Jahres 2020

Die Deutsche Wildtierstiftung hat den Maulwurf zum Tier des Jahres 2020 gekürt. In Städten leide das Tier unter der Bodenversiegelung durch Asphalt und Beton, teilte die Naturschutzorganisation in Hamburg mit. Auch manche Gartenbesitzer stellten ihm nach. Allerdings sei der europäische Maulwurf nicht gefährdet. Die Stiftung möchte mit der Wahl nach eigenen Angaben auf den großen Nutzen aufmerksam machen, den das Tier habe. Es fresse Schädlinge und vertreibe Wühlmäuse. "Wer dem Maulwurf helfen will, akzeptiert Maulwurfhaufen und setzt auf einen naturnahen Garten", erklärte die Stiftung. 2019 war das Reh Tier des Jahres.

Sarah Bosetti erhält den Salzburger Stier

Die Berliner Autorin und Kabarettistin Sarah Bosetti wird mit dem „Salzburger Stier 2020" ausgezeichnet. "Innovative mediale Vielfalt und ein ganz eigener künstlerischer Umgang mit gesellschaftlichen Reizthemen von Populismus bis Feminismus" zeichne Bosetti aus, befand die Jury. Weitere Preisträger sind der Satiriker Renato Kaiser und der Kabarettist Florian Scheuba. Der mit insgesamt 18.000 Euro dotierte Salzburger Stier ist einer der bekanntesten und wichtigsten Kleinkunstpreise im deutschsprachigen Raum. Vergeben wird er von öffentlich-rechtlichen Radiosendern in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol. Die Preisverleihung findet am 16. Mai im Deutschlandfunk in Köln statt.

Billie Eilish erhält MTV Award für besten Song

Für ihren Hit "Bad Guy" ist die US-Sängerin Billie Eilish mit dem MTV Europe Music Award für den besten Song ausgezeichnet worden. Die 17-jährige wurde bei der Preisverleihung am Sonntag im spanischen Sevilla außerdem zur besten Newcomerin gekürt. Der Preis für das beste Musikvideo ging an die US-Popsängerin Taylor Swift für ihr Video "ME!". Als bester Künstler wurde der kanadische Popstar Shawn Mendes geehrt. Leer ausgegangen ist hingegen die US-Sängerin Ariana Grande aus, obwohl sie sieben Mal nominiert war.

Wilhelm-Raabe-Literaturpreis für Norbert Scheuer

Der Autor Norbert Scheuer ist in Braunschweig mit dem Wilhelm-Raabe-Literaturpreis ausgezeichnet worden. Der 67-Jährige bekommt die mit 30 000 Euro dotierte Auszeichnung für seinen Roman "Winterbienen". Mit seinem Werk, das auch für den Deutschen Buchpreis nominiert war, erreiche Scheuer eine äußerste Nähe von symbolischem Zeichen und konkreter Realität, heißt es in der Begründung der Jury. Scheuer erzählt in Tagebuch-Form die Geschichte eines Imkers, der Juden zur Flucht verhilft, um sich Medikamente zur Behandlung seiner Epilepsie kaufen zu können. Der jährlich verliehene Preis gehört zu den angesehensten literarischen Auszeichnungen im deutschsprachigen Raum. Stifter sind die Stadt Braunschweig und der Deutschlandfunk. Namensgeber ist der Schriftsteller Wilhelm Raabe (1831-1910).

Gedenkort für NSU-Opfer in Zwickau eingeweiht

Ein neuer Gedenkort für die Mordopfer des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) ist in Zwickau eingeweiht worden. Für alle zehn Opfer wurden in der sächsischen Stadt, in der das NSU-Trio jahrelang lebte und seinen letzten Unterschlupf hatte, Bäume gepflanzt. Zudem wurden Gedenktafeln mit den Namen der Mordopfer angebracht. Oberbürgermeisterin Pia Findeiß mahnte bei der Veranstaltung, mit der Einweihung des Gedenkortes dürfe das Engagement für die freiheitlich-demokratische Grundordnung nicht enden. Die Bäume sollten auch ein Zeichen der Hoffnung auf ein friedliches Zusammenleben sein. Anfang Oktober war in Zwickau ein erst kurz zuvor gepflanzter Gedenkbaum für das erste NSU-Mordopfer Enver Simsek abgesägt worden. Die Rechtsextremisten Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos hatten den türkischen Blumenhändler im September 2000 in Nürnberg erschossen.

MDR: Helmut Richter ist tot

Der Leipziger Lyriker Helmut Richter ist tot. Er starb im Alter von 85 Jahren. Das berichtet der MDR unter Berufung auf die Familie des Künstlers. Richter wurde durch die Zeilen "Über sieben Brücken musst du gehen, sieben dunkle Jahre überstehen" berühmt. Für einen Film gleichen Namens hatte der Keyboarder der Ostberliner Band Karat, Richters Verse vertont. Der Film lief 1978 im DDR-Fernsehen. Über dem Abspann lief das von Herbert Dreilich gesungene Lied, das zum Welthit wurde. Helmut Richter wurde 1933 als Sohn eines Schneiders im mährischen Freudenthal geboren. Nach Kriegsende wurde er mit seiner Mutter als Sudetendeutscher vertrieben und blieb zunächst in Sachsen-Anhalt. Er verdingte sich als Landarbeiter und Maschinenschlosser. Nach dem Besuch der Arbeiter- und Bauern-Fakultät studierte er in Leipzig Physik und war danach als Prüfingenieur tätig. Anfang der Sechziger Jahre entdeckte er seine Begabung fürs Schreiben und begann, am "Johannes R. Becher"-Institut für Literatur in Leipzig zu studieren. Ab 1970 leitete Richter dort das Lyrik-Seminar.1982 gründete er den Kulturalmanach "Leipziger Blätter". 1990 wurde er zum Direktor des Literatur-Institutes gewählt, an dem er zuvor als Dozent tätig war. Unterstützt von prominenten Autoren wie Elfriede Jelinek oder Peter Turrini gelang es ihm, die Schließung abzuwenden.

Deutsche Kinemathek widmet "Lindenstrasse" eine Sammlung

Die Deutsche Kinemathek in Berlin widmet der ARD-Kultserie „Lindenstraße“ ab der kommenden Woche eine eigene Sammlung. Das Museum hat dafür in Zusammenarbeit mit dem WDR und der Produktionsfirma GFF rund 370 Folgen ausgewählt. Ausgesucht wurden etwa alle Folgen, die Hochzeiten, Todesfälle oder Bundestagswahlen zeigen. Für die Fernsehforscherin Klaudia Wick ist die Serie „ein Stück bundesrepublikanische Zeitgeschichte“. Wick sagte der Deutschen Presseagentur, Produzent Geißendörfer habe sich 1985 etwas Gewagtes vorgenommen, als er ein Gegenmodell zu Serien wie „Schwarzwaldklinik“ oder „Dallas“ schaffen wollte: „Die Leute sollten den Fernseher anmachen und sich selbst wiedererkennen.“ Gleichzeitig sei die Serie ihrer Zeit aber oft vorausgewesen. Wick verwies etwa auf einen Zungenkuss von zwei Männern oder vegane Ernährung, die schon 1995 in der Serie Thema war. Die Wissenschaftlerin bedauerte, dass die „Lindenstraße“ wegen sinkender Einschaltquoten im März 2020 eingestellt wird. Eine Serie, die so auf Dauer angelegt sei, habe andere Qualitäten als nur die momentane Popularität.

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Fazit

Ersan Mondtags "Die Verdammten" in KölnUnter Untoten
Eine lange Tafel, an deren beiden Enden zwei Frauen sitzen. Eine Frau sitzt auf dem Tisch. Im Hintergrund ist ein überdimensioniertes Foto eines Babys zu sehen. Dahinter ist eine Treppe zu sehen, auf deren oberen Ende ein Mann sitzt. Über allem liegt eine Schicht weiße Federn. (Birgit Hupfeld / Schauspiel Köln)

Ersan Mondtag inszeniert Luchino Viscontis „Die Verdammten“ am Schauspiel Köln. Das Stück über eine deutsche Industriellenfamilie, die sich mit den aufstrebenden Nationalsozialisten einlässt, lässt für unseren Kritiker Michael Laages Fragen offen.Mehr

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