Seit 15:05 Uhr Tonart

Montag, 18.11.2019
 
Seit 15:05 Uhr Tonart

Kulturnachrichten

Mittwoch, 5. September 2018

Mediziner Svante Pääbo erhält Körber-Preis

Forscher habe Verständnis der Menschheitsgeschichte revolutioniert

Der in Leipzig forschender schwedischer Mediziner und Biologe Svante Pääbo (63) erhält den Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft. Ausgezeichnet wird Pääbo für seine Pionierleistungen auf dem Gebiet der Paläogenetik. Zu seinen bedeutendsten wissenschaftlichen Durchbrüchen zählt die Entschlüsselung des Neandertaler-Genoms. "Seine Arbeiten haben unser Verständnis der Evolutionsgeschichte der modernen Menschen revolutioniert. Denn sie trugen wesentlich zu der Erkenntnis bei, dass Neandertaler und andere ausgestorbene menschliche Gruppen einen Beitrag zur Abstammung der heutigen Menschen geleistet haben", begründete die Jury ihre Auswahl. 1984 gelang dem Wissenschaftler erstmals die Klonierung der DNA einer Mumie. Er wies nach, dass DNA in altägyptischen Mumien überdauern kann, und erlangte so fachlichen Ruhm als Pionier der Paläogenetik. Paläogenetiker erforschen die Genome altertümlicher Organismen und ziehen daraus Rückschlüsse auf den Verlauf der Evolution. Die mit 750.000 Euro dotierte Auszeichnung wird Pääbo am Freitag im Hamburger Rathaus verliehen.

Mehr Geld für Erhalt von schriftlichem Kulturgut

Historische Handschriften "akut gefährdet"

Es geht um wertvolle Handschriften etwa von Bertolt Brecht, Heinrich Heine und Robert Schumann: Der Bund erhöht in diesem Jahr die Mittel für den Erhalt schriftlichen Kulturguts von 1 Million auf 2,5 Millionen Euro. "Viele historische Handschriften, Bücher und Urkunden in unseren Archiven und Bibliotheken sind durch Säurefraß, Feuchtigkeit und Schimmel in ihrer Substanz akut gefährdet", erklärte Kulturstaatsministerin Monika Grütters in Berlin. "Es liegt in unserer Verantwortung, dieses Erbe als kulturellen Schatz und Quelle für die Wissenschaft vor dem schleichenden Verfall zu bewahren und für künftige Generationen zu erhalten." Grütters appellierte an die Länder, dem Beispiel des Bundes zu folgen und die Landesmittel ebenfalls aufzustocken. Die gewaltige Aufgabe sei nur mit vereinten Kräften von Bund, Ländern und Kommunen zu bewältigen.

Klagen gegen Umbau der Hedwigs-Kathedrale

Urheberrecht von Architekt werde verletzt

Der Streit um die Neugestaltung der St.-Hedwigs- Kathedrale in Berlin geht auch nach dem offiziellen Beginn der Arbeiten weiter. Nachfahren des Architekten Hans Schwippert (1899-1973) und der am Bau beteiligten Künstler haben Klagen vor dem Landgericht und dem Verwaltungsgericht eingereicht. Das bestätigte ein Vertreter der Kläger, der Anwalt Lothar C. Poll. Durch die geplante Schließung des Zugangs zur Unterkirche werde das Urheberrecht des Architekten und der Künstler verletzt, argumentieren die Kläger. Mit der Neugestaltung soll der Altar in die Mitte rücken. Auch Fenster sollen ersetzt und Dekoration verändert werden. Die Kosten für die Renovierung der Kirche und des benachbarten Lichtenberg-Hauses werden auf rund 60 Millionen Euro beziffert.

Kritik an der hohen Zahl von Promotionen

Hochschulen brauchten "diese Masse" nicht

Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Peter-André Alt, hat die hohe Zahl von etwa 30.000 Promotionen pro Jahr in Deutschland kritisiert. "Diese Entwicklung müssen wir kritisch hinterfragen", sagte Alt dem "Handelsblatt". Eine Promotion sei in Deutschland attraktiv, weil sie bei der Karriere helfe. Doch die Hochschulen brauchten "diese Masse" nicht. "Am Ende bleibt nicht einmal jeder fünfte in der Wissenschaft", sagte Alt. Er forderte, die Zahl der Promotionen zu reduzieren. Eine Garantie für eine akademische Karriere könne die Promotion ohnehin nicht bieten. "Aber wir sollten auch nicht bei zu vielen die Hoffnung darauf wecken", sagte Alt.

Keine Anklage gegen Kevin Spacey in Kalifornien

Fall verjährt

Der Schauspieler Kevin Spacey wird in Kalifornien wegen Vorwürfen sexueller Übergriffe nicht vor Gericht gestellt. Der Fall sei verjährt, teilte die Staatsanwaltschaft in Los Angeles mit. Die Ermittler hatten Vorwürfe eines Mannes geprüft, der angegeben hatte, 1992 von Spacey belästigt worden zu sein. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft handelte es sich dabei nicht um einen Minderjährigen. Im vorigen Herbst waren zahlreiche Vorwürfe sexueller Übergriffe gegen den "House of Cards"-Star Spacey vorgebracht worden. Der Schauspieler Anthony Rapp hatte angegeben, als 14-Jähriger in den 1980er Jahren belästigt worden zu sein. Am Londoner Old Vic Theater könnte Spacey in seiner Zeit als künstlerischer Direktor Berichten zufolge mindestens 20 Männer belästigt haben. Auch in England waren Ermittlungen angelaufen.

Neuer Präsident der American Academy

Mehrfach ausgezeichneter Journalist Terry McCarthy

Die American Academy in Berlin hat einen neuen Präsidenten. Der Journalist Terry McCarthy sei vom Kuratorium für das Amt ernannt worden, teilte das deutsch-amerikanische Wissenschafts- und Kulturzentrum mit. McCarthy war Auslandskorrespondent für die TV-Sender ABC und CBS sowie die Zeitung "The Independent" und das Magazin "Time". Zuletzt war er Vorsitzender des Los Angeles Word Affairs Council. Der mit mehreren Preisen ausgezeichnete Reporter wird Nachfolger des Kulturwissenschaftlers Michael P. Steinberg, der an die Brown-Universität zurückkehrt. Die 1994 auf Initiative des US-Diplomaten Richard Holbrooke (1941-2010) gegründete Akademie fördert den Austausch zwischen Deutschland und den USA unter anderem über Studienaufenthalte von Wissenschaftlern und Künstlern in Berlin.

Kurator Kasper König: Zu viel Geld im Kunstbetrieb

Gegen den "Individual-Hype" der Künstler

Kasper König, einer der wichtigsten deutschen Ausstellungskuratoren, hält nicht mehr viel vom Kunstbetrieb. "Wenn ich heute noch mal jung wäre, würde ich mich mit Musik oder mit Film beschäftigen", sagte der 74-Jährige dem "Zeitmagazin". "Es geht heute um zu viel Geld, und ich mag diesen Individual-Hype der Künstler auch nicht. Manche Künstler denken, nur weil sie ein paar gute Bilder gemalt haben, können sie auch eine Oper inszenieren, und verstehen dann nicht, dass sie ausgebuht werden." Gleichwohl würde König bei der nächsten Documenta in Kassel gerne mitmischen. "Nicht als Kurator, eher in der Kommission, die die Kuratoren auswählt", sagte er. König leitete zwölf Jahre lang bis 2012 das Museum Ludwig in Köln. Er ist Initiator der Freiluft-Großausstellung Skulptur Projekte in Münster, die seit 1977 alle zehn Jahre veranstaltet wird.

Neues Buch beschreibt Trump als wütend und paranoid

Watergate-Reporter Woodward enthüllt peinliche Details aus dem Weißen Haus

Ein neues Enthüllungsbuch setzt US-Präsident Donald Trump unter Druck. Autor ist Bob Woodward, der in den 70er-Jahren den Watergate-Skandal aufdeckte und heute Mitherausgeber der „Washington Post" ist. Für das Buch "Fear - Trump in the White House" führte Woodward nach eigenen Angaben Gespräche mit zahlreichen aktuellen und früheren Mitarbeitern Trumps. Sie würden seine Anweisungen vielfach ignorieren, weil sonst die internationale Sicherheit und das Welthandelssystem gefährdet wären. Verteidigungsminister James Mattis habe nach einer Debatte um die US-Präsenz in Südkorea gesagt, Trump habe den Verstand "eines Fünft- oder Sechstklässlers". Stabschef John Kelly habe Trump als "Idioten" bezeichnet. Der US-Präsident übte scharfe Kritik an Woodward. Es sei kein Zufall, dass das Buch kurz vor den Kongresswahlen erscheine. Auf Twitter verwies Trump auf Erklärungen von Mattis und Kelly, in denen diese die ihnen zugeschriebenen Zitate zurückwiesen. Woodwards Buch erscheint offiziell am 11. September.

Grammy-Stiftung würdigt Dolly Parton

Country-Ikone wird als "Person des Jahres" geehrt

Die Country-Ikone Dolly Parton wird von den Grammy-Verleihern für ihre künstlerischen und karitativen Verdienste geehrt. Vor der Grammy-Gala im Februar 2019 soll die vielfach preisgekrönte Sängerin die Auszeichnung als "Person des Jahres" erhalten, teilte die Stiftung mit. Die 72-Jährige sei die erste Künstlerin aus der Country-Hochburg Nashville, der diese Ehre zukomme. Dolly Parton verkaufte in ihrer jahrzehntelangen Karriere über 100 Millionen Tonträger und wurde mit insgesamt acht Grammys ausgezeichnet. In früheren Jahren waren unter anderem Ex-Beatle Paul McCartney, Rocker Bruce Springsteen und Folklegende Bob Dylan von der Stiftung der Grammy verleihenden Recording Academy zur "Person Of The Year" gekürt worden.

Deutschland will Nationalmuseum in Rio helfen

Feuer hatte vor zwei Tagen weite Teile des Gebäudes zerstört

Nach dem verheerenden Großbrand im brasilianischen Nationalmuseum in Rio de Janeiro hat auch Deutschland seine Hilfe zugesagt. Dabei gehe es um Bergung, Sicherung und Restaurierung von Dokumenten und Kunstwerken, sagte die für Kultur zuständige Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Michelle Müntefering. Das brasilianische Nationalmuseum ist das größte Natur- und Völkerkunde-Museum Lateinamerikas und verfügte über einen Bestand von rund 20 Millionen Exponaten. Vor zwei Tagen war das Gebäude durch ein Feuer weitgehend zerstört worden. Das Museum, das 1818 vom portugiesischen König João VI. gegründet worden war, hatte im Juni sein 200-jähriges Bestehen gefeiert. Hinter der Tragödie steckten "fehlendes Geld und eine große Bürokratie", sagte Museumsdirektorin Cristiana Serejo der Tageszeitung "Folha die São Paulo". Nur etwa zehn Prozent der Sammlung hätten gerettet werden können. Kulturminister Sergio Sá Leitao gab in einem Fernseh-Interview zu, dass es "Jahre der Nachlässigkeit" bei der Instandhaltung des Museums gegeben habe.

Kulturnachrichten hören

September 2018
MO DI MI DO FR SA SO
27 28 29 30 31 1 2
3 4 5 6 7 8 9
10 11 12 13 14 15 16
17 18 19 20 21 22 23
24 25 26 27 28 29 30

Fazit

Margaret Atwood wird 80Humanistin und hellsichtige Mahnerin
Die kanadische Schriftstellerin Margaret Atwood (picture alliance / AP / Invision / Arthur Mola)

Weltberühmt wurde sie mit ihrer Dystopie "Der Report der Magd". Heute feiert die kanadische Schriftstellerin Margaret Atwood ihren 80. Geburtstag. Über ihre teilweise düsteren Visionen sagt sie: "Ich beschreibe nur, was wir schon tun oder tun könnten."Mehr

weitere Beiträge

Kompressor

Netz-IkonenWenn Protestbilder viral gehen
Die Aktivistin Leshia Evans stellt sich im Juli 2016 der Polizei entgegen. In Baton Rouge, im US-Bundesstaat Louisiana, war es zu heftigen Protesten gegen Polizeigewalt gegen Afroamerikaner gekommen. (World Press Photo/AP Photo/Jonathan Bachmann/Thomson Reuters)

Bilder spielen für Protestbewegungen eine zentrale Rolle. Über sie können Botschaften transportiert werden und besonders ikonische Fotos können mehr Aufmerksamkeit für ein Thema wecken. Wie hat sich diese Dynamik im Netz-Zeitalter verändert?Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur