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Kulturnachrichten

Samstag, 16. September 2017

Aktuelle deutsche Kunst in der Verbotenen Stadt

Ausstellerisches "Weltereignis" in China

Es sei das erste Mal, dass einem westlichen Ausland gestattet sei, die aktuelle Kunstszene in der Verbotenen Stadt zu präsentieren, sagte Walter Smerling, Vorsitzender der Stiftung für Kunst und Kultur. "In dieser Hinsicht ist es ein Weltereignis", betonte der Vermittler deutscher Kunst in China im Deutschlandfunk Kultur. Seit zwanzig Jahren wollte er "die Kunstszenen zusammenbringen": "Nach dieser vertrauensvollen Zusammenarbeit ist es gelungen, die Einladung zu erhalten, an acht verschiedenen Orten deutsche Kunst zu präsentieren. (...) Es ist ein tolles Zeichen für Austausch", sagte Smerling weiter. Am Sonntag eröffnet Bundesaußenminister Sigmar Gabriel in Taimiao-Tempel dieses Großprojekt, das gleichzeitig an 8 Orten in Peking stattfindet. 55 deutsche Künstler mit rund 300 Werken stellen aus. Anlass ist die Aufnahme diplomatischer Beziehungen vor 45 Jahren. Am Ende ist ein eintägiges Symposium mit deutschen und chinesischen Kunstwissenschaftlern und Künstlern geplant.

Kritik der digitalen Arbeitswelt

"Ans Mobilgerät gekettet"

Wir seien statt an den Schreibtisch ans Mobilgerät gekettet, meint der Autor und Journalist Markus Albers. "Wir haben die Ketten an dem Schreibtisch abgeworfen und uns dann nur längere Ketten angelegt und sind jetzt eben an die Bildschirme gekettet, und das ist vielleicht schlimmer", kritisierte er im Deutschlandfunk Kultur. Seine Kinder würden ihn bestimmt einmal später fragen, was denn ein Feierabend gewesen sei, betonte Albers: "Der Feierabend ist ja heute eigentlich schon tot, dieses Konzept, dass man irgendwann das Büro verlässt und dann nicht mehr arbeitet. Die Arbeit sickert gerade in den allerletzten Lebensbereichen auch rein." Ein Zurück zum alten Nine-to-Five-Arbeitstag gebe es nicht, meint Albers. Eine gesetzliche Regelung wie etwa in Frankreich, dass Arbeitnehmer nach Feierabend nicht mehr erreichbar sein müssen, hilft seiner Ansicht nach wenig: "Gesetzgebung wird immer der technischen Entwicklung hinterherlaufen, und ich glaube, dass da nicht die Lösung liegt."

Oktoberfest in München eröffnet

Größtes Volksfest der Welt mit verschärften Sicherheitsmaßnahmen

In München ist das 184. Oktoberfest eröffnet worden. Oberbürgermeister Reiter, SPD, zapfte um 12 Uhr das erste Fass Bier an. Die erste Maß erhielt traditionsgemäß Ministerpräsident Seehofer, CSU. Rucksäcke und große Taschen sind auch in diesem Jahr aus Sicherheitsgründen verboten. Bis zum 3. Oktober werden an die sechs Millionen Besucher zum größten Volksfest der Welt erwartet. "Auf eine friedliche Wiesn", sagte Reiter zur Eröffnung. Aus Sorge vor Anschlägen weiteten dennoch Stadt und Polizei das Sicherheitskonzept noch einmal deutlich aus. Die Straßen um die Theresienwiese sind schon seit Tagen gesperrt. Schranken, Pflanztröge und Poller sollen verhindern, dass Fahrzeuge auf das Gelände rasen können. Inzwischen werden auch alle Lieferanten, die für die Wirte und Schausteller am frühen Morgen Nachschub bringen, genau kontrolliert.

Street-Art wird museal

Streetart-Experte: "Das Museum ist gar nicht so verkehrt"

Banksy, Herakut und 3D - die Pioniere der Straßenkunst sind in Berlin auch im Museum zu sehen. Das neue Streetart-Museum Urban Nation, das heute eröffnet wird, versucht Beispiele aus allen Epochen und Stilrichtungen abzubilden. Damit soll auch dem breiten Publikum ein Einblick in die Vielfalt der Szene geboten werden. Die Idee eines Streetart-Museums "klingt zunächst nach einem Widerspruch", sagte Martin Arz im Deutschlandfunk Kultur. Für den Streetart-Experten sei es jedoch "gar nicht so verkehrt": "Es soll letztlich dazu dienen, dass etwas, was – wie die Streetart – von der Vergänglichkeit lebt, durch Dokumentationen, durch Fotos, durch Ausstellungen ein bisschen länger erhalten bleibt", unterstrich Arz. In dem Museum werden in der Eröffnungsausstellung künftig Werke von rund 150 Streetart-Künstlern aus aller Welt präsentiert werden. Zudem will das Haus ab 2018 Künstler einladen. Zehn sogenannte "Residenzen" seien geplant. In regelmäßigen "Open Studios" sollen Besucher den Künstlern bei der Arbeit zuschauen können, wie die Künstlerische Direktorin Yasha Young betont: "Das ganze Haus ist ein Prozess. Es wächst peu à peu wie ein Baum".

Harry Dean Stanton gestorben

US-Schauspieler spielte unter anderem in "Paris, Texas" von Wim Wenders

Der US-Schauspieler Harry Dean Stanton ist tot. Er sei in einem Krankenhaus in Los Angeles gestorben, berichtete das US-Portal "TMZ". Stanton wurde 91 Jahre alt. Er begann seine Filmkarriere in den 50er-Jahren, zunächst mit Nebenrollen in Western. Eine seiner wenigen Hauptrollen spielte er 1984, als ihn der deutsche Regisseur Wim Wenders in seinem Roadmovie "Paris, Texas" an die Seite von Nastassja Kinski stellte. Insgesamt wirkte Stanton an rund 250 Filmen mit, darunter "Der Pate II" oder "Pretty in Pink". Einen seiner letzten Auftritte hatte der aus Kentucky stammende Schauspieler in der dritten "Twin Peaks"-Staffel, die seit diesem Frühjahr ausgestrahlt wird. Der Regisseur David Lynch, mit dem Stanton zuletzt gedreht hatte, würdigte ihn als "großartigen Schauspieler und fantastischen Menschen". Ihr gemeinsamer Film "Lucky" läuft ab dem Jahresende auch in Europa. Darin spielt Stanton einen gealterten Atheisten, der sich auf eine spirituelle Reise begibt.

Sorge um Unabhängigkeit der documenta

Ex-documenta-Chef Buergel warnt vor politischer Einmischung

Der frühere künstlerische Leiter der documenta Roger M. Buergel fürchtet um die Unabhängigkeit der finanziell angeschlagenen Kunstausstellung in Kassel. "Meine Angst ist, dass jetzt politischen Interventionen die Tür geöffnet ist", sagte Buergel. Das "Konstrukt documenta" sei in Gefahr. Der Direktor des Züricher Johann Jacobs Museums war für die documenta 12 im Jahr 2007 verantwortlich. Bisher habe die künstlerische Leitung einen hohen Grad der Autonomie gehabt. "Die Politik hat nie reingepfuscht, der Aufsichtsrat hat sich vornehm zurückgehalten". Das dürfe sich durch den Konflikt um die aktuelle documenta 14 nicht ändern. "Riskante Projekte muss es immer geben", sagte Buergel. Sonst verliere die Ausstellung ihren Reiz. Dass die aktuelle Ausstellung möglicherweise keinen neuen Besucherrekord aufstellt, findet Buergel nicht schlimm: Das sei eine "Orientierungsgröße für Inkompetente". Debatten um die künstlerische Qualität der documenta werde es immer geben.

Auschwitz-Museum erwirbt 18 Gemälde

Der Künstler David Olère überlebte das Vernichtungslager

Das Museum im ehemaligen Nazi-Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau hat 18 Gemälde eines polnisch-französischen Holocaust-Überlebenden erworben. Die nach 1945 entstandenen Bilder des jüdischen Künstlers David Olère zeigen das Grauen der Gaskammern. Olère war dem sogenannten Sonderkommando zugeteilt und musste die Leichen aus den Gaskammern und die Asche aus den Öfen entfernen. Der Künstler sei der einzige Sonderkommando-Gefangene, der seine "traumatischen Erlebnisse auf Papier und Leinwand festhielt", sagte Museumsleiter Piotr Cywinski. Mit der Neuerwerbung verfügt das Museum nun über die weltweit größte Sammlung des Malers, der 1985 in Frankreich starb. Olères Enkel unterstützt das Museum dabei, eine Ausstellung vorzubereiten.

Forschungsstelle "Entartete Kunst" gesichert

Unterstützung aus dem Bundeshaushalt für 2018

Die Forschungsstelle "Entartete Kunst" an der Freien Universität (FU) Berlin ist auch für das kommende Jahr sichergestellt. Wie Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) mitteilte, will sie die Forschungsstelle erneut aus dem Bundeskulturhaushalt finanzieren. Ab 2019 will die Freie Universität selbst die Finanzierung der Stelle übernehmen. Die Forschungsstelle wurde 2003 auf Initiative der Ferdinand-Möller-Stiftung gegründet. Im Fokus der Forschung stehen die Methoden nationalsozialistischer Kunstpolitik, vor allem die Geschichte und Folgen der Beschlagnahme moderner Kunstwerke in deutschen Museen durch die Nationalsozialisten im Jahr 1937. Die Förderung durch die Ferdinand-Möller-Stiftung war Ende 2015 beendet worden.

Deutsche Welle und Pariser Sender kooperieren enger

Medienhäuser wollen europäische Werte vermitteln

Die Deutsche Welle (DW) und der französische Auslandssender FMM wollen ihre Zusammenarbeit intensivieren und den Europa-Schwerpunkt stärken. Gemeinsames Ziel der Medienhäuser sei es, jungen Menschen weltweit die europäischen Werte nahezubringen, teilte die DW mit. "Angesichts der zahlreichen globalen Krisen wächst die Bedeutung international agierender Sender", sagte DW-Intendant Peter Limburg. "Ich bin optimistisch, dass wir mit vereinten Kräften viele Menschen mit unabhängigen, verlässlichen Informationen über Europa erreichen können". DW und FMM haben im Frühjahr bereits gemeinsam mit der italienischen Nachrichtenagentur ANSA die Online-Plattform "InfoMigrants" für Flüchtlinge gegründet.

Gerhard Schröder kauft Porträt von Helmut Schmidt

Expressionistisches Bild für 18.000 Euro ersteigert

Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder hat für 18.000 Euro ein Porträt seines Vor-Vorgängers Helmut Schmidt ersteigert. Es handle sich um ein expressionistisches Porträt, das der Künstler Oskar Kokoschka 1976 von Schmidt schuf, teilte das Auktionshaus Schloss Ahlden in Niedersachsen mit. Der SPD-Politiker habe das Porträt inzwischen abgeholt. Das Bild stamme aus dem Besitz von Schmidts verstorbener langjährigen Mitarbeiterin und letzten Lebensgefährtin Ruth Loah.

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Fazit

Kritik an Karl-May-FestspielenDebatten statt Verbote
Nebendarsteller machen ein Selfie am Rande der Präsentation erster Szenen aus "Unter Geiern - Der Sohn des Bärenjägers" der Karl-May-Spiele. (picture alliance/Frank Molter/dpa)

"Professorin will diesen Winnetou abschaffen" titelte eine Boulevardzeitung nach Kritik an den Karl-May-Festspielen. So weit will niemand gehen, aber es gibt gute Gründe, die Darstellung von native americans zu verändern, findet Noa Ha von der Uni Dresden.Mehr

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