Montag, 23.09.2019
 

Kulturnachrichten

Sonntag, 27. September 2015

Jugenddrama gewinnt in San Sebastián

Überraschender Hauptpreis für "Sparrows"

Das Jugenddrama des Isländers Runar Runarsson hat überraschend den Hauptpreis der Goldenen Muschel für den besten Film beim internationalen Filmfestival in San Sebastián gewonnen. Dies gab die Jury auf der Abschlussgala der 63. Ausgabe der Festspiele in der nordspanischen Küstenstadt bekannt. Das Drama "Sparrows" (Spatzen) handelt vom Eintritt eines 16-jährigen Jugendlichen in die Welt der Erwachsenen. Es spielt in einem isländischen Dorf, das unter der Finanzkrise in dem Inselstaat zu leiden hat. Insgesamt 18 Filme hatten am Hauptwettbewerb teilgenommen. Deutsche Streifen waren nicht darunter gewesen. Der Belgier Joachim Lafosse erhielt mit seinem Film "Les Chevaliers Blancs" (Die weißen Ritter) die Silberne Muschel für die beste Regie. Das Festival in der baskischen Metropole zählt - neben Berlin, Venedig und Cannes - zu den großen Filmfestspielen in Europa.

Französischer Ritter der Künste

Orden für Wuppertaler Museumsdirektor|

Der Direktor des Wuppertaler Von der Heydt-Museums, Gerhard Finckh, ist zum französischen Ritter der Künste ernannt worden. Frankreichs Botschafter Philippe Etienne verlieh Finckh (63) am späten Abend in Wuppertal die angesehene Ehrenauszeichnung "Chevalier de l'Ordre des Arts et des Lettres". Finckh leiste mit seinem "herausragenden Engagement" für die Kunst einen Beitrag für die deutsch-französischen Beziehungen, sagte Etienne. "Seine Ausstellungen verhelfen der französischen Kunst in Deutschland zu einzigartiger Sichtbarkeit." Finckh, der seit 2006 das Von der Heydt-Museum leitet, hat mehrere international beachtete Ausstellungen zu den französischen Impressionisten präsentiert. Allein die Schau zu Claude Monet zog rund 300 000 Besucher nach Wuppertal. Zusammen mit der Stadt Reims organisierte er eine eindrucksvolle Ausstellung zum Ersten Weltkrieg.

Verleihung des Nürnberger Menschenrechtspreises

Ehrung für Gewerkschafter aus Bangladesch

Amirul Haque Amin aus Bangladesch ist am Vormittag mit dem Nürnberger Menschenrechtspreis ausgezeichnet worden. Der Gründer einer Gewerkschaft wurde für sein beharrliches Engagement für bessere Arbeitsbedingungen in Textilfabriken geehrt. Der renommierte Nürnberger Menschenrechtspreis ist mit 15.000 Euro dotiert und wird bereits zum 20. mal verliehen. Bei der Preisverleihung hielt Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister Gabriel eine Rede.

"Mohamed - Eine Abrechnung"

Neues Buch des Islamkritikers Hamed Abdel-Samad

Am Abend stellt der Islamkritiker Hamed Abdel-Samad in Berlin sein neues Buch "Mohamed - Eine Abrechnung" vor. Seine These: Islamistischer Fundamentalismus und Intoleranz sind eine Folge der Überhöhung von Koran und ­Mohamed. Erst wenn Muslime es wagen, Mohameds Unantastbarkeit in Frage zu stellen und ihn Mensch werden zu lassen, beginnt eine Reform des Denkens. Sein Buch „Der islamische Faschismus (2014) hatte ihm bereits viel Ärger und viele Feinde eingebracht. Es hatte eine Fatwa, ein religiöses Rechtsgutachten, zur Folge, die seine Ermordung forderte. Seitdem lebt der 43-Jährige unter Polizeischutz. In seinem neuen Buch steht Mohammed, der Prophet selbst, in der Kritik. Es erscheint am kommenden Donnerstag, den 1. Oktober.

Rheingau-Literatur-Preis

Auszeichnung für Klaus Modick

Für seinen Roman "Konzert ohne Dichter" hat der Schriftsteller Klaus Modick den Rheingau-Literatur-Preis erhalten. Die Jury lobte das komplexe literarische Zusammenspiel von Erinnerungen und erzählter Gegenwart. Darin entfalte Modick "ein vielschichtiges Doppelporträt zweier gegensätzlicher Künstlerpersönlichkeiten". In seinem Roman lässt Modick den jungen Lyriker Rainer Maria Rilke auf den erfolgreichen, aber von künstlerischen Selbstzweifeln geplagten Jugendstilmaler Heinrich Vogeler treffen. Der 1951 geborene Modick nahm die mit 11 111 Euro und 111 Flaschen Rheingauer Riesling dotierte Auszeichnung in Oestrich-Winkel entgegen. Zu den bisherigen Trägern, des Preises, gehören unter anderen Robert Gernhardt, Clemens Meyer und Ursula Krechel.

Enzensberger warnt vor Elektronischer Zahlung

"Wer Bargeld abschafft, schafft die Freiheit ab"

Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger (85) warnt davor, das Bargeld abzuschaffen und nur noch elektronisch zu bezahlen. "Wer das Bargeld abschafft, schafft die Freiheit ab", sagte Enzensberger in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Regierungen könnten uns am Ende total kontrollieren." Über die Geldbewegung ließe sich nachvollziehen, "was die Leute so treiben. Das wäre totalitär." Für die Liebe sei das Geld ein Störfaktor, so Enzensberger weiter. "Geld stört, weil es uns an der Aufrichtigkeit der Gefühle zweifeln lässt." Der Reiche müsse sich deshalb als arm ausgeben, damit er um seiner selbst willen geliebt wird. Enzensbergers neues Buch "Immer das Geld! - Ein kleiner Wirtschaftsroman" erscheint Anfang Oktober bei Suhrkamp.

Neue Glocken für Hamburger Michel

Weihung von zwei Glocken

Fast 100 Jahre nach dem Einschmelzen von acht Glocken im Ersten Weltkrieg soll das Glockenspiel des Hamburger Michel bald wieder komplett sein. Die noch fehlenden zwei Uhrschlagglocken wurden heute bei einem "Glockenfest" geweiht und erstmals angeschlagen. Sie waren Mitte September von einer hessischen Gießerei geliefert worden und sollen Anfang des nächsten Jahres im Turm des Hamburger Wahrzeichens installiert werden. Die größere der beiden Glocken wiegt 1700 Kilo und wird nach jeder Bitte des Vaterunser-Gebets im Gottesdienst geschlagen. Die kleinere, 870 Kilo schwere Halbstundenglocke wird zur halben, dreiviertel und vollen Stunde erklingen.

Sonderausstellung im Gleimhaus

Das Beste aus 20 Jahren

Das Gleimhaus in Halberstadt widmet den besten Bereicherungen der eigenen Sammlung jetzt eine Sonderausstellung. Die Schau mit dem Titel "Gelegenheiten, Trouvaillen, Desiderate. Erwerbungen der vergangenen zwei Jahrzehnte" gebe Einblicke in den Sammeleifer der Museumsleute und zeige, welche Gelegenheiten und Möglichkeiten der Kunstmarkt biete, teilte das Literaturmuseum in Halberstadt mit. Erstmals bekomme der Besucher einen Eindruck, welche Aufregung es bei unverhofften Schenkungen gebe und wie groß die Freude über Zusagen für Ankäufe sei. Auch Enttäuschungen bei Auktionen und noch unerfüllte Wünsche würden thematisiert und dokumentiert. Die Ausstellung ist vom 11. Oktober bis 10. Januar 2016 zu sehen.

Premiere des Internet-Krimis "Die Netzwelt"

Viel Applaus für schockierendes Stück

Die Uraufführung des Internet-Krimis "Die Netzwelt" am Münchner Residenztheater war ein Publikumserfolg. Das Theater hat mit dem Stück eine ebenso apokalyptische wie realitätsnahe virtuelle Schreckenswelt auf die Bühne des Cuvilliéstheaters gebracht. Am Samstagabend gab es viel Applaus für die Erstaufführung des schockierenden Internet-Krimis der US-amerikanischen Autorin Jennifer Haley. Regie führte Amelie Niermeyer. Es ist eine preisgekrönte Geschichte über eine dunkle Halbwelt, einen virtuellen Club, in dem die Kunden sich unter fremder Identität ihre geheimsten Wünsche erfüllen können.

Banksys Vergnügungspark bringt Kleinstadt Millionen

Wirtschaftsaufschwung durch Kunst

Ein anarchischer Vergnügungspark des Künstlers Banksy hat einem ehemals beliebten Urlaubsort an der britischen Küste einen Wirtschaftsaufschwung beschert. Die Ausstellung "Dismaland" in Weston-Super-Mare habe der Region 20 Millionen Pfund (27 Millionen Euro) eingebracht, teilte der Tourismusverband Visit Somerset vor der planmäßigen Schließung des Parks am Sonntag mit. Banksy hatte in Weston-Super-Mare in einem verfallenen ehemaligen Freibad eine makabre Parodie eines Vergnügungsparks geschaffen. Die ferngesteuerten Boote sind voller Flüchtlinge, Cinderella hängt tot aus ihrer Kutsche während Paparazzi Fotos schießen, und der Sensenmann fährt Autoscooter. In den fünf Wochen seit der Eröffnung sind mehr als 150 000 Menschen aus aller Welt in die 75 000-Einwohner-Stadt gekommen, um Banksys Park zu sehen.

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Zum Tod von Sigmund JähnDer Kosmonaut der Herzen
Sigmund Jähn, früherer Kosmonaut und erster Deutscher im Weltall, steht im Kosmonautenzentrum in Chemnitz vor dem Modell des Raumschiffes Mir. Jähn besuchte die Einrichtung aus Anlass des 40. Jahrestages der Namensgebung Kosmonautenzentrum "Sigmund Jähn". (Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa)

"Ein unglaublicher Brückenbauer" sei Sigmund Jähn gewesen, sagt Raumfahrt-Experte Dirk Lorenzen über den deutschen Raumfahrt-Pionier, der nun im Alter von 82 Jahren gestorben ist. In der Bundesrepublik hätte Jähn mehr gewürdigt werden müssen.Mehr

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