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Kulturnachrichten

Samstag, 26. August 2017

Schweizer feiern ihre Folklore mit seltenem Fest

Unspunnenfest findet nur alle zwölf Jaher statt

Mit Jodeleinlagen, dem Klang von Alphörnern und dem Werfen von Felsbrocken hat in der Schweiz das größte Heimatfest begonnen. Zu dem neun Tage dauernden Ereignis namens Unspunnenfest in Interlaken erwarten die Veranstalter etwa 150 000 Besucher. Nur alle zwölf Jahre kommen die Schweizer zum Unspunnenfest zusammen, um mit Gesang, Tanz und Traditionssport jahrhundertealte Bräuche ihrer Bergwelt zu pflegen. Die Festtradition geht auf das Jahr 1805 zurück. Die Regierenden fürchteten damals Aufstände nach politischen Unruhen zwischen Stadt- und Landbevölkerung und ersannen das Fest, um ein Zusammenrücken zu fördern. Wie heute ging es auch damals um traditionelle Freizeitbeschäftigungen. Es gab ein weiteres Unspunnenfest 1808, dann erst wieder fast 100 Jahre später.

Verbotene Internetplattform "linksunten" meldet zurück

Bundesinnenministerium hatte die Plattform gestern verboten

Die verbotene linksextremistische Internetplattform "linksunten.indymedia.org" hat sich im Netz wieder zu Wort gemeldet. "Wir sind bald wieder zurück", war auf der Homepage zu lesen. Bei dem Text handelt es sich um Auszüge der 1996 von John Perry Barlow veröffentlichten "Declaration of the Independence of Cyberspace" (Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace). Der Netzpionier und Bürgerrechtler hielt darin ein flammendes Plädoyer für Freiheit und gegen staatliche Kontrolle im Internet. Das Bundesinnenministerium hatte die Internetplattform gestern verboten. Die Seite sei die bedeutendste Plattform für gewaltbereite Linksextremisten in Deutschland, begründete Minister Thomas de Maizière den Schritt. Nach dem Verbot wurde die Unter-Domain "linksunten.indymedia.org" von einem Server in Frankreich auf Rechner in Kanada umgezogen. Die Haupt-Domain "indymedia.org" gehört einem Verein zur "Demokratisierung der Kommunikation" (Associacao Brasileira pela Democratizacao da Comunicacao) in Sao Paulo. Das Verbot des Innenministeriums bezieht sich nur auf den "linksunten"-Bereich.

Aufbauarbeiten für Lollapalooza haben begonnen

Hoppegarten ist bereits der dritte Austragungsort in drei Jahren

Auf der Pferderennbahn Hoppegarten östlich von Berlin haben die Aufbauarbeiten für das Lollapalooza-Festival begonnen. Bei dem Festival am 9. und 10. September werden mehrere 10 000 Musik-Fans erwartet. Der Veranstaltungsort im Landkreis Märkisch-Oderland hatte für Diskussionen gesorgt, weil Umweltschützer Gefahren für das Umland des malerisch gelegenen Areals befürchteten. Hoppegartens Bürgermeister Karsten Knobbe sagte allerdings, nach derzeitigem Stand stehe dem Festival juristisch nichts entgegen. Naturschutzrechtliche Bescheide seien unter Auflagen erteilt worden, weitere Bescheide würden erwartet. Hoppegarten ist bereits der dritte Austragungsort in drei Jahren. 2015 feierte das Festival auf dem Tempelhofer Feld in Berlin seine Europa-Premiere. Wegen der dort errichteten Flüchtlingsunterkünfte musste das Lollapalooza im vergangenen Jahr in den Treptower Park umziehen, wo es vorab zu Protesten der Anwohner gekommen war.

Bärenzwinger wird zum Kulturstandort

Verschiedene Ausstellungen in den nächsten zwei Jahren geplant

Nach zwei Jahren Leerstand eröffnet der Bärenzwinger in Berlin-Mitte am 1. September als neuer Kulturstandort. Zwei Jahre lang werden dort verschiedene Ausstellungen zu sehen sein, wie das Bezirksamt Mitte bekanntgab. Im Zentrum der Ausstellungen stehen Projekte, die sich sowohl mit der Geschichte des ehemaligen Bärengeheges als auch mit aktuellen Themen der Stadtkultur auseinandersetzen. Der Start steht unter dem Titel «Bear Witness» - präsentiert wird ein Musikvideo, das im Gehege gedreht wurde. In dem 1939 eröffneten Gehege im Köllnischen Park lebten über Jahrzehnte verschiedene Bären. Im Oktober 2015 war die letzte Stadtbärin Schnute im Alter von 34 Jahren eingeschläfert worden.

Debatte um Kolumbus-Denkmal in New York

Sprecherin des Stadtrates hält Denkmalsturz nicht für ausgeschlossen

Um das Denkmal des Christoph Kolumbus am Columbus Circle in Manhattan ist eine Debatte entbrannt. Manchen gilt die Statue als Verherrlichung der Kolonialzeit. Sie plädieren dafür, das Denkmal zu entfernen. Melissa Mark-Viverito, Sprecherin des Stadtrates, sagte, die Person Kolumbus sei zumindest umstritten und man müsse sich die Geschichte jetzt genau anschauen und bewerten: "Jedes Denkmal, jede historische Person muss jetzt neu bewertet werden, bevor wir entscheiden, was zu tun ist." Gegner solcher Pläne demonstrierten am Denkmal für den Erhalt. Joseph Borelli, Stadtrat in Staten Island, sagte, man könne Kolumbus nicht 2017 verurteilen für etwas, dass er vor 500 Jahren getan habe. Die italienische Gemeinde protestierte bereits gegen einen Abriss. Vor fünf Jahren erst wurde das Denkmal aufwendig restauriert. Gespendet wurde es 1892 von der italienischen Gemeinde.

Corinna Kirchhoff wünscht sich mehr relevante Stücke

Schauspielerin setzt Hoffnung auf neuen BE-Intendanten

Schauspielerin Corinna Kirchhoff (59) hat genug von der "grassierenden Verblödung" an vielen Bühnen und fordert gute Rollen für ältere Frauen. Durch den Intendantenwechsel am Berliner Ensemble erhoffe sie sich einen Neuanfang, der vor allem auf relevante Stücke und die Schauspieler setze, sagte Kirchhoff dem Magazin "Focus". Intendant Claus Peymann nahm im Juli nach 18 Jahren Abschied vom BE. Die Schauspielerin, die jahrelang an der Schaubühne in Berlin und am Burgtheater in Wien gearbeitet hat, setzt dabei vor allem auf den neuen Intendanten Oliver Reese. "Er ist integer, er ist klug, er ist den Schauspielern zugewandt", sagte sie. Ansonsten zog sie eine eher kritische Bilanz: "Das Theater ist oft schwach, hat nichts zu sagen." Von den Regieexzessen etwa eines Frank Castorf, aber auch dem Trend zu Performance und Genremix hält sie nichts: "Das entwertet unser Metier, nimmt ihm seine Radikalität." Sie wünscht sich bessere Rollen. "Es ist ein Jammer, ein Skandal, dass es für die älter werdende oder alte Frau viel zu wenig gute Rollen gibt, im Gegensatz zu den Männern. Denken Sie an King Lear, sowas fehlt uns."

Russischer Regisseur Serebrennikow ficht Hausarrest an

Leiter des Gogol-Theaters soll staatliche Gelder unterschlagen haben

Der russische Starregisseur Kirill Serebrennikow hat gegen den verhängten Hausarrest Berufung eingelegt. Seine Anwälte hätten entsprechende Unterlagen in Moskau eingereicht, bestätigte ein Gerichtssprecher. Wann über die Berufung entschieden werde, sei noch nicht bekannt. Serebrennikow steht seit Mittwoch wegen Betrugsverdachts unter Hausarrest. Das Staatliche Ermittlungskomitee wirft ihm vor umgerechnet knapp eine Million Euro staatlicher Gelder unterschlagen zu haben. Bis zum 19. Oktober darf der Regisseur seine Wohnung im Moskauer Stadtzentrum nicht verlassen, kein Internet verwenden oder Post verschicken.

Lederer zuversichtlich über Zukunft der Volksbühne

Entwicklung als Repertoire- und Ensembletheater sei Bestandteil des Vertrags

Berlins Kultursenator Klaus Lederer ist zuversichtlich, dass der neue Volksbühnen-Intendant Chris Dercon ein festes Ensemble aufbauen wird. Es sei vertraglich vereinbart worden, die Bühne als Repertoire- und Ensembletheater zu entwickeln, sagte Lederer. "Der beste Weg, Kritik zu begegnen, ist zu beweisen, dass man seine Aufgabe bewältigt. Diese Chance hat Chris Dercon verdient", sagte der Senator mit Blick auf Stimmen, die befürchten, dass an der Volksbühne künftig nur noch Gäste auftreten werden. Lederer selbst hatte zunächst im Herbst angekündigt, die Personalie Dercon auf den Prüfstand zu stellen - sich dann aber zum Vertrag mir dem belgischen Kulturmanager bekannt. Dercons Gegner halten ihn für ungeeignet, Nachfolger von Frank Castorf zu werden. Sie fürchten um das Profil der Bühne. Theater-Mitarbeiter hatten in einem offenen Brief gegen Dercon protestiert, der zuletzt das Londoner Museum Tate Modern leitete.

Schleswig-Holstein Musik Festival mit Besucherrekord

171.000 Gäste besuchten rund 200 Konzerte

Mit einem Besucherrekord ist das Schleswig-Holstein Musik Festival zu Ende gegangen. 171.000 Menschen hörten Konzerte an 107 Spielstätten, 20.000 mehr als im Vorjahr. Festivalintendant Christian Kuhnt führt den gestiegenen Zuschauer-Zuspruch und die Auslastung der Konzerte von 90% auch auf die Konzeption des diesjährigen Programms zurück. "Die großartige Bilanz zeigt, dass unser Publikum der Idee des Komponistenschwerpunkts und des Porträtsolisten mit immer größer werdender Neugier folgt" sagte Kuhnt. Das Festival stellte in diesem Jahr den französischen Komponisten Maurice Ravel (1875-1937) und den israelischen Mandolinisten Avi Avital ins Zentrum seines Programms. Auch die prominenten Dirigenten Herbert Blomstedt, Jaap van Zweden, Yuri Temirkanov, Thomas Hengelbrock und Ton Koopman zogen das Publikum an.

Deutscher Kulturrat: Computerspiele sind Kulturgut

Für Geschäftsführer Zimmermann können digitale Spiele auch Kunstwerke sein

Für den Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, Olaf Zimmermann, sind Computerspiele selbstverständlich Teil des Kulturguts. Mittlerweile werde die kulturelle Bedeutung von Computerspielen deutlich hervorgehoben, sagte Zimmermann in Berlin anlässlich der in Köln stattfindenden Spielemesse Gamescom und ergänzte: "Manche Perlen unter den Computerspielen sind sogar Kunstwerke." Nach der 2007 begonnen Kontroverse über die Erweiterung des Kultur- und Kunstbegriffs auf Computerspiele zweifle heute kaum noch jemand an deren kulturellen Wert. Dass in vielen Computerspielen Gewalt ein Rolle spiele, sei kein einschränkendes Kriterium bei der Bewertung. Auch in "Romanen, Filmen und der Bildenden Kunst ist Gewalt ein wichtiges Handlungsmotiv", sagte Zimmermann. Die Kunstfreiheit sei nicht an die Qualität des Werkes gebunden sei und gelte auch für Computerspiele. Der zehnjährige Kampf für Computerspiele als Kulturgut sei damit erfolgreich gewesen.

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