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Kulturnachrichten

Mittwoch, 7. September 2016

Erste Design-Biennale in London

Grcic kuratiert deutschen Beitrag

London ist zum ersten Mal Gastgeberin einer Design-Biennale. Die Schau mit Teilnehmern aus 37 Ländern findet im Somerset House statt und trägt den Titel "Utopia by Design" - eine Anspielung auf die Veröffentlichung des philosophisch-politischen Werks "Utopia" des britischen Schriftstellers Thomas More vor 500 Jahren. Der deutsche Beitrag kommt von dem Münchner Designer Konstantin Grcic und ist nach einem Zitat des US-Schauspielers und Filmproduzenten John Malkovich "Utopia means elsewhere" (Utopie bedeutet anderswo) benannt. Grcic ist insbesondere als Möbeldesigner erfolgreich und vertrat Deutschland bereits bei der Architektur-Biennale 2012 in Venedig. Die Design-Biennale ist bis zum 27. September geöffnet.

Diskussion um Smolensk-Film vor Kinostart in Polen

Kritiker halten "Smolensk" für Propaganda

Ein Film über die Flugzeugkatastrophe von Smolensk wird in Polen bereits vor Kinostart am Freitag kontrovers diskutiert. Der Streifen über den Absturz des Regierungsflugzeugs mit 96 Toten unterstütze eine Anschlagstheorie, kritisierte die polnische Zeitung "Gazeta" in ihrer Online-Ausgabe. Regisseurs Antoni Krauze gab an, er habe sich auf Untersuchungsergebnissen von Polens nationalkonservativer PiS-Regierung gestützt, die den Absturz neu ermitteln lässt. Sie akzeptiert den offiziellen Untersuchungsbericht ihrer Vorgänger, der menschliches Versagen für das Unglück am 10. April 2010 verantwortlich machte, nicht. PiS-Parteichef Jaroslaw Kaczynski, Zwillingsbruder des verunglückten Präsidenten Lech Kaczynski, glaubt sogar an einen Anschlag. Der Smolensk-Film sei Propaganda, bemängelte Oppositionspolitikerin Katarzyna Lubnauer von der Partei Nowoczesna im Gespräch mit dem Portal Onet.pl. Davon zeuge auch, dass bei der Premiere Präsident Andrzej Duda sowie zahlreiche PiS-Politiker wie der Parteivorsitzende Jaroslaw Kaczynski und Ministerpräsidentin Beata Szydlo anwesend gewesen seien.

Berlin stellt sich in Streit mit Türkei hinter Deutsche Welle

Streit um beschlagnahmtes Friedman-Interview zieht Kreise

Im Streit um die Beschlagnahmung eines Interviews mit dem türkischen Sportminister hat sich die Bundesregierung hinter die Deutsche Welle (DW) gestellt. Sie unterstützte die Forderung des staatlichen Auslandssenders, die Aufnahmen wieder herauszugeben. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte: "Die Pressefreiheit ist für uns ein hohes, nicht zu verhandelndes Gut." Dies gelte nicht nur im Inland, sondern auch im Ausland. Wegen der Beschlagnahmung des Interviews wurde der deutsche Botschafter Martin Erdmann bei der türkischen Regierung vorstellig. Nach Angaben des Auswärtigen Amts führte er dazu ein "konstruktives" Telefonat mit dem Büroleiter des Sportministers Akis Cagatay Kilic. Konkrete Ergebnisse wurden zunächst nicht bekannt. Der Minister hatte dem DW-Moderator Michel Friedman am Montagabend ein Interview gegeben. Nach Angaben des Senders wurde das Material dann aber unmittelbar danach von seinem Ministerium konfisziert. Kilic behauptete im Kurznachrichtendienst Twitter, er habe lediglich gefordert, das Interview nicht auszustrahlen. Die Deutsche Welle müsse diesem Wunsch nach Autorisierung nachkommen.

Spanien schickt Almodóvars "Julieta" ins Oscar-Rennen

Der Regisseur hatte bereits 2000 den Auslandsoscar gewonnen

Spanien schickt im kommenden Jahr Pedro Almodóvars jüngstes Frauendrama "Julieta" ins Rennen um den Oscar für den besten ausländischen Film. Dies teilte die zuständige "Academia de Cine" auf ihrer Webseite mit. In dem von Kritikern gefeierten, farbgewaltigen Melodram geht es um eine Frau, die sich in einer tiefen Krise befindet, um die schicksalhafte Beziehung zu ihrer Tochter und um Schuld. Der Streifen basiert auf drei Kurzgeschichten von Almódovars Lieblingsautorin Alice Munro. Der 66-jährige Spanier hatte bereits im Jahr 2000 die begehrte Statue gewonnen, damals für das Werk "Alles über meine Mutter". Die Oscars werden am 26. Februar 2017 in Los Angeles verliehen.

Manifest gegen die Verrohung der Sprache

Bayrischer Lehrerverband beklagt "schrille Töne" in der Flüchtlingsdebatte

Der bayerische Lehrerverband BLLV warnt vor einer zunehmenden Verrohung der Sprache. "Wir sehen mit Sorge, wie aktuell politisch diskutiert wird", sagte Verbandspräsidentin Simone Fleischmann. Die Art und Weise, wie beispielsweise die Debatte um die Flüchtlingspolitik in Deutschland geführt werde, habe Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche. Der Diskurs sei "geprägt von schrillen Tönen, versteckter und offener Ablehnung, Vorurteilen, Hetze und leider auch von Gewalt". Daher will der Verband heute in München ein "Manifest gegen die Verrohung der Sprache und für Respekt und Wertschätzung als Grundwerte unserer Schule und unserer Gesellschaft" veröffentlichen.

Stammzellenforscher Hans Clevers erhält Körber-Preis

Madiziner hat Verfahren zur Vermehrung erwachsener Stammzellen entwickelt

Der mit 750 000 Euro dotierte Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft ist in Hamburg an den niederländischen Stammzellenforscher Hans Clevers überreicht worden. Der Biologe und Mediziner hat nach Angaben der Körber-Stiftung ein neues Standardverfahren zur unbegrenzten Vermehrung erwachsener Stammzellen entwickelt. Damit könne er rudimentäre Organe im Miniaturformat züchten. An den sogenannten Organoiden lassen sich Medikamente in der Petrischale testen. Künftig könnten Organoide auch kranke Organe schrittweise ersetzen und Spenderorgane überflüssig machen. Die Fördermittel des Preises will Clevers nutzen, um erste Schritte in Richtung Gentherapie zu unternehmen. Der 59-Jährige leitet seit 2015 die Forschungsabteilung des Utrechter Princess Máxima Center, ein neu eingerichtetes Krankenhaus für krebskranke Kinder. Die Preisverleihung fand im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses statt.

Vorschlag: Bund soll Berliner Staatsoper übernehmen

Hauptstadtkulturvertrag wird derzeit neu verhandelt

Der SPD-Politiker Johannes Kahrs hat sich dafür ausgesprochen, dass der Bund die Berliner Staatsoper Unter den Linden übernimmt. Das wäre für alle Beteiligten die sauberste, klarste und einfachste Lösung, sagte der haushaltspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion der Deutschen Presse-Agentur. Der Bund sollte sich bei den laufenden Verhandlungen zum neuen Hauptstadtkulturvertrag auf ein Projekt konzentrieren, so Kahrs. Bisher ist eine Beteiligung an mehreren Institutionen im Gespräch, darunter an den Berliner Philharmonikern. Derzeit ist das Land Berlin für die Staatsoper zuständig. Der jährliche Zuschuss beträgt gut 47 Millionen Euro. Der Hauptstadtkulturvertrag läuft 2017 aus und muss neu verhandelt werden.

Stefan Zweig-Film soll Österreich den Oscar bringen

Im Januar werden die fünf endgültigen Nominierungen bekannt gegeben

Österreich setzt seine Hoffnung auf einen Auslands-Oscar in den Film "Vor der Morgenröte". Der Film der deutschen Schauspielerin und Regisseurin Maria Schrader handelt von den Exiljahren des berühmten österreichisch-jüdischen Schriftstellers Stefan Zweig (1881-1942) in Nord- und Südamerika. Der österreichische Kabarettist Josef Hader spielt die Hauptrolle. Der Streifen setzte sich gegen vier weitere Produktionen durch, wie der Fachverband der Film- und Musikindustrie mitteilte. Deutschland schickt den sehr persönlichen, komödiantischen Film "Toni Erdmann" von Regisseurin Maren Ade um eine schwierige Vater-Tochter-Beziehung ins Oscar-Rennen. Nach einer Veröffentlichung einer Shortlist wird die Academy in Hollywood im Januar die fünf finalen Nominierungen für den Auslands-Oscar bekanntgeben. Am 26. Februar findet die 89. Verleihung des berühmtesten Filmpreises in Los Angeles statt.

Auktionshaus-Möbelpacker wegen Diebstahls verurteilt

Männer klauten für Versteigerung bestimmte Objekte in Paris

Weil sie sich für Versteigerungen vorgesehene Objekte selbst unter den Nagel rissen, sind Dutzende für das bekannte Pariser Auktionshaus Drouot arbeitende Möbelpacker verurteilt worden. Das Pariser Strafgericht sprach gegen 38 Angeklagte Gefängnisstrafen von bis zu 18 Monaten und Geldstrafen aus. Unter den Verurteilten sind auch drei Auktionatoren, die als Hehler gedient hatten. Die Möbelpacker räumten im Auftrag von Drouot Wohnungen aus, wenn ein Nachlass versteigert werden sollte. Dabei verschwanden immer wieder wertvolle Möbel und andere Objekte - die Möbelpacker ließen sie teilweise selbst versteigern und strichen die Erlöse ein. Auf diese Weise wurden 2006 ein Art-Déco-Tisch und eine Friseurkommode für eine Million Euro versteigert. Unter den gestohlenen Objekten waren auch ein chinesischer Ming-Teller, der für 325.000 Euro verkauft wurde, und Kostüme des berühmten französischen Pantomimen Marcel Marceau.

Afghanische Musik nach 100 Jahren wieder zu hören

Es sind die ältesten Zeugnisse afghanischer Musik

100 Jahre nach ihrer Aufnahme sollen die ältesten Zeugnisse afghanischer Musik wieder zu hören sein. Das deutsch-afghanische Ensemble "Safar", deutsch "Reise", gastiert damit bei zwei Konzerten am Samstag in Frankfurt am Main und am Montag in Weimar, wie die Musikhochschule Franz Liszt in Weimar mitteilte. Spezialisten des "Afghanistan Music Research Centres" der Hochschule hätten die Aufnahmen aus dem Jahr 1916 bei Recherchen in den akustischen Sammlungen des Lautarchivs der Berliner Humboldt-Universität entdeckt. Sie wurden nach Angaben der Weimarer Hochschule nach ihrer Entdeckung zurück nach Afghanistan gebracht. Dort sei die Musik gemeinsam mit afghanischen Meistermusikern und dem türkischen Sufi-Meister Kudsi Erguner einstudiert worden. Nach den beiden Konzerten in Deutschland werde "Safar" auch im afghanischen Fernsehen auftreten.

Sasha Waltz wird Ko-Intendantin des Staatsballetts Berlin

Choreographin folgt auf Spanier Duato

Die Choreographin Sasha Waltz und der Direktor des Royal Swedish Ballet, Johannes Öhman, werden Ko-Intendanten des Staatsballetts Berlin. Sie folgen dem Spanier Nacho Duato, dessen Vertrag im Juli 2019 ausläuft. Das teilte Berlins Regierender Bürgermeister und Kultursenator Michael Müller (SPD) mit. Waltz feiert mit ihrer eigenen Compagnie "Sasha Waltz & Guests" internationale Erfolge.
"Das Staatsballett Berlin ist derzeit die größte Ballettcompagnie Deutschlands und Berlins einziges klassisch geschultes Ensemble", erklärte Müller in einer Mitteilung. Waltz und Öhman sollen die ganze Spannbreite des Balletts entwickeln - von Klassik bis zum zeitgenössischen Tanz.
Duato hatte 2014 das Staatsballett als Nachfolger von Vladimir Malakhov übernommen. Kritiker hatten ihm Desinteresse an Berlin vorgeworfen. Der Choreograph versucht zur Zeit, ein eigenes Repertoire aufzubauen. In der vergangenen Spielzeit erreichte das Staatsballett eine Auslastung von 77 Prozent. Bei mehreren Streiks der Tänzer für einen Tarifvertrag hatte sich Duato hinter das Ensemble gestellt.

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Fazit

Ersan Mondtags "Die Verdammten" in KölnUnter Untoten
Eine lange Tafel, an deren beiden Enden zwei Frauen sitzen. Eine Frau sitzt auf dem Tisch. Im Hintergrund ist ein überdimensioniertes Foto eines Babys zu sehen. Dahinter ist eine Treppe zu sehen, auf deren oberen Ende ein Mann sitzt. Über allem liegt eine Schicht weiße Federn. (Birgit Hupfeld / Schauspiel Köln)

Ersan Mondtag inszeniert Luchino Viscontis „Die Verdammten“ am Schauspiel Köln. Das Stück über eine deutsche Industriellenfamilie, die sich mit den aufstrebenden Nationalsozialisten einlässt, lässt für unseren Kritiker Michael Laages Fragen offen.Mehr

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