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Kulturnachrichten

Freitag, 28. August 2015

"Hamburger Abendblatt" setzt Flüchtlinge als Reporter ein

Die Zeitung will Flüchtlingen eine Stimme geben

Das "Hamburger Abendblatt" beschäftigt ab September fünf Flüchtlinge als Reporter. Das Team solle regelmäßig Beiträge in allen Ressorts der Zeitung veröffentlichen, teilte die Funke Mediengruppe heute mit. Geplant ist eine wöchentliche Kolumne "Mein Leben in Hamburg", die die Reporter im Wechsel schreiben. Außerdem sollen sie nach aktueller Lage die Situation von Flüchtlingen in Hamburg aus ihrer Perspektive beleuchten. Zum Team der Flüchtlings-Reporter gehören eine Ärztin aus dem Irak, ein Foto-Journalist und eine Politikwissenschaftlerin aus Afghanistan, ein Taxifahrer aus Eritrea sowie ein Bankkaufmann aus Syrien. Bezahlt würden sie wie andere freie Mitarbeiter nach Zeile. "Wir wollen den Flüchtlingen nicht nur ein Gesicht, sondern auch eine Stimme geben und mit ihrer Hilfe nicht nur etwas über sie, sondern vor allem auch über uns erfahren", sagte der Chefredakteur Lars Haider.

Leipziger Zeitung ist insolvent

Mangel an Abonnenten

Drei Monate nach Erscheinen der ersten Auflage ist die neugegründete Leipziger Zeitung insolvent. Beim Amtsgericht Leipzig wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde der Rechtsanwalt Florian Stapper bestellt, wie aus den Bekanntmachungen des Gerichtes hervorgeht. Die Leipziger Zeitung war Ende Mai als unabhängige Wochenzeitung und reines Printangebot an den Start gegangen. Die Macher hatten allerdings nie so viele Abonnenten wie erhofft gewonnen.

Iran will Barenboim-Auftritt in Teheran nicht zulassen

Kultusministerium stellt sich gegen ein Konzert

Der Iran will einen geplanten Auftritt des israelisch-argentinischen Stardirigenten Daniel Barenboim in Teheran nicht zulassen. "Der Iran erkennt das zionistische Regime Israels nicht an und wird auch nicht mit Künstlern dieses Regimes zusammenarbeiten", sagte heute ein Sprecher des iranischen Kultusministeriums. Sobald das Ministerium erfahren habe, dass der Dirigent des geplanten Konzerts ein israelischer Staatsbürger sei, sei das Konzert vom Minister selbst abgesagt worden. Barenboim hat immer wieder die israelische Siedlungspolitik und die Haltung der verschiedenen Regierungen gegenüber den Palästinensern kritisiert. Gestern bestätigte er die Pläne seines Orchesters für ein Konzert in Teheran. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sollte Schirmherr sein. Zuvor hatte Israels Kulturministerin Miri Regev bereits gegen die Konzertpläne protestiert.

ARD-Musikwettbewerb sucht neuen Chef

Übergangsweise ist Oswald Beaujan künstlerischer Leiter

Die ARD sucht einen neuen künstlerischen Leiter für ihren Internationalen Musikwettbewerb. Weil der langjährige Chef Axel Linstädt seit Anfang des Monats Mitglied des Rundfunkrates sei, dürfe er die Position nach dem Bayerischen Rundfunkgesetz nicht länger innehaben, sagte der Hörfunkdirektor des Bayerischen Rundfunks, Martin Wagner, heute in München. Ein Nachfolger für ihn solle in Kürze bekanntgegeben werden. Übergangsweise soll Linstädts Stellvertreter Oswald Beaujean die Leitung übernehmen. Die 64. Ausgabe des Musikwettbewerbes wird in diesem Jahr in den Fächern Posaune, Flöte, Gesang und Klavierduo ausgetragen. Insgesamt gab es nach Angaben des Bayerischen Rundfunks 652 Bewerbungen aus 56 Ländern. 232 Kandidaten wurden nach München eingeladen. Ein Highlight: Die Kandidaten in der Kategorie Klavierduo müssen sich mit einem Stück auseinandersetzen, bei dem nicht nur ein Piano erklingen soll, sondern auch zwei Smartphones.

Esther Kinsky erhält Kranichsteiner Literaturpreis

Jury würdigt Kinskys Roman "Am Fluss"

Der Kranichsteiner Literaturpreis geht in diesem Jahr an Esther Kinsky. Die 58-jährige Schriftstellerin und Übersetzerin erhalte die mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung für ihr bisheriges Werk und insbesondere für ihren Roman "Am Fluss", teilte der Deutsche Literaturfonds heute in Darmstadt mit. Der Roman aus dem Jahr 2014 sei von "packender Intensität", urteilte die Jury. "Mit behutsamer Präzision" entwerfe sie die Topografie eines Londoner Vororts und stoße auf Spuren der eigenen Vergangenheit. Die im nordrhein-westfälischen Engelskirchen aufgewachsene Slawistin Kinsky ist seit 1986 als Übersetzerin für russische, polnische und englischsprachige Literatur tätig. Daneben veröffentlichte sie in Zeitschriften Kurzprosa und Lyrik. Seit 1987 publiziert sie Kinderbücher, 2009 folgte ihr erster Roman "Sommerfrische". Der nach dem Darmstädter Stadtteil Kranichstein benannte Literaturpreis wird seit 1983 jährlich verliehen. Die diesjährige Verleihung findet am 6. November im Literaturhaus in Darmstadt statt.

Herta Müller kritisiert Osteuropas Haltung zu Flüchtlingen

Der Kommunismus sei einer der Gründe für nationalistisches Denken

Die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller kritisiert die ablehnende Haltung gegenüber Flüchtlingen in den osteuropäischen Staaten. "Jeder denkt nur national", sagte die deutsch-rumänische Schriftstellerin der Düsseldorfer "Rheinischen Post". Das gelte insbesondere für die Länder Osteuropas, aus denen jahrzehntelang Menschen geflohen und an deren Grenzen Tausende gestorben seien. "Aber heute tun diese Länder so, als hätten sie mit Flucht noch nie etwas zu tun gehabt", sagte Müller. In diesen Staaten sei vergessen, dass Verzweiflung und Flucht zusammengehörten, beklagte die 62-jährige Autorin, die im rumänischen Banat aufwuchs und vom Geheimdienst überwacht wurde. Für die nationalistischen Haltungen in Osteuropa macht Müller auch den Kommunismus verantwortlich: Durch die Abschottung habe er "ein gespenstisches negatives Nationalgefühl produziert". Der Kommunismus sei zwar überwunden, aber habe einen "verbohrter Ethnozentrismus und eine provinzielle Überheblichkeit, die an Rassismus grenzt", hinterlassen, sagte Müller. Diese Eigenschaften würden heute häufig "als normale Angst des anständigen, gesunden Empfindens, als unschuldiges Heimatgefühl" verstanden.

Jussi Adler Olsen: Boykott von Millennium-Fortsetzung

Verstorbener Stieg Larsson würde ausgenutzt

Der dänische Schriftsteller Jussi Adler Olsen hat die Fortsetzung der berühmten Millennium-Krimireihe aus fremder Feder als "respektlos und verkehrt" kritisiert. "Ich finde, das ist ein trauriger Tag", kommentierte er heute in der Tageszeitung "Politiken". Gestern war der Thriller "Verschwörung" des Schweden David Lagercrantz bei 26 Verlagen weltweit erschienen, der die Trilogie des 2004 gestorbenen Stieg Larsson weiterführt. "Damit nutzt man einen Mann aus, der Ausnutzung hasste", so Adler Olsen, dessen Krimis um Kommissar Carl Mørck Bestseller sind. "Ich fordere dazu auf, dieses Buch zu boykottieren, und ich werde es nicht lesen." Lagercrantz könne gut schreiben. "Aber hiervon hätte er sich fernhalten sollen." Er selbst hätte den Auftrag nicht angenommen, sagte Adler Olsen.

Wissenschaftsministerin: enormer Schaden für Sachsen

Ausländerfeindlichkeit schrecke ausländische Wissenschaftler ab

Die sächsische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva-Maria Stange, beklagt die "verheerenden Auswirkungen" der Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte für den Wissenschaftsstandort Sachsen. "Der Imageschaden ist enorm", sagte die SPD-Politikerin im Deutschlandradio Kultur. Das Problem beginne nicht erst bei Pegida. Man dürfe auch nicht vergessen, dass die NPD zwei Legislaturperioden lang im sächsischen Landtag vertreten gewesen sei. "Und das schreckt ausländische Wissenschaftler erheblich ab", betonte Stange. Sie räumte ein, zu lange sei verharmlost worden, dass die NPD in Sachsen verankert sei und dass es ein hohes Potenzial an Ausländerfeindlichkeit gebe. "Und das schlägt uns natürlich jetzt ganz gehörig ins Gesicht." Zum Glück gebe es mittlerweile viele junge Menschen, die sich vor Asylbewerberheime stellten und selber ihre Stimme erheben würden. Auch Studierende engagierten sich für Flüchtlinge. Die sächsische Wissenschaftsministerin kündigte an, die Hochschulen für ausländische Studierende weiter zu öffnen, auch wenn diese keine Papiere hätten.

Salma Hayek genervt vom Rassismus in der Filmbranche

Hollywood-Schauspielerin fordert mehr Gleichberechtigung

Salma Hayek, Hollywoodstar mit mexikanischen Wurzeln, könnte nach eigenem Bekunden ein ganzes Buch füllen mit rassistischen Vorurteilen, denen sie im Laufe ihrer Karriere begegnete. "Ich musste mir oft anhören, dass ich mit meinem Aussehen eigentlich ein großer Star werden könne, aber leider im falschen Land geboren sei", sagte die Schauspielerin in einem heute auf Spiegel Online veröffentlichten Interview. "Oder dass man mir eine Rolle nicht geben könne, weil die Zuschauer aufgrund meines Akzents an ihre Putzfrauen denken würden." Sie wolle weiter gegen Stereotype ankämpfen und dabei auch versuchen, die Dominanz der Männer nicht nur in der Filmbranche brechen. "Ich bin davon überzeugt, dass von mehr Gleichberechtigung auch die Männer profitieren würden." Hayek ist die Tochter eines aus dem Libanon stammenden Öl-Managers und einer mexikanischen Opernsängerin.

Reykjavik benennt Straße nach Darth Vader

Initiative "Better Reykjavik" setzt Ideen der Bürger um

Die isländische Hauptstadt Reykjavik benennt eine Straße nach dem berühmten Star-Wars-Bösewicht Darth Vader. Die Entscheidung der Stadt verbreitete Bürgermeister Dagur B. Eggertsson über Twitter. Die Straße in einem Industriegebiet wird Svarthöfði heißen - das ist der isländische Name für Darth Vader. Die Umbenennung ist der Initiative "Better Reykjavik" zu verdanken, einem Onlineforum, bei dem Bürger Ideen für ihre Stadt einreichen können. Die beliebtesten Vorschläge werden im Stadtrat diskutiert. Reykjaviks damaliger Bürgermeister und Clown Jon Gnarr hatte sich 2010 für das Forum stark gemacht. Sein Kommentar zur Straßen-Umbenennung auf Facebook lautet: "Wurde langsam Zeit!"

Goethe-Medaillen in Weimar verliehen

Würdigung von Verdiensten um internationalen Kulturaustausch

Der britische Museumsdirektor und designierte Gründungsintendant des Berliner Schlosses, Neil MacGregor, ist heute in Weimar mit der Goethe-Medaille ausgezeichnet worden. Die Medaille, ein offizielles deutsches Ehrenzeichen, erhielten außerdem der syrische Philosoph Sadik Al-Azm und die deutsch-brasilianische Kulturmanagerin Eva Sopher. Sie wurden als internationale Persönlichkeiten geehrt, die den öffentlichen Diskurs in ihrem Land maßgeblich prägen und eine enge Verbindung zur deutschen Kultur haben. Die 92 Jahre alte Sopher konnte wegen ihres hohen Alters nicht an dem Festakt im Weimarer Stadtschloss teilnehmen, sandte aber eine Videobotschaft. Zwei Familienmitglieder nahmen den Preis für sie entgegen. Der Präsident des Goethe-Instituts, Klaus-Dieter Lehmann, erinnerte daran, dass Sopher als Jüdin vor den Nationalsozialisten fliehen musste und in Brasilien eine neue Heimat fand. Ihre Biografie belege die historische Verantwortung Deutschlands in der derzeitigen Flüchtlingskrise. Die Goethe-Medaille, das offizielle deutsche Ehrenzeichen wird seit einigen Jahren am 28. August verliehen, dem Geburtstag von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832). Die Auszeichnung erhalten Persönlichkeiten, die sich um den internationalen Kulturaustausch verdient gemacht haben.

Performancekünstler Sehgal: "Mangel an Mangel"

Einer der gefragtesten zeitgenössischen Künstler

Der Performance-Künstler Tino Seghal sieht Kunstwerke in der Gegenwart als Sinnbild für eine Überflussgesellschaft, "da sie nicht einmal einen Gebrauchswert behaupten". Im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung beklagte Sehgal einen "Mangel an Mangel", der durch die Digitalisierung beschleunigt werde. "Immer weniger Menschen stellen Dinge her, die wir wirklich brauchen, und es braucht immer mehr Marketing, um weitere Bedürfnisse zu erzeugen." In der Kunstszene gilt der 38-Jährige Wahlberliner als einer der gefragtesten zeitgenössischen Künstler. Auf der Biennale in Venedig erhielt er 2013 die Auszeichnung als bester Künstler. Sehgal produziert weder Gemälde noch andere Objekte. Stattdessen entwickelt er Performances, die nicht fotografiert werden dürfen. Die Berichte über den Auktionsmarkt für Kunstwerke verdeckten, wie die Wirklichkeit für die meisten Künstler aussehe, sagte Sehgal. "Meine Realität ist eher, dass ein Museumsdirektor anruft und sagt: Es fehlen noch 2.000 Euro, um deine Arbeit zu zeigen." Sehgal gab allerdings auch an, man könne seine Performances für 30.000 bis 100.000 Euro kaufen. Gewöhnlich erhalte er Honorare. "Damit lassen sich Miete, Kindergarten und Schule meiner Söhne bezahlen."

Argentinische Paare bleiben unbesiegbar bei Tango-WM

Mehr als 700 Paare aus 43 Ländern tanzten um den Titel

Bei der Tango-Weltmeisterschaft in Buenos Aires haben argentinische Tanzpaare alle Podiumsplätze besetzt. Mehr als 700 Paare aus 43 Ländern tanzten um die WM-Titel in den beiden Kategorien Tanzsaal- und Bühnentango. Die Argentinier Ezequiel Jesús López und Camila Aguirre gewannen am Donnerstagabend vor 5000 Zuschauern im Luna-Park-Stadion das Finale im Bühnentango. Am Vortag hatten ihre Landsleute Jonathan Saavedra und Clarisa Aragón im Tanzsaal-Wettbewerb den mit 40 000 Peso (3600 Euro) dotierten Meistertitel erlangt. In dieser Kategorie kamen ein russisches Paar auf den vierten und ein indonesisches auf den fünften Platz, als bestplatzierte Ausländer. Auch im Vorjahr hatten zwei argentinische Paare die WM-Titel im Tangotanz gewonnen. Die Tango WM fand im Rahmen des zweiwöchigen Internationalen Tango-Festivals von Buenos Aires statt, an dem 2000 Musiker und Tänzer vor insgesamt 600 000 Zuschauern auftraten.

Ehren-Oscars für Spike Lee und Gena Rowlands

Vergabe von der normalen Oscar-Show im Frühjahr abgekoppelt

Der US-Regisseur Spike Lee und die Schauspielerin Gena Rowlands werden im November mit einem Ehren-Oscar ausgezeichnet. Wie die Academy Of Motion Picture Arts and Sciences in Los Angeles mitteilte, soll auch die Schauspielerin Debbie Reynolds geehrt werden, sie erhält bei der Vergabe der "Governors Awards" den Jean-Hersholt-Preis für ihr humanitäres Engagement. Die feierliche Gala findet am 14. November in Hollywood statt. Die Vergabe der Ehren-Oscars wurde 2009 erstmals von der normalen Oscar-Show im Frühjahr abgekoppelt. Lee, der sich als Regisseur, Produzent, Drehbuchautor und Schauspieler vor allem um den Independent Film verdient machte, ist für Filme wie "Jungle Fever", "Malcom X" und "Inside Man" bekannt. Hollywood-Veteranin Rowlands wirkte in über 40 Spielfilmen mit, darunter "Eine Frau unter Einfluß", "Gloria, die Gangsterbraut" und "Wie ein einziger Tag".

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